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Gefährliches Baerbock-Bashing bei Frank Plasberg in „hart aber fair“

„hart aber fair: Die Union kann noch gewinnen: Was heißt das für den Herbst?“ ARD, Montag, 7.Juni 2021, 21 Uhr.

Die Grüne-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock ist in der ARD-Talkshow „hart aber fair“ am Montag wegen verspätet eingestandener Nebeneinkünfte einem heftigen Bashing ausgesetzt worden.

Wörtlich sagte etwa der Journalist Robin Alexander (WELT): „Sie hat es im März gemerkt, dem Bundestag gemeldet und dann wochenlang gebibbert, ob die BILD-Zeitung es nicht rauskriegt. Und als es soweit war, ist sie reingefallen.“

Reiner Haseloff hat perfekt performed, jetzt gehört Armin Laschet die große Bühne. Auf Frank Plasbergs Spielplan standen:

Markus Blume (46, CSU). Der Generalsekretär ist überzeugt, „dass die Union jetzt von der Pole Position in die Bundestagswahl startet.“

Ricarda Lang (27, Grüne). Die Vize-Parteichefin glaubt an eine Wechselstimmung: „Die Menschen wollen eine andere Politik!“

Dirk Neubauer (50). Der parteilose Bürgermeister von Augustusburg schrieb das Buch „Rettet die Demokratie!“

Sascha Lobo (45). Der Kolumnist („Spiegel“) schimpft: „Es wurde zu viel Vertrauen verspielt, zuletzt in der Corona-Krise!“

Robin Alexander (46). Der Journalist (WELT) mahnt: „Armin Laschet sollte nicht zu siegessicher sein!“

Politik und Medien, das ist irgendwie auch Kunst und Kritik.

Lobos Irokese ist nur noch halb so groß und halb so rot wie früher, als er den kunstvoll frisierten Hahnenkamm als Erkennungszeichen kreierte. Sein Feindbild aber ist unverändert: „Die große Stärke der Union ist die Autosuggestion, der zielgerichtete Selbstbetrug!“ wetterte er gleich los.

Widerwilligstes Kompliment

Lob von Lobo: Um wenigstens ein bisschen Anerkennung für den schallend wiedergewählten CDU-Ministerpräsidenten kam der „Spiegel“-Mann aber trotzdem nicht herum: „Haseloffs klare Kante gegen die AfD kann man anerkennen“, gab er zu.

Unfreiwilligste Genderkomik

Bürgermeister Neubauer war zwischendurch ein paar Jahre in der SPD, trat aber wieder aus, denn: „Die SPD ist keine SPD mehr.“ Sein Rat an Bundes- und Landespolitiker: „Bodenkontakt! Und das Anwenden von klaren, verständlichen Hauptsätzen!“

Plasberg zitierte ihn nun mit dem Vorwurf an die Kollegen, die Politiker hätten „die letzte Meile zu den Bürgern aufgegeben“.

„Ich finde, dass wir viel zu sehr mit Gesprächsverboten hantieren!“ tadelte der populäre Kommunalpolitiker prompt die eigene Zunft. „Wir grenzen Menschen aus, die sich ausgegrenzt fühlen. Diesen Kontakt haben wir größtenteils aufgegeben. Und wir Bürgermeisterinnen sind die letzte Meile…“ Uff!

Interessanteste Statements

„Du musst sich immer wieder neu erfinden“, sagte der CSU-General zu den Veränderungen der Zeit.

„Niemand wählt Nazis, weil der Bus nicht fährt!“ konterte die Grüne das Argument, die AfD lege die Basis für ihre Erfolge als Kümmerer auf dem Land.

„Die AfD ist der falsche Adressat, aber nicht jeder,  der Kritik äußert, ist ein Nazi“, stellte der WELT-Journalist klar.

„Wir sind in der Bundespolitik vollkommen unterrepräsentiert“, beschwerte sich der Bürgermeister. Dabei blieb er auch, als der Talkmaster an die Bundeskanzlerin und einen Bundespräsidenten aus dem Osten erinnerte: „Das sind Galionsfiguren!“ sagte Neubauer so glatt wie platt.

Über den Wahlsieger sagte der Kommunalpolitiker: „Ich denke, dass man Herrn Haseloff unterschätzt, wenn man ihn so ein bissel veronkelt.“

Typischster Grün-Sprech

Lang wollte noch mal mit dem umstrittenen Zitat des Ostbeauftragten Marco Wanderwitz („diktatursozialisiert“) punkten: „Das steht relativ symptomatisch dafür, dass wir wenig daran tun, dieses Problem zu kulturalisieren und zu historisieren“, kritisierte sie.

Viele AfD-Wähler, erklärte Lang weiter, seien junge Leute, „und das gibt uns total zu denken, dass wir es nicht geschafft haben, mit Themen wie Daseinsvorsorge durchzudringen! Daseinsvorsorge ist die Grundlage für Vertrauen in den Staat!“

Schon ging der Zoff los

„Wo in der Politik der Grünen, die in den letzten Monaten stattgefunden hat, haben wir das überhört?“ wunderte sich Plasberg.

„Das ist eins unser prägenden Themen!“ behauptete die Grüne forsch. „Daseinsvorsorge auch als Gemeinschaftsaufgabe…“

„Ist es nicht so, dass Sie es jetzt ins Schaufenster schieben?“ argwöhnte der Talkmaster. Bisher sei es doch immer um Klimaschutz, Gleichberechtigung und Migrationspolitik gegangen! Jetzt hätten die Grünen wohl „im Hinterzimmer gekramt“ und wollten „das Schaufenster neu dekorieren.“

„Letzte Woche gab es ein breites Papier dazu, von Annalena Baerbock“, verteidigte sich Lang, doch Plasberg dreht streng am Schraubstock: „Frau Baerbock hat jetzt andere Themen!“

„Sie glauben wirklich, dass das Wort ‚Daseinsvorsorge‘ ein Bringer bei Jungwählern ist?“ staunte Alexander.

Schlappster Konter

„Die Grünen im Osten sind eine absolute Elitenpartei“, stellte Blume fest. „Ziemlich weit weg von den ganz normalen Menschen, den Leistungsträgern des Alltags.“

Seine Beispiele aus Anträgen der Grünen Jugend: „Europäische Schuldenunion. Vermögenssteuer. Unbegrenzte Zuwanderung. Ich habe nicht das Gefühl, dass das die Themen sind, die den Menschen, egal wo in Deutschland, jetzt total…“

Die Grüne fuchtelt wütend mit den Händen: „Sie könnten erst mal ein Wahlprogramm selbst schreiben, bevor Sie sich vor allem auf uns fokussieren!“ fauchte sie Blume an.

Temperamentvollster Argumentetausch

Das sollte den CSU-Mann wohl ausbremsen, aber Puste-Blume! „Absolute Elitendiskussionen, die draußen nicht verstanden werden“, wiederholte der CSU-General genüsslich.

Prompt tat Lang, was Grüne gern machen, wenn es eng wird: Sie spitzt zu, wo gar kein Holz ist. „Das stärkt kein Vertrauen, wenn man den Leuten vormacht, es gäbe keine Veränderungen!“ wetterte sie.

„Das habe ich nicht gemacht“, murrte Blume, doch Lang ließ sich davon nicht stoppen: „Wenn man keine konkreten Angebote macht, vom sozialen Klimaschutz über die Zukunft der Arbeitsplätze!“ rasselte sie im Stakkato runter.

„Ihr Problem ist, dass die Menschen ganz genau wissen: Grün wählen muss man sich leisten können“, ätzte der CSU-Mann. Puh!

Interessanteste Ankündigung

Plasberg eilte der Bedrängten zu Hilfe: „Fühlen Sie sich eigentlich wohl, dass wir über das Programm der Grünen reden, während wir immer noch auf ein Programm der Union warten?“ fragte er Blume vorwurfsvoll. „Damit ich weiß, was kriege ich denn da geboten?“

„In zwei Wochen wissen Sie es, Herr Plasberg!“ griente der CSU-Mann.

„Bisschen spät, oder?“ maulte der Talkmaster.

„Nö“, widersprach Blume gelassen. „Wir hatten es jedes Mal drei Monate vor der Wahl zusammen. Und nach Corona, nach der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg, bin ich der Meinung, da müssen drei Monate Wahlkampf ausreichen.“ Basta!

Trennschärfste Definition

Lobo ging noch mal auf die Union los, jetzt wegen der miesen Maskendeals: „Ihre Regierung erlaubt seit sechzehn Jahren, dass Politiker Lobbyisten sein dürfen“, patzte er den CSU-General an. „Und Sie planen nicht, das zu ändern, trotz dieser Masken…“

„Masken waren nicht Lobbyismus“, klärte Alexander den erbosten Kollegen auf. „Man kann beides beklagen, aber es sind zwei grundverschiedene Dinge.“

Und wieder Zoff

Der „Spiegel“-Mann blieb dabei: „Korruption und Lobbyismus…“

„Zwei verschiedene Sachen“, beharrte der WELT-Mann. „Sonst hätte der Ehemann von Frau Baerbock ein großes Problem, der war nämlich bis vor einer Woche Lobbyist. Vorsicht!“

Blume stieg sofort darauf ein: „Ich würde mir wünschen, dass die Grünen, die immer mit dem Zeigefinger sehr stark auf andere zeigen, auch mal selbst die Maßstäbe an sich anlegen“, motzte er. „Dann wären sie mit der Lebenslauf-Kosmetik und anderen Dingen schon etwas weiter.“

Letztes Gefecht

Plasbergs nächster Einspieler stellte die „wirklich obszönen Maskengeschäfte“ aus der Union gegen die „versteuerten Nebeneinkünfte der Grünen“. Dass die CDU/CSU das in Verbindung bringe, sei „kühn“, urteilte der Talkmaster verärgert.

„Kühn ist, dass man von anderen Transparenz fordert, aber dann selbst so tut, als wäre man überhaupt nicht betroffen und hofft, dass es keiner merkt“, schoss der CSU-General zurück.

Ausgiebigstes Baerbock-Bashing

Zum Schluss musste die Grüne-Kanzlerkandidatin noch eine volle Breitseite hinnehmen. Plasberg hätte das allerdings lieber verhindert: „Herr Alexander, können Sie erklären, wie es Frau Baerbock geschafft hat, in so kurzer Zeit so viel Vertrauen zu verspielen, mit Nichtigkeiten eigentlich? Lebenslauf getunt, Nebeneinkünfte vergessen?“ fragte er ungewohnt milde.

„Ich glaube, dass die Grünen sich ein bisschen in ihr eigenes Bild in den Medien verliebt haben“, antwortete der WELT-Mann. „Wir haben alle die große Welle gemacht, Frau Baerbock war auf allen Covers, es sah aus, als wäre das alles schon eine gemähte Wiese, und sie hat den Fehler gemacht, das ein bisschen zu glauben.“

Präziseste Analyse

Alexanders Vorwurf: Es sei ein „technische Fehler“, nicht zu merken, „dass der Lebenslauf auf der Website nicht zum echten Lebenslauf passt.“

„Oder auch die Sache mit den Nebeneinkünften“, fügte der Journalist noch hinzu.

Sein Urteil: „Es beschleicht dich so der Eindruck: Vielleicht kann sie es einfach nicht. Und das ist natürlich fatal, wenn man Bundeskanzlerin werden will.“ Aua! Oder wie man im Ruhrgebiet sagt:  Da gehst du kaputt dran…

Fazit

Heftige Rededuelle, flaue Ausreden, knallige Kommentare, der Talkmaster nicht nur immer dabei, sondern auch immer Partei: Das war eine Talk-Show der klassischen Kategorie „Nach der Wahl ist vor der Wahl“.

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