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Corona-Talk bei Maybrit Illner: Lauterbachs schwere Vorwürfe gegen Kollegen aus der Virologie

„Maybrit Illner: Erst Notbremse, jetzt Vollgas – für wen ist die Pandemie vorbei?“ ZDF, Donnerstag, 6.Mai 2021, 22.15 Uhr.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Prof.Karl Lauterbach hat in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ am Donnerstag hart mit Kollegen aus der Virologie abgerechnet.

Wörtlich sagte der populäre Experte: „Vor der zweiten Welle ist zu wenig gewarnt worden. Ich will hier keine Namen nennen, aber wir wissen alle, welche Wissenschaftler uns damals in eine falsche Sicherheit gewogen haben. Das darf man jetzt nicht vergessen!“

Corona spaltet Deutschland: Die einen jubeln, die anderen jammern. Maybrit Illner Gäste:

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) weiß: „Das Impfen ist der Schlüssel zum Überwinden dieser Pandemie!“

Lauterbach sagt voraus: „Die Infektionszahlen werden Mitte oder Ende Mai exponentiell sinken!“

Die zweifache Olympiasiegerin Katarina Witt, Inhaberin eines Fitnessstudios in Potsdam, lästerte über die Politik: „Willkommen zurück in der DDR!“

Die Medizinethikerin Prof. Alena Buyx mahnt: Bei der Debatte um Lock-Off für Geimpfte geht es nicht um Neid, sondern um Gerechtigkeit!

Die Hotelchefin Caroline von Kretschmann beklagt in Politik und Verwaltung eine „systematische und systemische Überforderung“.

„Gestern alles dicht machen und heute schon wieder alles aufmachen“, kommentierte die Talkmasterin zum Start. „Für wen ist die Pandemie vorbei?“

Medizinethikerin Buyx ist unzufrieden: „Was für viele gefehlt hat, war eine positive Vision!“ tadelte sie die Politik. „Das hat es schwer gemacht, alles auszuhalten.“

Der Ministerpräsident äußerte sich weniger vornehm: „Die Menschen haben die Schnauze voll!“ grollte er. „Aber richtig ist auch: Politik kann nicht zaubern!“

Ehrlichste Prognose

„Ich bin sehr vorsichtig mit Versprechungen“, erklärte Bouffier dann, „aber wir haben eine Perspektive: Wir machen das jetzt nicht noch acht Mal nach dem Motto ‚Jetzt noch einen Monat und dann noch einen Monat‘!“

Sondern: „Ich gehe fest davon aus, dass wir bis zum Juli den allergrößten Teil durchgeimpft haben. Und dass wir, wenn wir in der zweiten Impfung noch den August dazu nehmen, dann zu einem guten Teil zu unserem Leben wieder zurückkehren können.“ Halleluja!

Emotionalstes Bekenntnis

Katarina Witt startete auf heißen Kufen: „Ich möchte hier für den Sport kämpfen!“ legte sie los. „Es geht um den Breitensport! Es geht um den Sport für Kinder und Jugendliche! Meiner Meinung nach geht Gesundheit nicht ohne aktiven Sport!“

Dann brach ihre Begeisterung für Bewegung in kompromisslosen Forderungen durch: „Es ist überhaupt nicht mehr verhandelbar, ob Sport auf- oder zugemacht wird! Sport gehört zu unserem Leben! Das ist wie Zähneputzen! Das ist Körperpflege!“

Ärgerlichster Protest

Lauterbach hat ein anderes Problem: „Ich mag dieses Wissenschaftler-Bashing nicht!“ ärgerte er sich. „Das ist total kontraproduktiv!“

Seine Kritik: „Durch die erste Welle sind wir großartig durchgekommen. Da haben wir den Wissenschaftlern vertraut.“

Härtester Kollegenschelte

Doch: „Als die zweite Welle kam, haben wir genau das Gegenteil gehabt“, meinte der Gesundheitspolitiker. „Da kamen Wissenschaftler ohne Modelle, haben ‚Lockerungen’ gesagt, und darauf haben sich zu viele verlassen. Da sind wir so hart erwischt worden, dass wir die gute Gesamtbilanz an Sterbefällen verloren haben!“ Hm – ganz ohne ein bisschen Bashing geht’s auch bei ihm wohl nicht…

Lauterbachs alarmierendste Zahl: „Sieben Prozent der Kinder, die wir jetzt zurücklassen, entwickeln Long-Covid-Syndrome. Das ist keine Kleinigkeit!“

Eindringlichster Appell

Ab einer Impfquote von 40 Prozent würden die Fallzahlen exponentiell runtergehen, erläuterte der Experte weiter. Seine Hoffnung: „Diesen Kipppunkt werden wir Ende Mai erreichen. Spätestens!“

„Deshalb habe ich eine ganz einfache Botschaft“, fügte Lauterbach hinzu. „Wir haben ein Jahr und vier Monate durchgehalten. Wollen wir nicht auch noch diese drei Wochen durchhalten, und dann den vollen Genuss haben?!“

Spontanster Kommentar

Ein ZDF-Einspieler zeigte Wirte, die hoffnungsvoll Stühle in die Sonne stellen. O-Ton Markus Söder: „Wo es (die Inzidenz) unter 100 ist, wollen wir Ferien ermöglichen.“

„Das habe ich denen von vorneherein erzählt, dass das Unsinn ist!“ brömmelte Bouffier, gerade als der Studio-Ton wieder anfuhr.

Verräterischste Info

„Herr Bouffier, ich darf es laut sagen: Sie haben gerade über Markus Söder gesprochen, der gestern noch als erster zumachen wollte“, petzte die Talkmasterin prompt. „Jetzt will er als erster aufmachen. Nur, um dem Armin zu zeigen, dass er schneller ist als er?“

Doch der Hesse ließ sich nicht für Laschet in die Manege locken: „Das glaube ich nicht“, griente er. „Ich kenne niemanden, der jetzt losrennt und völlig ungebremst alles öffnen will…“

Aber: „Man kann ein freiheitliches Land nicht mit Verordnungen, Gesetzen und Ähnlichem auf Dauer regieren.“

Größte Sorge

„Nichts ist gefährlicher, als bei nur teilweiser Impfung der Bevölkerung hohe Fallzahlen zu haben“, warnte Lauterbach. „Weil, dann lade ich mir Mutationen ins Land.“

Vor allem die Untersuchungen und Forschungen im schlimmsten Seuchenland der Welt machen ihm Sorgen: „In Indien sind so viele infiziert und es wird so wenig PCR-getestet und segmentiert, dass sich dort noch ganz andere Mutationen entwickeln können!

„Wenn die jetzt zu uns rüberkämen, in ein teilweise geimpftes Europa…“ bangte der Gesundheitsexperte. „In der Gesamtschau sind das jetzt ganz kritische Wochen!“

Berechtigtste Kritik

Aus Heidelberg wurde Hotelchefin von Kretschmann zugeschaltet. „Die Hotels in der Schweiz waren die ganze Zeit offen“, klagte sie. „Zwischenzeitlich waren die Inzidenzen dort höher, aber jetzt sind sie unterhalb Deutschlands!“

Bittere Bilanz: „25 Prozent der Betriebe erwägen eine Schließung“, schilderte sie die schlimme Lage ihrer Branche, „und sechs Prozent rechnen konkret innerhalb der nächsten drei Wochen mit einer Insolvenz!“

Illner blieb# trotzdem guter Laune: „Keep on walking!“ rief sie der bedrückten Unternehmerin von der öffentlich-rechtlicher Sorglosinsel zu.

Politischste Attacke

Die Pandemie wird uns noch lange beschäftigen“, ahnte Bouffier. „Allein die finanziellen Folgen! Zum Thema Wirtschaftshilfen könnten wir einen ganzen Abend sprechen!“

Dann nahm der CDU-Ministerpräsident den SPD-Finanzminister auf die Hörner: „Es war falsch, den Menschen eine Erwartung zu schicken!“ schimpft er und hieb empört linke Haken in die Luft. „Ich sag mal das schöne Wort: mit Wumms. Das kann kein Mensch mehr bei uns hören.“ Rumms!

Danach aber folgte ein fulminanter Salto rückwärts: „Wir geben ganz viel Geld aus, aber wir haben es falsch …“ fuhr er fort, stoppte dann aber und wechselte die Tonart: „Ich sage bewusst ‚Wir‘, weil ich den Bundestagswahlkampf mal hier raushalten will.“ Ah ja…

Klügster Rat

„Man unterschützt die Bevölkerung“, glaubt die Ethikprofessorin. „Was die Leute wissen, was sie mitkriegen an Wissenschaft, das ist wirklich beeindruckend!“

„Erschütternd gut!“ lachte Illner.

Doch Buyx ließ sich nicht beirren: „Da gibt es so viele gute Ideen und kluge Vorschläge“, lobte sie. „Das mehr zur Geltung zu bringen ist für die Zukunft unglaublich wichtig!“

Kritischste Erkenntnis

Zur Einführung des geplanten fälschungssicheren Impfausweises sagte Lauterbach voraus: „Ich schätze, das wird Ende Juni der Fall sein.“

„Allein auf die Vernunft der Menschen zu setzen und auf ihre Bereitschaft, der Wissenschaft zu folgen, das klingt sehr populär“, urteilte Lauterbach zum Schluss. „Das hört der Bürger gern. Aber er verlangt auch, wenn etwas wirklich gefährlich ist, dass ich eine Verordnung auf den Weg bringe!“

Fröhlichstes Finale

„Wir brauchen eine Grundakzeptanz“, forderte Bouffier. „Wir können nicht ständig einmal so und einmal so…“

„Machen wir das jetzt anders?“ spottete Illner.

„Ich verspreche niemandem, dass wir in drei Wochen das alles so lösen“, erwiderte Bouffier.

„Versprechen tue ich auch nichts“, meinte Lauterbach, „aber ich sage es voraus.“ Amen!

Fazit: Brennendes Thema und hochkarätige Besetzung, aber leider quälende Bandwurmfragen, ermüdende Monologe, hochspezialisierte Fachvorträge, trockenluftiges Info-Gebläse und viel zu oft rücksichtsloses Durcheinanderdozieren: Das war ein Talk der Kategorie „Härtetest“.

 

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