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Corona-Zoff bei Plasberg: CSU-General Blume vergleicht Impf-Plakate mit Anti-Fußpilz-Reklame

„Hart aber fair: Die Pandemie in uns: Wann kommt die Zeit, von Corona loszulassen?“ ARD, Montag, 7.Februar 2022, 21 Uhr.

Rekord-Ansteckungen, aber weniger schwere Fälle, da steht die Politik vor schwierigen Fragen. In „Hart aber fair“ wird Frank Plasberg langsam ungeduldig! Die Gäste

Markus Blume (46, CSU). Markus Söders Generalsekretär biegt mit seinem Chef auf einen Bayernweg ab: „Wir müssen den Einstieg in den Ausstieg finden!“

Katrin Göring-Eckardt (55, Grüne). Die Bundestagsvizepräsidentin ist alarmiert: „Wir dürfen jetzt auf der Zielgeraden nicht vorschnell lockern!“

Kristina Schröder (44, CDU). Die Ex-Familienministerin warnt: „Eine Politik, die das Risiko auf Null reduzieren will, richtet mehr Schaden an als Nutzen.“

Cihan Çelik (34). Der Lungenfacharzt einer Corona-Intensivstation sorgt sich: „Omikron verdrängt viele geplante Operationen.

Christina Berndt (53). Die Wissenschaftsredakteurin (SZ) will „den Mitmenschen nicht nur als potentiellen Ansteckungsherd sehen“.

Marc-Christoph Wagner (51). Der Ex-ARD-Korrespondent arbeitet als Museumsleiter in Kopenhagen und freut sich: „Alle Beschränkungen aufgehoben – alle wieder so unbeschwert!“

Alle Positionen besetzt, der Ball gut aufgepumpt, wer macht das erste Foul? Das Zoff-o-Meter muss nicht lange warten!

Persönlichste Erfahrung

Der Talkmaster startet mit einem weiten Einwurf: „Wir müssen diesen Angst- und Panikmodus zugunsten eines kontrollierten Pragmatismus verlassen!“, fordert Prof. Jochen Werner, Ärztlicher Direktor der Uniklinik Essen, im ersten Einspieler. „Es muss Schluss sein mit dem Cocid-19-Alarmismus, mit dem Starren auf Zahlen!“

„Er spricht mir aus der Seele“, kommentiert die Ex-Familienministerin als Mutter dreier Töchter, denn: „Für die Kinder sind die Einschränkungen immer noch sehr drastisch. Unsere Siebenjährige trägt jeden Tag sieben Stunden lang die Maske. Für Kinder ist das eine Riesen-Einschränkung!“

Dann schon die erste Blutgrätsche

Der CSU-Politiker bringt sein taktisches Konzept in eine griffige Formel: „Wir waren vorsichtig, als Vorsicht gefragt war, und sind jetzt vorsichtig optimistisch, wenn Optimismus gefragt ist.“

Denn, so Söders General: „Wir müssen schauen, dass wir uns nicht selbst in der Corona-Dauerschleife gefangen halten. Unsere Zielsetzung ist: Mehr impfen und weniger Beschränkungen im Alltag. Die Bundesregierung dagegen, die sagt einfach: Pfft – wir wissen nicht mehr weiter, wir machen erst mal gar nichts.“ Rumms!

Wissenschaftlichste Warnung

„Auf den Intensivstationen zählen wir mittlerweile die schweren Verläufe separat“, erklärt Lungenfacharzt Çelik. Das gelte auch für die Lagebewertung im Robert-Koch-Institut, und „das heißt: Die Grafiken wie Hospitalisierungen und Inzidenzen an sich müssen jetzt anders interpretiert werden.“

In der Sache gebe er Blume recht: „Das Fixieren auf Zahlen, die wir von den vorherigen Wellen gewohnt sind,  funktioniert nicht mehr.“ Aber: „Bei den drei Millionen Ungeimpften über 60 arbeitet sich das Virus jetzt langsam vor. Was da in den nächsten Wochen auf uns zukommt, wissen wir nicht.“ Puh!

Wütendste Attacke

Göring-Eckardt ärgert sich über Blumes Regierungsschelte die Platze: „Mich nervt es total, sich immer hinzustellen und zu sagen: Heute sind wir das Team Vorsicht“, pfeffert sie zurück. „Wenn es ein bisschen unpopulärer wird, sagt man, die Bundesregierung möge dieses oder jenes tun, und macht sich aus dem Staub!“

Ihr massiver Vorwurf: „Es ist die Zeit, Verantwortung zu übernehmen, und nicht, populistisch zu agieren in bestimmte Gruppen hinein, bei denen man hofft, dass sie bei einer Wahl dann irgendwie ihr Kreuzchen woanders machen! Wahrscheinlich würde die olympische Disziplin ‚Ich ändere meine Meinung ständig‘ in Bayern bei einer Goldmedaille landen!“

Wichtigster Unterschied

Der Ex-ARD-Korrespondent soll Dänemarks tollen Weg erklären: Mega-Inzidenz 5000, trotzdem Abtanzen in vollen Clubs, Einkaufen ohne Maske und kaum Covid-Patienten auf der Intensiv. Wie kommt‘s?

„Wir sind in einer anderen Phase, Omikron war bei uns schneller da“, meint Wagner. „Man hat ein großes Zutrauen in den dänischen Staat. Der Däne ist eine lustige Kombination aus dickköpfig, antiautoritär, liberal-individualistisch, andererseits aber gemeinschaftsorientiert und solidarisch.“

Stoßseufzer des Abends

Intensivarzt  Çelik kennt die Zahlen: „Dänemark hat eine Boosterquote der über 6ojährigen von fast 96 Prozent, wir sind da nur bei knapp über 70 Prozent.“ Seine Prognose: „Auch hier werden diese Öffnungsschritte wahrscheinlich vorbereitet werden. Aber da, wo Dänemark seine Lücken geschlossen hat, stehen sie bei uns noch offen.“

Wir können uns aber kein neues Volk wählen, um die Impfzahlen in die Höhe zu treiben!“, ächzt Plasberg.

Schlimmste Vorwürfe

Die Ex-Ministerin hat noch andere Erklärungen: „Der dänische Weg hat wesentlich weniger als wir auf die Angstkommunikation gesetzt“, stellt sie fest. „Gerade von der Politik wurde ganz stark Angst instrumentalisiert, um eine möglichst große Folgsamkeit zu den Maßnahmen zu erreichen!“

Und, so Schröder weiter: „Wir haben alles dem einen Ziel untergeordnet, die Infektionszahlen möglichst gering zu halten. Dafür haben wir Dinge gemacht, die wir uns vor zwei Jahren nicht hätten vorstellen können. Wir haben Menschen alleine sterben lassen!“

Sympathischste Selbstkritik

„Müssen wir vielleicht unsere Mentalität ändern?“ fragt Plasberg die Grüne und kriegt prompt eins auf die Nase: „Es ist nicht die Aufgabe von Politik, zu sagen: Bitte, Volk, jetzt ändere mal deine Mentalität“, spottet Göring-Eckardt.

„Wir haben am Anfang viel zu wenig die Kinder und die Jugendlichen im Blick gehabt“, klagt sie dann. „Wir haben Jugendliche, die haben irgendwie die Pubertät erlebt und nicht auf dem Schulhof rumgeknutscht!“

Peinlichster Kontrast

Der nächste ARD-Einspieler zeigt den Bundeskanzler bei der Vorstellung der neuen Impfkampagne und dazu im Vergleich französische Entwürfe: Bei Scholz nur dröge Mahn-Texte, aus Paris dagegen Lebenslust-Fotos mit „ganz viel Sinnlichkeit.“ Slogan zu einer Kuss-Szene: „Ja, Impfen hat Nebenwirkungen, und zwar wünschenswerte“. Halleluja!

Passend dazu zeigt Plasberg den Gesundheitsminister, wie er in einem ganz anderen Zusammenhang kommentiert: „Das sind nicht wir. Wir sind das nicht.“ Heiterkeit in der Runde!

Willkommenster Verdacht

Mich erinnert die Kampagne an Sanifair, die Toiletten auf den Autobahnraststätten“, lästert Schröder.

„Wie kann man auf die Idee kommen, sowas zu machen?“, wundert sich der Talkmaster. „Man sollte mit Namen keine Scherzen machen, aber diese Kampagne ist von der Agentur ‚Scholz & Friends‘ gemacht worden.“ Höhö!

Strengster Verweis

Plasberg setzt noch einen drauf: „Gibt es da möglicherweise eine Namensverwechslung?“ fragt er schelmisch. „Ist der Bundeskanzler nicht ausgelastet gewesen und hat sich das mit einem drögen Freundeskreis ausgedacht?“

Jetzt wird es der SZ-Redakteurin zu bunt. „Scholz & Friends sind preisgekrönt für viele tolle Kampagnen!“ mahnt sie mit humorbefreitem Gouvernantenblick. Uff!

Und wieder Zoff

„Das passt möglicherweise ein bisschen zur Gefühlslage und zum Habitus der Bundesregierung“, spottet Blume. „Bei manchem Mittel gegen Fußpilz wird mehr transportiert als bei dieser Kampagne. Um aus dieser Dauerschleife rauszukommen, wünscht man sich einfach mehr Leidenschaft, mehr Esprit!“

„Naja, es ist ja nicht so, dass es die in Bayern bisher gegeben hätte“, ärgert sich die SZ-Redakteurin. Beim Impfen liege Bayern gerade über den östlichen Bundesländern. Ah ja.

„Netter Versuch von Bayern-Bashing“, grient Blume.

Frage des Abends

Im nächsten ARD-Einspieler sagt Söder, die zum 15.März geplante einrichtungsbezogene Impfpflicht könne die Omikron-Welle nicht stoppen, aber leider die Pflegesituation verschlechtern. Deshalb arbeite Bayern an einer Lösung, die „zunächst mal auf ein Aussetzen des Vollzugs hinausläuft“. Hund sans scho!

„Man kann das kluges, eigenständiges Denken nennen“, stellt Schiedsrichter Plasberg zur Wahl, „oder Sabotage!“

Letztes Gefecht

Göring-Eckardt ist auf Zinne: „Was Bayern gerade macht, ist nach dem Motto ‚Was schert mich mein Geschwätz von gestern‘“, wettert sie. „Da haben sich alle Ministerpräsidenten drauf geeinigt, mit dem Bundeskanzler! Sich jetzt hinzustellen und zu sagen: Jetzt haben wir keinen Lust mehr drauf! Wenn das alle so machen würden!“

Die Bundesregierung ist drauf und dran, die allgemeine Impfpflicht zu verbaseln“, kontert Blume. „Österreich hat sie, und bei uns gibt es nicht mal einen einzigen Regierungsvorschlag von Bundeskanzler Olaf Scholz!“ Auch bei der einrichtungsbezogenen Impfpflicht seien „die ganzen Umsetzungsfragen bis heute nicht geklärt.“

Entwaffnendstes Eingeständnis

SZ-Journalistin Berndt legt noch mal ihre alte Platte auf: „Da geht jemand und versucht Wählerstimmen zu fangen!“ poltert sie. „Das scheint eine Strategie zu sein, die man an der CDU und Herrn Söder sehr gut verfolgen kann!“

Ex-Ministerin Schröder fragt sich dagegen, wieviel die Impfpflicht überhaupt noch helfen könne. „Deshalb finde ich es klug“, meint sie, „jetzt nicht so zu agieren wie ich manchmal als Mutter agiere, dass ich eine angekündigte Ordnungsmaßnahme einfach deswegen durchdrücke, um nicht mein Gesicht zu verlieren.

„So läuft das bei Ihnen?“, ruft Plasberg anerkennend.

„Gelegentlich!“, bestätigt Schröder und macht den letzten Punkt. Chapeau!

Zitat des Abends

„Für mich ist Corona vorbei, wenn Sie mich nicht mehr einladen, weil es keine Sendung mehr zu Corona gibt“, sagt Markus Blume zum Schluss. Die Hoffnung stirbt zuletzt…

Fazit

Kleinliches Parteigezänk gegen sachorientiertes Krisenmanagement, humorloses Gemecker gegen souveräne Selbstironie, der Talkmaster wie ein Korken immer gut sichtbar: Das war eine Talkshow der Kategorie „Impfobilienhandel“.

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