Teletäglich

Großes Staunen bei Maischberger! Chefarzt: Omikron hat uns der Himmel geschickt

„maischberger. die woche“. ARD, Mittwoch, 2.Februar 2022, 22.50 Uhr.

Corona in der Durchlaufphase, Olympia in der Isolation, die Ukraine in Lebensgefahr: In Maischbergers Wochenshow gibt‘s auch heute nichts zu lachen! Die Gäste:

Janosch Dahmen (40, Grüne). Der Gesundheitspolitiker warnt: „Ohne Impfpflicht beenden wir die Pandemie nicht!

Thomas Voshaar (63). Der Chefarzt hofft auf die Omikron-Variante als natürlichen Ausweg, denn „wir können das Virus nicht wegimpfen“.

Wolfgang Ischinger (75). Der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz sieht Deutschland wegen schlapper Ukraine-Politik „in einem miesen, schlechten Licht“.

Gerhard Delling (62). Der Ex-ARD-Sportmoderator war dreimal bei Olympia dabei und glänzte 13 Jahre lang im Pointen-Pingpong mit Fußballlegende Günter Netzer.

Cerstin Gammelin (57). Die Journalistin („SZ“) hat „früher immer den Olympischen Spielen entgegengefiebert“, aber jetzt „keine Lust mehr.“

Florian Harms (49). Der Chefredakteur („t-online.de“) wettert über den „monatelangen Hickhack“ im Gesundheitsministerium.

Politiker, Experten, Kritiker, aber der Top-Star fehlt, denn „Warn-Karl“ Lauterbach fällt wegen Erkältung aus. Das Zoff-o-Meter ist trotzdem scharfgestellt!

Persönlichster Ärger

Für Delling ist Englands Premier Boris Johnson nach  verbotener Feierei der „Verlierer der Woche“: „Ich habe zwei Töchter in London, die wissen gut zu erzählen, wie es ist, wenn man das Haus längere Zeit nicht verlassen und auch seine Freunde nicht in der Öffentlichkeit treffen darf!“

Maischberger reibt Salz in die Wunde: „Er hat die ganze Zeit in unterschiedlichen Konstellationen gefeiert, während alle anderen es nicht durften!“

„Man glaubt es nicht!“ wettert der Moderator. „Das Vertrauen ist jetzt völlig aufgebraucht. Deswegen ist nicht nur er der Verlierer, sondern die Glaubwürdigkeit insgesamt!“

Zünftigster Zweier-Zoff

Dann pfeffert die Talkmasterin ihre Show mit Widersprüchen: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will jetzt „viel mehr Freiheit zurückgeben“, Baden-Württembergs Landeschef Winfried Kretschmann dagegen „nicht auf Sicht über Exitstrategien reden.“

Der „t-online“-Chefredakteur verarbeitet die Vorlage mit einem Standardspruch aus der Mottenkiste: „Söder richtet sein Fähnchen nach dem Wind, das kann er sehr gut.“ Für die „SZ“-Journalistin wiederum ist Söders vorsichtiger Vorschlag „im Prinzip dieselbe Masche wie vorher.“

Überraschendster Hammer-Satz

Zur Sache sagt Chefarzt Voshaar, aus Düsseldorf zugeschaltet: „Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass wir die Situation im Gesundheitssystem und insbesondere auf unseren Intensivstationen nicht zum Maßstab aller Dinge machen sollten.“

Denn, so der Mediziner: „Wir müssen doch zur Kenntnis nehmen, dass, auch wenn es schwere Belastungen sind,  die Medizin für die Menschen da ist. Und dass es eine besondere Einschätzung ist, wenn wir sagen: Alles richtet sich in diesem Land danach, ob die Ärzte und Pflegerinnen gerade noch entspannt sind oder nicht.“ Rumms!

Vernichtendste Breitseite

Auch die Vereinigung der Intensiv- und Notfallmediziner bekommt eine heftige Attacke ab: „Ich finde die regelmäßigen Meldungen der DIVI, die ja nun wirklich kein Datenquell ist, wenig inspirierend“, wettert Voshaar und wirft den Kollegen vor, „dass sie uns in dieser Angst gefangen halten.“

Seine Kritik: Viele Kliniken würden auf ihren  Intensivstationen auch die Leichtkranken unterbringen, „die vielleicht nur Sauerstoff brauchen und ein paar Tage überwacht werden müssen“. Deshalb bedeute die Behandlung dort durchaus nicht immer, dass der Patient tatsächlich zu den Schwerkranken gehöre. Ui!

Sportlichste Warnung

Gesundheitspolitiker Dahmen warnt, dass die neue Omikron-Variante BA.2 „noch etwas ansteckender“ sein und sich die Omikron-Welle dadurch „noch etwas verlängern könnte“.

Seine Sorge: „Es könnte sein, dass wir noch nicht mal in der Halbzeitpause sind. Und wenn wir uns in der Halbzeitpause entscheiden, die Verteidigung in der Kabine zu lassen und zurück aufs Spielfeld zu gehen, dann dreht sich möglicherweise das Spiel zu unseren Ungunsten, und das sollten wir nicht tun.“ Ächz!

Gretchenfrage des Abends

„Im Prinzip ist die Strategie endgültig gescheitert, das Virus zurückzudrängen oder gar auszurotten“, hatte Voshaar zuvor in einem Interview festgestellt.

„Heißt das jetzt: Lasst es laufen, durch die Bevölkerung?“ gruselt sich die Talkmasterin. „Ich muss einfach so blöd fragen!“

„Ja“, bestätigt der Mediziner ungerührt. Die No-Covid-Strategie sei „definitiv gescheitert“, denn: „Ein Atemwegsvirus, das war aus den Naturwissenschaften immer klar, kann man nicht eradizieren, man kann es nicht besiegen. Es kommt immer wieder, und es wird immer weiter mutieren.

Gewagteste Formulierung

„Wir brauchen natürlich weiter ein Impfangebot“, erläutert der Mediziner. „Das ist wunderbar gelungen. Die Impfung schützt definitiv vor schweren Verläufen und senkt die Sterblichkeit.“

Voshaars zugespitzte Frage: „Wann wollen wir den Varianten, die uns der Himmel geschickt hat, mehr Verlauf lassen? Denn der Ausweg aus der Pandemie ist immer nur der Übergang in die Endemie durch wiederholte Infektionen auf der Basis einer stabilen Grundimmunisierung, die Katastrophen verhindert.“

Schlüssigste Erklärung

„Vom Himmel geschickt?“, staunt die Talkmasterin.

„Ja“, erläutert der Mediziner, „weil wir darauf gehofft haben, dass dieses Virus uns irgendwann eine Mutation schickt mit hoher Infektiosität, damit es viele erreichen kann, aber geringer krankmachender Wirkung. Das ist genau das, was wir brauchen, um schnell von der Pandemie in den endemischen Zustand zu kommen.“

Prompt geht das Zoff-o-Meter los

Dahmen ist sichtlich pikiert. „Das sind die falschen Worte, angesichts so vieler Menschen, die krank werden, zu sagen: Das hat uns der Himmel geschickt!“ beschwert er sich.

„Wenn man mal immunologisch in den Körper hineinzoomt“, meint der Grüne-Politiker, „brauchen wir entweder eine dreifache Impfung oder eine Kombination aus mehreren Impfungen und Genesenen.“ Der Weg der Durchseuchung zur Verhinderung schwerer Erkrankungen dagegen sei „im Moment durch die Wissenschaft nicht gedeckt.“

Wichtigstes Richtungsschild

Dahmens Formel: „Das Motto der nächsten Wochen muss lauten, dass vorausschauende Planbarkeit, aber nicht vorschnelles Lockern die Handlungsmaxime ist.“

„Jetzt brauchen wir einfach ein bisschen Optimismus“, kontert Voshaar. „Wir müssen den Menschen sagen, wo der Ausweg ist. Wo sind konkret die Ziele? Wo lassen wir uns nicht mehr von der Angst treiben? Und da müssen wir nicht aufeinander einhauen, sondern ganz klar sagen, was unser Weg ist!“

Interessanteste Fragen

Beim zweiten großen Thema wundert sich Delling, Tokio sei wegen Corona um ein Jahr verschieben warum, warum also unbedingt jetzt Peking?

Und, so der Sportjournalist weiter: „Bei so einer Veranstaltung, die so viel Bedeutung hat, über den Sport hinaus, ist es da sinnvoll, dass ein IOC das noch allein vergeben soll? Muss man da nicht vielleicht die UN noch mit reinnehmen?“

Und noch mal Zoff

Das ist jetzt so ein globales Armdrücken von Weltmächten“, klagt die „SZ“-Journalistin und empfiehlt: „Da sollte mal ein richtiges Downsizing stattfinden!“

„Wir sollten das nicht so kritisch sehen“, widerspricht der „t-online“-Chefredakteur, denn: „Wir haben ein riesiges Leserinteresse. Selten so hohe Klickzahlen!“

Schönstes Eigentor

„China ist unglaublich vielfältig“, schwärmt Harms dann. „Ich war selber dort. Zweimal auch mit der Bundeskanzlerin Merkel. Ich habe dort unglaublich Spannendes erlebt.“

Sein Paradebeispiel: „Wir waren bei einem Start-up in Shenzhen, das implantiert kleine Chips unter die Haut der Menschen. Die Chips messen die Körperfunktionen und melden sie an eine App, der Staat guckt da drauf und kann sagen, wo es möglicherweise ein Gesundheitsproblem gibt…“

Heidewitzka! Zu spät merkt der Chefredakteur, wohin er sich da vergaloppiert hat, und schiebt in das allgemeine Gelächter eilig nach: „Sowas wollen wir hierzulande nicht haben…“

Peinlichste Szene

Der letzte Einspieler führt die Verteidigungsministerin vor, die 5000 Helme für die Ukraine als „ganz deutliches Signal: Wir stehen an eurer Seite“ verkaufen wollte.

„Sie hat Nägel mit Köpfen gemacht“, lobt die Talkmasterin an der Grenze zur Satire.

„Ich finde das ziemlich blamabel“, urteilt die SZ-Journalistin. Aber Bundeskanzler Olaf Scholz, fügt sie hinzu, „fährt ja am Montag in die USA, und ich glaube, da wird er jetzt sein außenpolitisches Feuer zünden.“ Horrido!

Diplomatischste Klatsche

Als letzter Gast müht sich der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz angestrengt um die gewohnte Zurückhaltung: Es geht um den inzwischen weltweit bespöttelten Eliteputinisten Gerhard Schröder.

Ischingers Verdacht: „Ich bin nicht ganz sicher, ob er das, was er da sagt, selber glaubt.“

„Und warum sagt er es dann?“ bohrt Maischberger nach.

Antwort: „Weil er Aufgaben hat, Rollen hat, auch bezahlte Rollen hat, die es nahelegen, dass er eine Position vertritt, die von niemandem anderen, den ich in Berlin kenne, geteilt wird, geschweige denn in Brüssel, in Washington oder in Paris.

Klügster Kommentar

Zu Putins Propagandakrieg stellt Ischinger fest: „Die letzte Entscheidung der NATO, sich nach Osten auszuweiten oder östliche Länder einzuladen, Mitglieder des Bündnisses zu werden, war im Jahr 2004.“

Seine These: „Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum etwas, das 2004 beschlossen wurde, jetzt zu dieser enormen Aufwallung, zu dieser Infragestellung der gesamten europäischen Sicherheitsarchitektur durch Russland führen muss. Da muss doch noch ein bisschen mehr dahinterstecken.“ Passt!

Fazit

Komplexe Fragen, unerschrockene Antworten, die Talkmasterin auf Vollgasfahrt durch steile Kurven: Das war eine Show der Kategorie „Kochwäsche 95 Grad“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.