Zeitgeschehen

Der ganz normale Wahnsinn (107): Erdogans Geschichtslektion zum Thema Libyen

Französische Aufklärer haben im östlichen Mittelmeer türkische Fregatten dabei erwischt, wie sie trotz des Waffenembargos  syrische Söldner nach Libyen schifften.

Die bürgerkriegserprobten Freischärler sollen dort den Staatspräsidenten Fajez Sarradsch vor dem General Chalifa Haftar retten, der wiederum von Frankreich unterstützt wird. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron wirft seinem NATO-Partner Recep Tayyip Erdogan deshalb vor, die Sicherheitsinteressen aller Europäer und auch der Sahe-Bewohner zu verletzen. Daraufhin poltert Erdogan, die Franzosen hätten als Kolonialherren in Algerien in 140 Jahren mehr als fünf Millionen Menschen umgebracht. Zuvor stand das heutige Algerien allerdings über 300 Jahre lang unter der Herrschaft der Osmanen, wie auch Ägypten, Libyen, Tunesien und Teile Marokkos. Aufstände schlugen die Türken immer wieder blutig nieder. Aus Libyen wurden die Türken sogar erst 1911 von den Italienern vertrieben. Wichtigste Wirtschaftstätigkeit im türkisch besetzten Nordafrika war der Handel mit schwarzafrikanischen Sklaven. Davon sagt der neue Sultan natürlich nichts. Stanislaw Jerzy Lec: „Die weißen Flecken sind von den Landkarten verschwunden. Sie siedelten in die Geschichtsbücher über.“

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