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Flüchtlings-Talk bei Dunja Hayali: Friedrich Merz zofft sich mit Bischof Bedford-Strohm

„Dunja Hayali“.  ZDF, Donnerstag, 30.Juli 2020, 22.15 Uhr.

Der CDU-Politiker Friedrich Merz und der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm haben sich in der ZDF-Talkshow „Dunja Hayali“ eine heftige Auseinandersetzung über die umstrittenen Rettungsschiffe für Flüchtlinge geliefert.

Im Mittelpunkt der Diskussion standen die aus Spenden der EKD finanzierte „Sea-Watch 4“ und die Frage, ob es durch den Pull-Faktor womöglich eher eine Gefahr darstelle.

Mit den Flüchtlingszahlen steigen auch die Coronazahlen auch. Talkmasterin Dunja Hayali fragt ins Eingemachte: Wie sieht eine humane Asylpolitik aus, und müssen wir eine zweite Infektionswelle fürchten? Die Gäste:

  • Merz, Favorit im Rennen um den CDU-Vorsitz, ist immer für spannende Antworten gut.
  • Bedford-Strohm ruft immer wieder zu mehr Hilfe für die Flüchtlinge auf: „Verschließt eurer Herz nicht!
  • Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). hat Stress nach einem Stinkefinger gegen einen AfD-Abgeordneten.
  • Die Virologin Prof. Ulrike Protzer warnt: „Das Virus ist immer noch da, und es lässt sich auch nicht wegtesten!
  • Reem Sahwil, Flüchtling aus Palästina, wurde 2015 durch heiße Tränen vor der Kanzlerin bekannt.
  • Der junge Syrer Anas Modamani wurde nach einem Selfie mit der Kanzlerin zum Ziel schlimmer Hass-Attacken.

Zum Start ein paar Beruhigungspillen

Ramelow möchte in der Pandemie zum „Normalitätsfaktor“ zurück und „nicht ständig über Angstbilder reden“. Die groteske Deko im Studio war ihm dabei allerdings keine Hilfe: Aus Erfurt zugeschaltet, guckte der Ministerpräsident durch eine Mauerlücke wie ein Ausbrecher, der gerade sein Gefängnis gesprengt hat.

Die Virologin riet dem Publikum: „Nicht in Panik verfallen!“ Im Herbst werde es allerdings ein Problem sein, bei Erkrankten das Corona-Virus sauber von den üblichen Grippe-Viren zu unterscheiden.

Schärfste Vorwürfe

Ramelow schimpfte auf die Polizei, die Corona-Listen aus Gaststätten für Ermittlungen nutze. Außerdem zwängen Fehler der Corona-App manche Infizierte dazu, die Hotline der Gesundheitsämter anzurufen, „und auf einmal müssen Sie denen Ihre persönlichen Daten geben!“

„Das ist nicht in Ordnung!“ wetterte der Ministerpräsident. „Die Anonymität der App ist die Grundlage des Vertrauens!“

Dann ging schon der Zoff los

Die Virologin wollte beschwichtigen: „Ja, das ist suboptimal“, gab sie zu.

Doch das machte den Linke-Politiker nur noch wütender. „Das ist nicht nur suboptimal, sondern das ist ein Verstoß gegen die gesetzlichen Grundlagen!“

Kernigste Forderung

Über Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten sagte Prof. Protzer: „Der Corona-Test macht Sinn, aber ich muss trotzdem in Quarantäne gehen. Das verstehen viele falsch.

Ramelow tourte gleich noch mal hoch: „Ich nenne das ‚Verursacherprinzip‘“, sagte er knallig. „Wer wissentlich in ein Risikogebiet fährt, muss Vorsorge treffen. Das muss in der Kalkulation seiner Reiseplanung mit einbezogen sein.“

Und dann setzte der Ministerpräsident noch einen drauf: „Ich bin auch sehr dafür, dass es eine Meldepflicht gibt – deutschlandweit! Und sie muss bundesweit einheitlich sein!“

Lockerster Spruch

„Die Frage ist, ob der Mensch für sich auch Sorge getragen hat, wenn er im Ausland war“, erläuterte Ramelow seine Forderungen. „Ob er am Ballermann gemeinsam am Strohhalm genuckelt hat!“

Die Virologin hatte einen Vorschlag zur Güte: „Wir sollten nur nach den relevanten Infektionen handeln,  die in den Krankenhäusern aufschlagen“, riet sie. „Alle anderen müssten wir auch ohne Lockdown schaffen.“

Hayali, gendersprachlich voll Avantgarde, adressierte die Wissenschaftlerin konsequent als „Frau Professorin“. Das klang noch etwas ungewohnt, lag aber exakt auf Linie. Ebenso dürfte aus der altgewohnten „Frau Doktor“ bald eine „Frau Doktorin“ geworden sein.

Kontroversestes Thema

Dann zeigte ein ZDF-Einspieler die „Sea-Watch 4“. Hayalis knifflige Frage an Merz: Ob er meine, die Retter machten sich mit den Schleppern gemein, weil die Menschen ja dann wüssten, dass sie gerettet würden?

„Seenotrettung ist zuallererst eine staatliche Aufgabe“, antwortete Merz vorsichtig. „Alle Schiffe, sind rechtlich, moralisch und humanitär verpflichtet, Schiffbrüchige aufzunehmen.“

Deutlichste Warnung

Die privat finanzierten Rettungsschiffe aber seien  „ja nicht ganz ohne Grund ziemlich umstritten“, erklärte der Politiker weiter. Und zu Bedford-Strohm: „Auch bei Ihnen in der Kirche war die Anschaffung dieses Schiffes alles andere als unumstritten!

Denn: „Die Frage, ob man damit sogar zusätzliche Fluchtbewegungen erst auslöst, steht im Raum. Die einen sagen: Nein. Die anderen sagen: Man zieht die Flüchtlingsboote sozusagen an.

Härteste Kritik

Aber, so Merz weiter: „Es ist eine Schande für Europa, dass wir nicht in der Lage sind, dieses Problem gemeinsam zu lösen!“

Wir können die Leute nicht ertrinken lassen!“ mahnte Bedford-Strohm.

Über die Probleme bei der Verteilung der Flüchtlinge in der EU klagt der Bischof: „Das ist unwürdig! Es muss einen Verteilmechanismus geben!“

Grundsätzlichster Streitpunkt

Besonders beschwerte sich Bedford-Strohm über das Ende der EU-„Operation Sophia“: „Die staatliche Seenotrettung ist ersatzlos eingestellt worden! Deshalb sind die zivilen Seenotretter die einzigen, die das noch machen!“

Das aber wurde von Merz trocken abgeräumt: „Sophia war keine Seenotrettung“, stellte der CDU-Politiker klar. „Sophia war eine militärische Operation zur Zerschlagung der Schlepperorganisationen!“

„Seenotrettung ist eine staatliche Aufgabe“, wiederholte der Politiker dann noch einmal, „und die kann man nicht den Nichtregierungsorganisationen allein überlassen.“

Moralischste Attacke

Danach zeigte Hayali einen Reportage über ihren Besuch in dem berüchtigten Flüchtlingslager „Camp Moria“ auf der griechischen Insel Lesbos: 14.500 Bewohner, trotz Corona kaum Gesundheitsversorgung…

„Respekt, dass Sie dort hingefahren sind“, lobte Merz. „Das Lager ist eine Schande für Europa!“

Der Bischof forderte einen Vorstoß der „Willigen“: „Wir lassen uns nicht mehr damit abspeisen, dass man warten muss, bis die anderen Staaten endlich dabei sind“, sagte er empört. „Das hat doch nichts mehr mit den christlichen Wurzeln Europas zu tun!“

Klarste Kante

Merz hofft auf die jetzt anstehenden Verhandlungen über die gigantischen Summen für Europas Wirtschaft und sieht in der Flüchtlingshilfe „eine Verpflichtung der osteuropäischen Staaten, diesen Weg mitzugehen“.

Denn, so der CDU-Politiker: „Es kann nicht sein, dass wir in Europa Milliarden mobilisieren – und von der Corona-Krise sind Ungarn und Polen genauso betroffen wie Deutschland und Frankreich -, aber diese Länder sich einen schlanken Fuß machen!“

Und noch mal Zoff

Bedford-Strohm versteht nicht, dass Kommunen wie Berlin Flüchtlinge aus den griechischen Lagern aufnehmen wollten, der Bundesinnenminister das aber verbiete.

Merz kennt die Grund: „Die Erklärung ist relativ einfach“, sagte er. „Der Bund ist dafür zuständig. Und der Bund muss auch die Kosten und die Folgekosten übernehmen.“

Außerdem, so die nüchterne Analyse des Politikers: „Es kann nicht sein, dass wir jetzt in einen Überbietungswettbewerb der Städte und Gemeinden eintreten, wer da vielleicht vordergründig am meisten tut!

Kritischste Beispiele

Zwei Grundschullehrerinnen hätten ihm, so Merz, geklagt: „Wir kriegen das Problem mit den Kindern aus muslimischen Familien nicht mehr gelöst.“

Es ging dabei um „sechs- bis zehnjährige Kinder, völlig disziplinlos, nicht bereit sich in den Unterreicht einzuordnen. Völlig respektlos gegenüber weiblichen Lehrern.

Knackpunkt der Diskussion

„Sollen wir dieses Problem noch weiter eskalieren lassen?“ fragte Merz zum Schluss. „Da kommen Menschen, die schreckliche Schicksale haben. Aber da kommen auch junge Männer, und wir haben die Ereignisse in Stuttgart und in Frankfurt gehabt. Die schrecklichen Straftaten in Freiburg.

Die Konsequenz daraus heiße für ihn: „Der Staat muss auch eine Gesamtverantwortung dafür übernehmen, was dann daraus wird!“

„Von den Geflüchteten hat jeder zweite inzwischen einen Beruf“, freute sich die Talkmasterin und stellte zum Finale zwei Beispiele gelungener Integration vor. Das palästinensische Flüchtlingsmädchen macht in zwei Jahren Abitur und stört sich nur an den „sturen deutschen Gesetzen“ in der Asylpolitik.

Der junge Syrer studiert bereits, hat eine ukrainische Freundin, ist in Deutschland glücklich, musste aber ertragen, dass ihn wirre Hass-Posts als Terroristen beschimpften. Deutschland im Jahr 2020…

Fazit: Viel Emotion, aber ohne die sonst übliche affektierte Befindlichkeitsdramatik. Merz bewährte sich mal wieder als der Unterschiedstalker, der schwierige Themen auch unter Druck nicht scheut. Das war eine Talkshow der Kategorie „Pflichtspiel“.

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