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Corona-Talk bei Plasberg: Staatssekretär Thomas Bareiß verspricht massive Hilfen für die Reisebranche

„Hart aber Fair: Sommer, Sonne, Sicherheitsabstand: Was bleibt vom Urlaub 2020?“ ARD, Montag, 18.Mai 2020, 21.20 Uhr.

Der Tourismus-Beauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU), hat in der ARD-Talkshow „Hart aber Fair“ am Montag umfassende Hilfen vor allem für die notleidende Reisebüros angekündigt.

Wörtlich sagte der Staatssekretär: „Wir wollen helfen, und wir müssen helfen. Denn sonst werden von unseren 11.000 Reisebüros nicht mehr viele übrig bleiben!“

Die Ankündigung scheint überfällig. Früher packte das reiselustige Deutschland um diese Zeit im Geiste schon die Koffer. Jetzt gucken alle, ob reisemäßig überhaupt noch was geht. In „Hart aber Fair“ sammelte Talkmaster Frank Plasberg die Meinungen fachkundiger Gäste:

Thomas Bareiß ist im Wirtschaftsministerium Staatssekretär für Energie und Außenwirtschaft und zudem auch Beauftragter für Tourismus und den Mittelstand. Passt!

Der Virologe Prof. Dr. Alexander Kekulé hat schon im Winter als erster vor Corona gewarnt. Und leider Recht behalten!

Der Schauspieler Uwe Ochsenknecht fährt auf Mallorca eine Musikbar und ist aus Palma zugeschaltet.

Die Reiseverkehrskauffrau Meike Mouchtouris, seit 29 Jahren im Geschäft, zeigt ihren Beruf auch im Namen an.

Der Hotelier Rolf Seelige-Steinhoff betreibt 16 Hotels, Residenzen und Villen auf Usedom sowie ein Hotel auf Mallorca.

Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen, hat einen Doktor in  Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Früher talkten immer zwei bis drei populäre Politiker und dazu ein Fachmann, den oft kaum einer kannte. Heute ist das ganz anders: Der Virologe war der Promi in der Runde.

Und kam auch gleich als erster dran. „Ich möchte gern wieder nach Ägypten zum Windsurfen, wie jedes Jahr“, sagte er hoffnungsfroh. „Ich glaube, auf dem Wasser erwischt mich das Virus nicht!“

Verzweifeltste Drohung

Die Reisekauffrau spielte schon das Todeslied der Branche: „99 Prozent Stornierungen! Wir wissen immer noch nicht, wie es weitergeht! Wir stornieren, stornieren, stornieren!“

„Ich fange jetzt ein Studium an, gehe in die Politik und nehme alle mit“, sagte sie sichtlich deprimiert. „Dann sind die Politiker arbeitslos, und nicht mehr wir!“

Wichtigste Warnung

Das Virus wird im Freien ab zwei Meter Abstand nicht mehr übertragen“, stellte Kekulé zur Einstimmung fest. „Die Schmierinfektionen, also was man so durch häufiges Händewaschen vermeiden kann, machen nur zehn Prozent der Infektionen aus.“

Am größten sei die Gefahr beim Sprechen oder Singen in geschlossenen Räumen: Tröpfcheninfektion!

Optimistischste Einschätzung

Für die Touristikerin sind nach den vielen Stornos die drohenden Beschwerden ein großes Problem: Bei den jetzt vorgesehene Einschränkungen seien „Reklamationen vorprogrammiert“, fürchtete sie.

Hotelchef Seelige-Steinhoff war zuversichtlicher: „Über 80 Prozent unserer Gäste waren bereit, auf neue Termine umzubuchen – mit unseren geänderten Bedingungen“, freute er sich. „Es funktioniert!“

Klarste Ansage

„Sie müssen sich jedes Mal die Hände waschen, bevor Sie sich ins Gesicht fassen“, warnte Kekulé. „Das ist selbst für den Fachmann schwierig. Wenn Sie sich das nicht antrainieren können, müssen Sie sich andauernd die Hände waschen!“

Ihm selbst habe das, als er noch Assistenzarzt war, eine überaus strenge OP-Schwester gründlich eingebimst. „Was jetzt gar nicht mehr geht, sind Sauna und Disco!“ fügte der Virologe noch hinzu.

Glaubwürdigster Appell

Ich habe schon immer, wenn ich in ein Hotel kam, die Fernbedienung, die Lichtschalter und das Telefon desinfiziert“, berichtete Ochsenknecht. „Jetzt bin ich im Studio und werde, wenn ich nicht im Bild bin, sofort desinfiziert!“

Aber: „Ich bin Nachkriegsgeneration, in ganz einfachen Verhältnissen aufgewachsen“, erzählte der Schauspieler. „Können wir nicht alle mal ein bisschen Verzicht üben?“

Ehrlichste Selbstbeschreibung

Ich war nie ein Fan von diesem Strandleben, wo die Leute Po an Po liegen“, erklärte Ochsenknecht weiter. Sein Problem sei: „Ich kann nicht nach Deutschland, kann meine Kinder nicht sehen, meine Schwiegereltern, die Verwandtschaft, die Menschen, die ich liebe!“

Dass es anderen schlechter gehe als ihm, sieht der Schauspieler natürlich ganz klar, sagte aber nach arbeitsreichen Jahren auch: „Irgendwann hat man im letzten Drittel seines Lebens ein bisschen Wohlstand verdient!“

Eindringlichste Warnung

Über die übliche Geselligkeit am Urlaubsort machte sich der Virologe große Sorgen: „Ein Hochansteckender kann an einem Tag 50 andere infizieren!“

Aber: „Im Freien, an warmen Abenden, bei frischer Luft, wenn auch noch ein bisschen Wind weht, ist es virologisch viel ungefährlicher als im kleinen Frühstücksrau einer Pension.“

Kekulés größte Angst: „Corona-Viren haben die Tendenz, im Sommer schwächer zu werden. Ich fürchte aber, das Virus wird im Herbst wiederkommen!“

Frage des Abends

Gibt es einen Rettungsfonds für die Reisebüros? fragte eine Zuschauerin. Die Touristikerin glaubt nicht mehr daran: „Der Zug ist im Grunde genommen schon abgefahren! Es gibt schon die ersten Insolvenzen!“

„Bei der TUI haben Sie richtig was rausgehauen“, sagte der Talkmaster zu dem Staatssekretär. „Zum Dank haben die gleich mal 8000 Stellen gestrichen. Was ist mit dem Rettungsschirm für die Kleinen?“

Klarste Zusage

Der Staatssekretär atmet tief durch, doch eine Luftnummer kam dabei keineswegs heraus: „Es gibt drei Instrumente“, erklärte Bareiß dann. „Wir wollen einen Gutschein einbauen, der vom Staat abgesichert wird.“

Interessanteste Vorschläge

Die Reisekauffrau schüttelte sofort den Kopf, aber Bareiß war noch nicht fertig: „Eine zweite Lösung wäre, das wir die Rückbuchungen, die gemacht werden, auch staatlich zwischenfinanzieren“, fügte er hinzu.

Und, dritter Punkt: „Ein Versicherungsfonds wird dafür sorgen, dass die sechs Milliarden, die an die Kunden zurückgezahlt werden müssen, vom Staat mitgetragen werden und dann in einem Zeitraum von zehn Jahren von der Branche in Reisen abgearbeitet werden.“

Wichtigste Ankündigung

„Mit den weitere Soforthilfen, die auch noch kommen werden, für alle Branchen, gibt es eine Chance, dass dann die Mieten, die laufenden Betriebsausgaben abgesichert werden“, hoffte Bareiß.

„Es gibt ein umfassendes Paket, das wir jetzt erarbeiten“, versprach der Staatssekretär. „Ich kämpfe dafür, dass die Reisebranche schnelle Hilfe bekommt!“

„Warme Worte!“ spottete Plasberg trotzdem. „Aber im Moment ist wohl nicht mehr zu holen.“

Ungewöhnlichste Perspektive

„Die Verbraucher sind zu Recht verunsichert“, berichtete Oelmann. „Aber manche machen jetzt erst recht Corona-Reisen. Das ist so ein bisschen Survival-Feeling!

Bei allen Fragen über Storno, Rückzahlung, Umbuchung etc. komme es immer auf den Einzelfall an. Hm – das half auch nicht so richtig weiter. Die Verbraucherschützerin selbst hat für September Dänemark gebucht.

Warnendes Beispiel

Kekulé erzählte von einem berühmten Fall in den 1970er Jahren: Auf einem Flug von Anchorage (Alaska) steckte ein grippekranker Passagier andere nachweislich nur deshalb mit der Influenza an, weil bei einer Zwischenlandung die Klimaanlage abgeschaltet wurde.

Solange die Klimaanlage laufe, sei Corona keine Gefahr, meinte der Virologe, denn der Luftstrom zirkuliere durch Filter. Etwas anderes sei es allerdings, „wenn mir mein Hintermann dauernd ins Genick hustet“.

Schönstes Schlusswort

Zum Schluss zeigte ein ARD-Einspieler positive Aspekte der Krise: In Venedig schwimmen Delfine durch kristallklares Wasser. Auch in Istanbul werden die Meeressäuger gesichtet, und an leeren griechischen Stränden schlüpfen seltene Schildkröten in Rekordzahl.

Hier waren auch schon Delfine im Hafen“, berichtete Ochsenknecht erfreut. „Das Wasser ist so sauber, die Luft so klar wie nie. Es ist wieder weißer Sandstrand da, das macht die Natur selbst. Es ist schön zu sehen, wie die Insel sich mal ein bisschen erholen kann!“

Fazit: Das Empörungsbedürfnis wurde befriedigt, der Bedenkenträgerfleiß gewürdigt und die Hoffnung wieder ein bisschen aufgerichtet, auch wenn die staatlichen Zusagen sehr im Rahmen blieben. Das war eine Talkshow der Kategorie „Gebrauchswertig“.

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