Teletäglich

Corona-Zoff bei Maybrit Illner: Lauterbach wirft Mallorca-Regierung Trickserei vor

„Maybrit Illner: Panisch durch die dritte Welle – Deutschland auf der Notbremse?“ ZDF, Donnerstag, 25.März 2021, 22.15 Uhr.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Prof. Karl Lauterbach hat in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ den Verdacht geäußert, dass die Regionalregierung der spanischen Urlaubsinsel Mallorca bei den Infektionszahlen schummelt.

Wörtlich sagte der Experte: „Dort wird getrickst! Ich glaube denen kein Wort!

Statt Osterruhe gab‘s Osterreue, aber wie geht‘s
jetzt weiter? Das würde auch Maybrit Illner gern wissen. Ihre Gäste

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). forderte letzte Woche eine Testpflicht für alle Reiserückkehrer. Läuft. Was forderte er als nächstes?

Claus Ruhe Madsen, parteiloser Oberbürgermeister von Rostock, treibt an der Ostsee einen spannenden Modellversuch voran: „Unser Konzept für sichere Öffnung funktioniert!“

Lauterbach (SPD), strengster aller Talkshowexperten, brachte schon nächtliche Ausgangssperren aufs Tapet.

Ex-Bischöfin Margot Käßmann sagte im Dezember: „Es gibt kein Recht auf das Weihnachtsfest!“ Was sagte sie nun über Ostern?

Der Rapper Michael Bernd Schmidt alias Smudo (53). („Die Fantastischen Vier“) ist Mitentwickler der „Luca“-App.

Die CDU-nahe Journalistin Düzen Tekkal schimpft: Der ewige Lockdown ist eine Bankrotterklärung der Politik!“

 

Experten mit viel Kampferfahrung an der Virenfront, deshalb hofft das Zoff-o-Meter auf mehr Einigkeit als Zwist. Die Talkmasterin unkte allerdings zum Start: „Die Pandemie kennt nur eine Richtung, die Politik nicht!“

Solidarischste Statements

Zum reuevollen Rückzug der Kanzlerin vom Osterlockdown sagte Müller als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz klipp und klar: „Wir haben das gemeinsam besprochen!“

Journalistin Tekkal richtete den Scheinwerfer auf die Hartz-IV-Empfänger: „Dass die fünf Tage im Voraus einkaufen ist de facto nicht machbar!“ kritisierte sie.

Bedenklichste Einschätzungen

„Ich kenne viele, die mit Wut im Bauch eingeschlafen und frustriert morgens wach geworden sind“, wetterte die Journalistin weiter. „Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam dafür kämpfen, wie wir aus den Wutbürgern Mutbürger machen. Missmanagement darf nicht dazu führen, dass Menschen sterben!“

„Viele Menschen sind am Limit!“ assistierte die Ex-Bischöfin. Sie hätte sich „mehr Fantasie gewünscht, was noch möglich ist, statt ständig nur zu sagen, wir müssen noch mehr einschränken!“

Lauterbach lieferte auch diesmal sofort die Gegenposition: „Ausgangssperren haben einen extrem schlechten Ruf, aber sie wirken!“ stellte der Gesundheitsexperte fest.

Dramatischste Prophezeiung

Wir sind jetzt am Anfang einer fulminanten dritten Welle, die auch viele Menschen treffen wird, die in der mittleren Lebensphase sind“, warnte Lauterbach.

Über die gefährliche britische Mutante sagte er voraus: „Weil die B.1.1.7-Variante so viel schwerer verläuft, werden wir in den nächsten Monaten viele Leute in der Altersgruppe 40 bis 70 haben, die überhaupt nicht damit rechnen, jetzt chronisch krank zu werden oder zu versterben.“ Puh!

 

Wichtigstes Gegenmittel: Alle Arbeitgeber verpflichten, die Belegschaft zwei Mal pro Woche zu testen. Denn, so Lauterbach: „Wir muten dem Bürger was zu, aber auch den Betrieben. Wir können nicht ständig die Betriebe schonen!“

Sinnvollste Maßnahmen

„Die Menschen brauchen einen Fahrplan!“ forderte OB Ruhe Madsen. „Wir testen im großen Stil an unseren Schulen. Über die Hälfte der Positivmeldungen stammen aus der Schule. Aber das ist der Rostocker Weg: Wissen generieren!

Mit der Luca-App „wollen wir sehen, dass digitale Nachverfolgung möglich ist“, fügte er hinzu.

Auch Müller ist davon überzeugt: „Wir wollen in ausgewählten Pilotprojekten praktisch den Rostocker Weg nachvollziehen“, erklärte er für Berlin. Die Frage sei, ob sich Projekte, die den Menschen ein bisschen mehr Freiheit geben, wirklich absichern ließen.

Klarste Absage

Lauterbach stieg sofort auf die Bremse: „Die Idee, dass man durch viel Testen die dritte Welle beherrscht – das geht natürlich nicht“, erklärte er.

Seine Alternativen: Entweder Lockdown später, dann aber länger. Oder Lockdown sofort, dann kürzer. So oder so: „Ohne Lockdown werden wir es nicht schaffen!“ mahnte der Experte.

Anstößigste Formulierung

„Menschen sind wie Wasser, die suchen sich ihren Weg“, weiß der OB. Sein provozierendster Spruch: „Wir sind doch Land der Denker und Lenker, und jetzt auf einmal der Schließer und Henker!

Wie bitte? Heftiger Protest in der Runde. „Oh! Oh!“ rief Illner erschrocken. Was erlauben dieser dänische Graubart?

Zutreffendste Diagnose

„Es ist mir zu einfach, zu sagen, ein Lockdown ist die Antwort“, verteidigte sich Ruhe Madsen in dem Tumult.

 

„Ich glaube, dass wir zum Teil die Bürger wie Kinder behandeln“, gab Lauterbach zu, „nach dem Motto: Die schlechte Nachricht kann nicht zugemutet werden.“

Dann ging der Zoff los

„Es stehen doch schon die Witze im Netz: Nur noch drei Lockdowns, dann ist Weihnachten!“ spottete der OB. „Wir müssen immer wieder daran denken, dass wir das Virus und nicht den Menschen bekämpfen!“

„Die Lockdowns in Europa haben vielen Menschen das Leben gerettet“, konterte Lauterbach. „Und von dem, was wir in Deutschland wissen, haben wir damit 500.000 Menschen das Leben gerettet. Da kann ich nicht sagen, das war alles Mist.“ Rumms!

Härtester Vorwurf

Über die dritte Welle sagte der SPD-Gesundheitspolitiker: „Wir sahen: Das wird kommen, das ist nicht mehr kippbar.“

Aber zur Forderung der Virologen nach einem sofortigen Lockdown hätten „sehr viele Politiker“ gesagt: „Nein, vielleicht kommt es nicht so dick“, oder „Vielleicht muss die Bevölkerung erst mal sehen, dass es wirklich so ansteckend ist.“

Lauterbachs bittere Bilanz: „Somit mussten wir erst mal die Zahlen steigen lassen, um überhaupt die Politik begründen zu können, die von Anfang an viel besser gewirkt hätte!

Schlimmster Verdacht

In Mallorca werde geschummelt, warnte Lauterbach dann. Von den zwei brasilianischen Mutanten werde inzwischen nur noch die ältere zugegeben, obwohl auf der Insel auch schon die zweite, viel gefährlichere angekommen sei.

„Das heißt: Dort wird auch noch getrickst!“ tadelte der Gesundheitspolitiker. „Ich glaube denen kein Wort! Und ich glaube auch den Fallzahlen nicht!“

Über die Urlaubsreisen sagte Lauterbach: „Wir haben nach Hilfskonstrukten gesucht, um das irgendwie zu verbieten. Denn das kann ich niemandem erklären, dass auf Mallorca gefeiert wird mit einer möglicherweise nicht zutreffenden Inzidenz, und dort gelten die Regeln nicht!“

Tröstlichste Botschaft

„In den letzten Monaten haben die Kirchen das eingeübt“, schilderte Käßmann die Schutzmaßnahmen für die Ostermessen. „Solche Gottesdienste, wo nicht gesungen wird, in großen Räumen, oder Open air, viel kürzer als sonst, die sind verantwortbar!“

Beängstigendste Prognose

„Das letzte Gefecht wird das schwerste Gefecht werden“, kündigte Lauterbach danach an. „Die Fallzahlen werden noch höher sein als in der zweiten Welle!“

Und, noch verheerender: „Es gibt diesmal eine Besonderheit: Es trifft sehr viele Kinder. Es trifft sehr viele jüngere Leute. Und wir müssen bei zehn Prozent der Infizierten mit einem langen Verlauf rechnen.

Seine düstere Erwartung: „Wir haben hier eine Welle von chronisch kranken Menschen vor uns. Die mittleren Altersgruppen werden sehr viel härter rangenommen.“

Erschütterndste Zahlen

„Christian Drosten rechnet mit 100.000 Fällen pro Tag“, sagte Lauterbach über seinen bekanntesten Kollegen. „Das glaube ich nicht, aber es sind hier durchaus 30.000, 40.000. 50.000 Fälle pro Tag denkbar.“

Allerdings, so der Experte: „Es kommt jetzt noch mal ein sehr schweres letztes Gefecht, und im Sommer haben wir es dann geschafft.“ Uff!

Überzeugendstes Angebot

„Die Resonanz ist überwältigend“, freute sich Smudo über die Akzeptanz seiner „Luca“-App: 100 Gesundheitsämter, 40.000 Betriebe, 2,3 Mio. Downloads.

Die App ist wie ein Sandsack, den man gegen die Flut selber auf den Deich schmeißen kann“, lobte der Rapper.

Aber: „Wir fahren gegen das Virus Autorennen. Wir müssen mit einem Formel 1-Fahrzeug antreten. Wir können nicht erst ABS einbauen, und Seitenairbags, sonst sind wir nicht schnell genug!“

Wichtigster Appell

„Die Osterhoffnung sagt: Das Leben ist stärker als der Tod“, tröstete Theologin Käßmann zum Schluss. „Vielleicht können sich alle gegenseitig Mut zusprechen: Wir kommen da durch! Familien am Limit können sich sagen: Wir schaffen diese Wochen jetzt auch noch.“

Und: „Wir müssen jetzt achtsam sein. Auch wenn wir uns über vieles ärgern und aufregen: Es wird ein Ende haben mit dieser Zeit, in der wir alle in unseren Freiheiten so eingeschränkt sind.“

Fazit: Schonungslose Wahrheiten, realistische Einschätzungen und strenge Warnungen, dazu kluge Ideen und Mut machende Appelle als Powerpille gegen die wachsende Lockdownmüdigkeit: Das war ein Talk der Kategorie „Steter Tropfen“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.