Geschichte

Die rätselhaften Löwenbabys aus der Totenstadt am Nil

Es war eine Riesensensation: Zum ersten Mal in der Geschichte der Archäologie entdeckten Ägyptologen Mumien von Löwenbabys! Doch der einzigartige Fund aus der Totenstadt Sakkara bei Kairo warf sofort schwierige Fragen auf.

Das Rätsel: Wie kamen die kleinen Raubkatzen um? Welche Rolle spielten sie im Kult der Pharaonen? Und vor allem: Warum wurden nur Babys und keine ausgewachsenen Löwen einbalsamiert?

Die Fakten: Tiermumien sind Alltag im alten Ägypten. Falken, Kobras, Stiere oder Krokodile liegen zu Hunderttausenden unter dem Wüstensand. Denn die Priester am Nil hielten in den Tempeln Tiere, die der Gestalt ihrer Götter entsprachen. „Sie waren heilig“, berichtet die Leipziger Ägyptologin Franziska Naether. „Deshalb wurden sie auch mumifiziert.“

Im 7.Jh. v.Chr. wurde Ägypten von den Assyrern angegriffen. In solchen Notzeiten waren Tempeltiere besonders wichtig: Ihre Pflege sollte die Götter gnädig stimmen. Besonders mächtig war die löwenköpfige Kriegsgöttin Sachmet. Doch ihr Tempel stand in Memphis, weit weg von den Löwenbabys.

Die Entdeckung: „An dem Ort, an dem die Mumien gefunden wurden, gibt es Hinweise auf den Gott Miysis“, berichtete Naether jetzt. Und auch dieser Gott wurde in Löwengestalt verehrt!

Miysis war zwar längst nicht so populär wie Sachmet, aber sein Kult blühte vor allem im Nildelta, das damals als erste Provinz von den Assyrern bedroht war.

Doch warum liegen keine ausgewachsenen Tiere in dem Grab? Auch dafür fand sich eine Erklärung: „Man hat man versucht, die Löwen klein zu importieren, wenn sie noch unproblematisch sind“, meint Naether. Dann aber seien die Babys wohl an einer Krankheit verendet, bevor sie ihre Rolle im Tempel übernehmen konnten. Rätsel gelöst!

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