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Gas & Geld bei „Hart aber fair“. Riesen-Zoff um linke Montagsdemos

„Hart aber fair:  Kostenfalle Energie: Wie sollen wir das schaffen?“ ARD, Montag, 22.August 2022, 21.45 Uhr.

Der Winter wird kalt, die Diskussion läuft schon jetzt heiß, die Grünen werfen Waschlappen und Frank Plasberg ist Bange. Seine Gäste:

Christian Dürr (45, FDP). Der Fraktionschef gibt Beruhigungspillen aus: „Weitere Entlastungen sind auf dem Weg!“

Amira Mohamed Ali (42, Linke). Die Fraktionschefin wettert: „Schluss damit, dass die Bundesregierung den Menschen tagtäglich Ohrfeigen ankündigt, anstatt ihnen zu helfen!

Prof. Michael Hüther (60). Der Wirtschaftsforscher fürchtet: „Wenn das Gas knapp wird, drohen uns drei Millionen Arbeitslose mehr!“

Renate Rönnau (73). Die Rentnerin schimpft: „Die Senioren kommen bei den Entlastungen kaum vor, also ausgerechnet die Menschen, die Deutschland aufgebaut haben. Das ist sozial ungerecht!“

Udo Sieverding (52). Der Verbraucherschützer lästert über die Regierungshilfen: „Entlastungsrumgemurkse!“

Die aufgeregten Klima-Kids haben Pause, die Alten erobern die Talkshows zurück und das Zoff-o-Meter hofft auf Vernunft statt Panikmache. Vergeblich?

Bitterste Bestandsaufnahme

Prof.Hüther holt gleich den Hammer raus: „Wir stehen vor einem Wohlstandsverlust“, warnt er. „Wir haben Abfluss von Wohlstand ans Ausland, insbesondere an die Energie exportierenden Länder.

Seine beinharte Erkenntis: „Das können wir nur durch gezielte Maßnahmen für gezielte Gruppen kompensieren, aber die gesamte Gesellschaft kann nicht davor bewahrt werden.“ Rumms!

Trockenste Abreibung

Plasberg holt den unsensiblen Seiftuchspruch des grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann aus dem Korb, wonach „der Waschlappen eine brauchbare Erfindung“ sei. Der FDP-Fraktionschef kann darüber gar nicht lachen: „Das löst in meinem Kopf komische Bilder aus“, murrt Dürr. „Ich finde es herablassend!“

„Ich habe den Shitstorm mitbekommen“, meldet auch der Verbraucherschützer leicht verärgert. „Ich finde es schade, dass ein Energiesparthema gleich wieder auf so eine Ebene gezogen wird. Das ist unglücklich gewesen.“ Aber jetzt Schwamm drüber!

Die Linke startet mit einer atemberaubenden Platitüde ins Rede-Rennen: „Ich denke, es ist natürlich sinnvoll, wenn diejenigen, die in der Lage sind, Energie zu sparen, das auch tun.“ Ihr Ernst?

Mitfühlendster Frontbericht

Rentnerin Rönnau sitzt ehrenamtlich in einem Pflegeheim an einer Seelentelefonkette: „Das sind Senioren, die rufe ich einmal in der Wochen an“, erzählt sie. „Ich höre es an der Stimme, dass sie sehr unsicher sind.“

Bewegendstes Beispiel: „Mir sagte eine 92-jährige Dame: Ich habe Existenzangst. Das sind doch die Senioren, die haben Deutschland nach dem Krieg aufgebaut! Sie haben den Krieg miterlebt! Sie haben gefroren!“

Ihr Vorwurf: „Jetzt zwei Pullover anziehen und sich noch in eine Decke wickeln, das kann es wirklich nicht sein. Wir haben denen zu verdanken, dass es uns jetzt so gut geht!“ Dafür gibt’s den ersten Beifall.

Persönlichste Perspektive

Die Reaktion meiner Mutter mit 89 war die Erinnerung an den Krieg, als es am 24.Februar losging“, ergänzt Prof. Hüther. „Wir erleben etwas, was wir für Europa nach dem Ende des Kalten Krieges 1989/90 nicht mehr für möglich gehalten haben.“

Mutigste Abrechnung

Der FDP-Fraktionschef geht für die Atomenergie steil: „Wenn sie ein Gigawatt zusätzliche Kapazität schaffen, schafft das Entlastung von vier Milliarden“, rechnet er vor. „Die drei Kernkraftwerke, die noch am Netz sind, würden insgesamt vier Gigawatt ausmachen. Das bedeutet 16 Milliarden Euro Preisdämpfung!“

Die Linke schüttelt heftig den Kopf, doch die Rentnerin hört lieber auf ihr Gefühl: „Mein Bauch sagt mir, es wäre eine Lösung, das Ganze etwas zu verlängern.“ Auch der Professor ist für die mehr Laufzeit, „damit wir mehr Optionen haben.“ Uff!

Vernichtendstes Urteil

Rentnerin Rönnau feuert volles Rohr auf die Bundesregierung: „Energiehektik!“, ledert sie los. „Hühnerhaufen! Jeder spritzt mal da etwas und da etwas, um den Bürger zu beruhigen, aber das ist keine Lösung. Flickenteppich!“

Prompt spielt Plasberg die passenden Fakten ein: Montag Gasumlage. Mehrkosten (vierköpfige Familie) 500 Euro. Drei Tage später Kanzler Scholz: Mehrwertsteuer gesenkt, Ersparnis 400 Euro. Aber am selben Tag 100 Euro obendrauf, für Gasspeicherumlage und Standardlastprofil-Bilanzierungsumlage. Puh!.

ARD-Zusammenfassung: „Großer Regierungs-Heckmeck, Umlage drauf, Steuern runter, viel neue Bürokratie, für die meisten keine Entlastung und der Gaspreis bleibt auf Rekordhöhe.“ Heidewitzka, Herr Kapitän, das klingt nach Untergehn…

Misslungenstes Verteidigungslamento

Der FDP-Mann will die Verantwortung dafür in Brüssel abladen: „Ich hätte mir gewünscht, dass die Europäische Kommission, dass Frau von der Leyen über ihren Schatten springt…“

„Also Europa ist schuld!“, unterbricht ihn der Talkmaster höhnisch. „Das kennen wir schon!“

„Ausnahmesituation!“, wehrt sich der FDP-Mann. „Die eine perfekte Lösung gibt es in so einer Krise nicht.“ Hm. Ist das schon alles?

Prompt rotiert das Zoff-o-Meter

Verbraucherschützer Sieverding nimmt sich die Energiekonzerne zur Brust: „Die haben mit Kohle, Wind und Sonne sehr gut verdient“, wettert er. „Es ist überhaupt nicht hinzunehmen, warum die Verbraucher jetzt bezahlen sollen!“

„Es geht auch darum, dass wir nicht über Anreize durch Waschlappenbeispiele vorgehen, sondern durch Preissignale“, ätzt der Wirtschaftsforscher.

Die Linke haut ein anderes Reizwort raus: „Milliarden Übergewinne!“, schimpft Mohamed Ali. „Das geht überhaupt nicht!“

Marktwirtschaft funktioniert anders, als die Linkspartei sich das manchmal vorstellt!“, kontert der FDP-Mann. Stöhn!

Gretchenfrage des Abends

Mohamed Ali bereitet einen Pro-Putin-Schwenk vor: „Es gibt eine Verantwortung, die die Politik auch hat, für die Versorgung der Menschen“, beginnt sie. „Es darf kein Tabu sein. Wenn wirklich die Frage gestellt wird, entweder Nordstream 2, oder es gibt kein Gas mehr, dann Nordstream 2!“ Dafür Beifall.

„Wir verlieren die Solidarität in Europa!“, warnt Prof. Hüther sofort. „Putin will Unsicherheit organisieren. Irgendeine blöde Turbine findet sich, dann steigen die Preise.“ Es gehe um die Solidarität mit der Ukraine. Dafür deutlich mehr Beifall.

„Es geht um unsere Freiheit“, fügt die Rentnerin hinzu, „und das ist das höchste Gut!“ Wieder Beifall. „Das ist nicht zu toppen!“, urteilt Schiedsrichter Plasberg.

Entschlossenste Entsorgung

Die Zuschauerfragen drehen sich immer noch um den grünen Waschlappen. „Den haken wir jetzt mal ab“, entscheidet Plasberg schließlich. „Ich glaube, der Kretschmann hat die alle auch schon aus dem Fenster geschmissen.“

Wütendster Wortwechsel

Zum Schluss geraten sich Links und Liberal gewaltig in die Locken. Es geht um die Montagsdemo, die Mohamed Ali plant, „weil der Protest gegen die soziale Kälte eine andere Dimension haben muss.“

„Sie wissen, worauf das hinauslaufen wird“, lästert Dürr. „Als Olaf Scholz geredet hat, in Ostdeutschland, da hat ja die Linkspartei Seit an Seit mit der AfD demonstriert.“

„Das ist nicht wahr!“, ruft die Fraktionschefin stocksauer. „Worüber reden Sie denn da!“

Sie waren zur gleichen Zeit auf der Straße“, beharrt der FPD-Mann, „und es gab sogar ähnliche Rufe!“

Intensivstes Gefecht

Mohamed Ali bleibt die Spucke weg. „Unglaublich, dass Sie diesen Protest diskreditieren wollen!“, poltert sie. „Das lasse ich nicht zu!“

Doch Dürr setzt unerschrocken nach: „Wenn Sie zum gleichen Anlass zu den gleichen Themen auf der Straße sind mit denen…“ Mehr muss er gar nicht sagen, seine Kontrahentin schäumt vor Wut.

Versöhnlichster Vorschlag

„Wie wollen Sie das denn trennen?“, fragt Plasberg die Linke. „Sagen Sie dann, wir marschieren auf der linken Straßenseite, und die anderen auf der rechten?“

Dann aber schafft der Talkmaster doch noch ein friedliches Finale: „Wir haben einen Faktencheck und gucken mal, wo Parolen ähnlich sind“, verspricht er. Das kann ja heiter werden…

Zitat des Abends

Ich kann es drehen und wenden wie ich will: Der ganz normale Bürger zahlt immer die Zeche!“ Renate Rönnau

Fazit

Schnell getriggerte Zornesreden zwischen Anpesten und Niederkanten, die sachdienlichen Hinweise gingen in der finalen Verbalprügelei fast völlig unter: Das war eine Talk-Show der Kategorie „Reizklima“.

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