Teletäglich

General Domröse: Putin ist mit seinem Blitzkrieg ins Stocken geraten

„Hart aber fair: Triumph der Gewalt – Wie hilflos ist der Westen gegen Putin?“ ARD, Montag, 28.Februar 2022, 20.45 Uhr.

Die russische Feuerwalze rollt immer brutaler durch die Ukraine. Inzwischen zerstört der Bombenterror auch Wohngebiete. Frank Plasberg schlägt Alarm. Seine Gäste:

Andrij Melnyk (46). Der ukrainische Botschafter twittert: „Die russischen Bastarde bombardieren jetzt das Zentrum von Charkiw!“

Hans-Lothar Domröse (69). Der Ex-NATO-General urteilt: „Putin scheint mit seinem Blitzkrieg steckengeblieben zu sein. Aber ein Wahnsinniger, der in die Enge getrieben wird, ist leider unberechenbar!“

Michael Roth (51, SPD). Der Chef des Außenpolitischen Ausschusses hat schwachen Trost: „Moralisch und politisch hat Putin längst verloren!“

Udo Lilischkies (68). Der Ex-Chef des ARD-Studios Moskau war schon letzte Woche bei Plasberg. Seine Analyse: „Putin muss aufpassen, nicht selbst vom System verschlungen zu werden!“

Sabine Fischer. Die Politologin kritisiert: „Deutschlands Entscheidung, die Ukraine mit Waffen zu unterstützen, kommt leider sehr spät.“

Gabor Steingart (59). Der Journalist („Media Pioneer“)spottet: „Olaf Scholz wirkt jetzt so entschlossen, als ob er aus einem hundertjährigen Schlaf erwacht wäre.“

Politiker und Experten zwischen Hoffen und Bangen. Streit wäre jetzt Gift!

Dramatischste Lagebeurteilung

Der General a.D. vergleicht die Straßenkämpfe mit Afghanistan, „wo die Mujaheddin die Höhen besetzt haben, die Panzer durch die Schluchten fuhren und abgeschossen wurden.“ Sein Eindruck: „Das Gleiche passiert jetzt in der Ukraine in den Städten. Das kann ein Afghanistan 2.0. werden!

Über die Atomdrohung sagt Domröse: „Ich bin erschrocken. Putin packt jetzt schon das große Geschirr aus. Er scheint hängen zu bleiben. Deswegen droht er jetzt. Dass die Ukrainer dort partisanenartig kämpfen, ist ihre einzige Chance.“

Über die deutsche Entscheidung, militärisch wieder aufzurüsten, scherzt der alte Haudegen: „Putin ist für die Bundeswehr der Arbeitgeber des Monats!“

Skeptischste Bewertung

Die Verhandlungen der Russen mit den Ukrainern sind, so Expertin Fischer, „im keinster Weise ernst gemeint“, denn „zwei der vier russischen Vertreter sind Hardcore-Nationalisten und Kreml-Ideologen“.

„Wenn überhaupt, gehe es um Waffenstillstandsverhandlungen“, glaubt die Politologin. Für sie ist „ganz klar, dass Russland völlig überrascht worden ist vom ukrainischen Widerstand. Man kann auch nicht mehr vertuschen, dass es russische Opfer gibt.“

Ernüchterndste Expertise

„Jetzt beginnt eine sehr hässliche Phase“, fürchtet Lielischkies. Putin werde jetzt mehr Artillerie und mehr Raketenwerfer einsetzen. Das erinnere an Grosny in Tschetschenien oder an Aleppo, wo Putin Städte dem Erdboden gleichgemacht habe.

Wir erleben derzeit die endgültige politische und moralische Bankrotterklärung Putins“, erklärt Roth, der im Stil seines Generalsekretärs in weißen Turnschuhen antritt. Dass der Kreml-Chef „Verachtung und Lügen“ über den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj streue, führe nur dazu, dass „die hässliche Fratze von Herrn Putin noch abschreckender wirkt.“ Ui!

Erschreckendste Prognose

„Es gibt in Russland eine wachsende unzufriedene Minderheit von 30 Prozent“, berichtet Expertin Fischer. „Jetzt liegt ein sehr dicker Propagandateppich über dem Land. Nicht Mobilisierungspropaganda, sondern Erklärungspropaganda.“

Da sich die autokratische Tendenz in den letzten zwei Jahren beschleunigt habe, würden die Repressionen „jetzt noch einmal drastisch zunehmen“, fürchtet die Politologin. „Der Druck wird massiv zunehmen.“

Besorgteste Frage

Roth ist alarmiert: „Kein Land verfügt über ein größeres Atomwaffenarsenal als Russland“, erinnert er, „und das wirft er jetzt in die Waagschale. Er steht mit dem Rücken an der Wand!“

Deshalb wolle Putin im Westen für Angst und Verunsicherung sorgen: „Seit dieser Ankündigung erhalte ich ganz viele Rückmeldungen: Habt ihr den russischen Bären nicht zu stark provoziert?“ schildert der SPD-Politiker. Seine Antwort: „Nein, haben wir nicht! Es war richtig, die Ukraine zu unterstützen!“

Vorsichtigste Selbsterkenntnis

Die NATO als militärische Komponente „ist auch in Deutschland nicht immer verstanden worden“, gibt Roth zu, „weil, das muss man ja mal offen sagen, es auch in Deutschland eine gewisse Skepsis gegenüber der NATO gab.“ Hört, hört!

„Aber gerade unsere polnischen und baltischen Partner“, fügt der SPD-Mann hinzu, „haben uns ins Stammbuch geschrieben: Die NATO ist der Garant der gesamteuropäischen Sicherheit. Und da haben wir natürlich unseren Frieden damit gemacht.“ Halleluja!

Sarkastischste Küchenpsychologie

Der General steuert einen überzeugenden Vergleich bei: „Wenn ich eine Partnerschaft mit einem Land eingehe, dann muss das schon etwas Besonderes sein. Wir kennen das aus dem Leben. Nicht jeder Fußgänger aus der Fußgängerzone ist mein Partner!“

„Putin liest historische Bücher und entwickelt historische Visionen“, weiß Lielischkies. „Ist er an einem Punkt, auch vom Alter bedingt, wo er denkt: Das ist jetzt mein großes Endspiel, ich will als Wladimir der Große in die russische Geschichte eingehen?“

Ungewöhnlichste Statements

Die Chinesen können ihm den Stecker ziehen“, hofft Steingart. „Die Chinesen sind der wichtigste Handelspartner, der wichtigste Ölabnehmer, der neue Waffenbruder.“

Wie kommt er vom Baum runter?“, rätselt Lielischkes. „Putin muss eine Chance sehen, da noch halbwegs gesichtswahrend rauszukommen.“ Puh!

Schlagendstes Beispiel

Botschafter Melnyk wird zugeschaltet und macht als erstes gleich mal Schluss mit dem Quatsch: „Sie würden doch nicht, wenn ein Verbrecher einem Opfer ein Messer an den Hals hält, sich an das Opfer wenden und fragen: Was könnten Sie bitte tun, damit dieser Verbrecher sein Gesicht retten könnte?!

„Es gibt Themen, die für die Ukraine nicht verhandelbar sind“, fügt der Diplomat hinzu. „Alles, was wir heute aus Moskau gehört haben: Kein einziges Thema ist für uns verhandelbar.“ Punkt!

Mutigstes Bekenntnis

„Das bedeutet, dass sich dieser Krieg in die Länge ziehen wird“, sagt Melnyk voraus. „Ich kann Ihnen sagen, dass die Ukrainer bereit sind, nicht nur die Armee, auch die Menschen, weiter zu kämpfen, für ihre Freiheit, ihre Werte, ihre Heimat, ihre Staatlichkeit. Wir stehen fest auf unserem Boden!“

Und: „Man darf uns nicht so schnell abschreiben, auch wenn es zu einem Partisanenkrieg kommen sollte. Dieser Krieg ist schon längst verloren für Herrn Putin, und das weiß er sehr wohl. Putin hat sich verkalkuliert, er hat sich überschätzt, er weiß nicht mehr, was er machen soll.

Bewundernswertester Kampfeswille

„Er wird versuchen, noch brutaler vorzugehen“, kündigt der Botschafter dann an. „Heute wurde Charkiw mit Kassettenbomben (Streumunition) beschossen. Es gab viele zivile Opfer. Es gibt kein Zugeständnis, das für Putin weit genug gehen würde, damit er jetzt aufhört.“

„Putin hat das Land einfach überfallen“, grollt der General unter dem eisgrauen Schnauzbart hervor. „Die Ukrainer wehren sich nach besten Kräften, und das würde ich auch in Deutschland so erwarten, von unseren Soldaten. Das ist doch selbstverständlich! Die erste Pflicht des Staates ist doch, den Schutz der Bürger sicherzustellen!“

Rühmlichster Vergleich

„Wir können doch nicht, wie der Präsident in Afghanistan, einfach einpacken und abhauen!“ schiebt Domröse noch nach.

Beeindruckendes Gegenbeispiel: Als Melnyk auf der Gästetribüne des Bundestags  mit stehenden Ovationen begrüßt wurde, empfand er „vor allem Stolz auf meine Landsleute. Auf die mutigen Menschen, die nicht fliehen, sondern bleiben.“

Emotionalste Erzählung

„Meine Nicht ist fünf Jahre alt und wird heute die fünfte Nacht im feuchten, kalten Keller schlafen müssen“, berichtet der Botschafter aus der eigenen Familie.

Sein Stolz: „Man hat uns nur wenige Stunden gegeben, als der Angriff am schwarzen Donnerstag kam.“

Aktuellste Erwartungen

„Russland ist ein Koloss auf tönernen Füßen“, spottet Melnyk dann ganz undiplomatisch „Putin hat sein Stalingrad-Gefühl bereits bekommen. Wo er landet, ob das ein Selbstmord ist, ein Putsch oder (ein Kriegsverbrechertribunal) in Den Haag, das liegt in den Sternen.

Von Deutschland erhofft Melnyk ein „Moratorium, nicht mehr in Russland zu investieren“, und einen „Boykott russischer Waren“, denn „dann würden auch die Menschen in Russland merken: Etwas läuft schief.“

Dringendster Appell

Mein Präsident hat sich heute an die EU mit der Bitte gewandt, dass die Ukraine eine Beitrittsperspektive erhält und als Kandidat für die Mitgliedschaft anerkannt wird“, erinnert der Botschafter. „Es ist an der Zeit, mutig zu reagieren und nicht abzuwarten, bis es zu spät ist.“

„Ich habe schon vor Wochen davon gesprochen, dass es wichtig wäre, wenn es jetzt eine ernsthafte Annäherung zwischen Europäischer Union und der Ukraine gebe“, erwidert Roth. Großes Aber: Ein Schnellverfahren könne es nicht geben, denn es einige unter den 27 Mitgliedsstaaten seien strikt dagegen. Mannomann!

Wichtigster Unterschied

Zur Aufnahme von Flüchtlingen aus der Ukraine sagt Plasberg, 2015 habe es eine Willkommenskultur gegeben, was sich dann „radikal geändert“ habe. Seine besorgte Frage: „Wird es diesmal anders laufen?“

„Es ist unser Kulturkreise, es sind Christen“, meint Steingart, doch Domröse sieht einen noch besseren Grund: „Damals waren viele junge Männer dabei, wehrfähige, starke Männer, die eigentlich ihr Land verteidigen sollten“, erinnert er. Die Ukrainer dagegen bleiben in der Heimat und kämpfen. Nur die Frauen und Kinder flüchten, „und das“, so der alte General, „ist eine ganze andere Situation.“ Amen!

Fazit

Detaillierte Lagebesprechung im Sound einer Befehlsausgabe mit klaren Lösungskonturen. Dafür fehlten die verlogenen Moralgesänge selbstoptimierter Kaffeesatzexperten und auch die ballonjournalistischen Aufgeblasenheiten mancher medialer Hohlfiguren. Das war eine Talkshow der Kategorie „Kommandoebene“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.