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Corona-Talk bei Maybrit Illner: Lauterbach warnt vor „Durchseuchung der Kinder“

„Maybrit Illner: Geimpft, getestet, genervt – mehr Freiheit wagen?“ ZDF, Donnerstag, 14.Oktober 2021, 22.15 Uhr.

Alles auf Anfang: Nach Bundestagswahl und „CDU, raus bist du“ wird Corona wieder Talk-Thema Nr. 1. Maybrit Illner füttert ihre eigene 3G-Definition in den Titel ein. Die Gäste:

Prof. Karl Lauterbach (58, SPD). Der Gesundheitspolitiker pflügt als Bulldozer durch die Corona-Talks.

Ute Teichert (59). Die Chefin der Gesundheitsamtsärzte steuert Fronterfahrung bei.

Klaus Stöhr (62). Der Virologe fordert das sofortige Ende aller Anti-Corona-Maßnahmen für Kinder.

Jan Josef Liefers (57). Der „Tatort“-Star nahm bei „BILD live“ Ungeimpfte in Schutz und bekam prompt Zoff mit Lauterbach.

Der Talkmasterin hängt die Locke heute besonders tief über das rechte Auge. Mit dem Zweiten sieht man schlechter? Das Zoff-o-Meter guckt für sie mit.

Zum Start ein verblüffender Vergleich

Virologe Stöhr war 15 Jahre für die WHO im Ausland. „In Deutschland existiert eine Datenwüste!“, schimpft er gleich los.

Denn, so der Experte verwundert: „Ich kann zu jeder Zeit an jeder Tankstelle ablesen, wie hoch der Spritpreis ist. Aber ich kann nicht herausfinden, wie viele Leute tatsächlich geimpft werden“ – weil es z.B. anders als in skandinavischen Ländern kein Impfkataster gebe.

Ehrlichste Begeisterung

„Ich sehe, dass 85 Prozent der deutschen Erwachsenen sich einen Impfstoff verabreichen lassen“, freut sich Liefers über die um fünf Prozent nach oben korrigierte Zahl, „und das, obwohl im Internet irre Storys kursieren!“

Trotzdem haben sie gesagt: Wir tun es, wir tun es für unsere Mitmenschen, und wir tun es für den Freedom Day“, strahlt der Schauspieler. „Und nun steht er vor der Tür. Ich finde das toll!“

Unwillkommenster Unkenruf

„Ganz so ist es aber nicht“, stoppt ihn Lauterbach. „Wir sind noch immer nicht da, wo es möglich wäre, zu sagen, jetzt nehmen wir die Masken runter in den Geschäften und kontrollieren kein 3G mehr.“

Auch die Stimme der Gesundheitsämter klingt keineswegs beruhigend: „Ich bin Ärztin“, bremst Teichert die Begeisterung. „Für mich ist es wichtig, zu verhindern, dass jemand erkrankt. Und in dem Sinne ist jeder, der erkrankt ist und behandelt werden muss, eine Person zu viel!

Ungeduldigste Forderung

„Wir können doch nicht zugucken, wie bei unseren Nachbarn um uns herum immer mehr Freiheiten eröffnet werden, und als einzige sagen: Neinneinnein!“ murrt Liefers. „Irgendeine Art von Exit-Strategie brauchen wir jetzt!

Seine Kritik: „Schon im Wahlkampf habe ich mich gewundert, dass das für keine der Parteien ein Thema war. Man hängt uns da immer so eine Wurst vor die Nase!“

Unbequemste Analyse

Ein ZDF-Einspieler zitiert, wie Liefers bei BILD die Bundesregierung in die Pfanne haute: „Wir hängen hier im Schacht, ohne richtige Ansage, ohne richtige Perspektive!“

Seine naheliegende Erklärung: „O.k., derzeit auch ohne richtige Regierung. Da will wohl von den Altvorderen keiner mehr was entscheiden, oder?“

Peinlichster Vorwurf

Stöhr hat die Parteien abgefragt, was sie denn als zukünftige Regierung machen würden. Ernüchterndes Ergebnis: „Eine Partei hat sich geäußert, das war die FDP. Bei allen anderen war Schweigen im Walde.“

Lauterbach guckt den Kollegen groß an, macht aber keinen Mucks.

Außerdem beanstandet Stöhr „ein großes Vakuum“ in Kommunikation und Krisenmanagement. Die Bundesregierung habe Mythen über Corona bei Kindern oder Herdenimmunität nicht proaktiv angesprochen, klagt er, und auch kein Beraterteam mit Experten aus unterschiedlichen Fächern gehabt.

Prompt geht der Zoff los

Das will Lauterbach, selbst Pandemieberater der Bundesregierung, so nicht stehen lassen: „Ich finde es gut, dass die Corona-Politik kein Wahlkampfthema gewesen ist“, entgegnet er.

„Wir haben es gut gemacht“, behauptet der Gesundheitspolitiker energisch. „Deutschland ist bei der Sterblichkeit besser als fast alle anderen Länder, die eine Altersstruktur haben wie wir!“

Unduldsamste Ansage

Stöhr wagt einen Widerspruch: „Wenn man rausrechnet, die ersten zwei Monate…“

Doch Lauterbach fährt ihm grob über den Mund: „Ich kann nichts rausrechnen, wenn Leute gestorben sind!“ giftet er. „Ich mag es gar nicht, wenn das, was wir gemacht haben, schlechtgeredet wird!“

Deutlichster Alarmruf

„Wir müssen uns etwas überlegen für unsere Kinder“, fordert der SPD-Politiker dann für den „Freedom Day“. Denn: „In dem Moment, wo wir öffnen, haben wir damit zu rechnen, dass wir eine Durchseuchung bei unseren Kindern zu sehen bekommen.“ Uff!

Emotionalste Erinnerung

Liefers hat das Gefühl, sich gegen Vorwürfe verteidigen zu müssen, er würde nur ahnungslos herumquasseln: „Ich kenne Intensivstationen sehr gut“, berichtet er sichtlich bewegt. „Mein Vater lag lange auf einer, und ist dann auch auf einer gestorben!“

„Ich habe dort sehr viel Zeit zugebracht“, erinnert sich der Schauspieler. „Hinzu kommt, dass ich ohnehin ein medizinisch interessierter Mensch bin. Ich gehe sowieso überall hin und frage jedem ein Loch in den Bauch.“

Erschütterndste Erfahrung

„Ich habe gelernt, dass das Pflegepersonal auf so einer Station absolut Aufwertung verdient, und Wertschätzung“, schildert Liefers. „Nicht nur mit Applaus, sondern auf mit Geld!“    

Denn, so der „Tatort“-Pathologe weiter: „Ich habe ein bisschen mitgeholfen, Umbetten, Körperpflege und so, und habe beobachtet, wie die mit denen im Koma reden. Wenn es ans Ende geht, setzen die sich auch noch hin und halten die Hand. Und das steht nicht in ihrem Arbeitsvertrag!“

Vernünftigster Vorschlag

Ärztin Teichert möchte die Impfungen weiter ankurbeln: „Die Leute dort aufsuchen, wo sie sind, mit den mobilen Impfteams, den Impfbussen“ fordert sie.

Ihre besten Beispiele: „Bei uns hat der Karnevalsverein aufgerufen, da stand das Prinzenpaar vorne und hat geworben. Dass im Fußballstadion die Leute nur reingelassen werden, wenn sie geimpft sind, und auch die Fußballer dazu aufrufen. Wir müssen in die Lebenswelten der Menschen gehen!“

Berechtigtste Sorge

Teichert prangert ebenfalls an, „dass das Personal in den Intensivstationen so stark belastet ist“ – gerade jetzt, wo es auf den Winter zugehe.

„Die Leute sind ausgelaugt!“ klagt die Ärztin. „Das betrifft die Pflege, aber auch die Gesundheitsämter. Da sind Menschen, die arbeiten seit anderthalb Jahren am Anschlag. Die sind fertig!“

Und noch mal Zoff

Liefers versteht nicht, warum es keine Impfpflicht gibt, sondern nur „so Winkelzüge, hinten rum.“

Lauterbach hält sofort gegen: „Wenn jemand in eine Bar nicht reingehen kann, weil dort 2G ist“, kontert er, „dann ist das in keiner Weise hintertückisch, sondern wir wollen einfach nicht, dass er die anderen gefährdet.“

Schlimmste Anklage

„Natürlich wissen wir alle, dass eine Impfpflicht nicht durchsetzbar wäre“, behauptet der SPD-Experte danach. Denn: „Es gibt da einen harten Kern, der politisch mobilisiert wird.“

Lauterbachs Vorwurf: „Die AfD und andere rechte Gruppen sagen, die Impfstoffe sind gefährlich, lasst euch eure Freiheit nicht nehmen. Wie in anderen europäischen Ländern ist es auch bei uns so, dass die rechten Kräfte die Impfung nutzen, um sich eine zusätzliche Anhängerschaft zu besorgen.“

Persönlichster Erfolg

Die Ärztin findet die ganze Diskussion falsch gepolt: „Ich bestrafe nicht die Ungeimpften“, meint sie zu Lockerungen etwa mit 2G, „im Gegenteil: Ich belohne die, die geimpft sind!“

„Ich bin auch Impfarzt“, weiß Lauterbach zu berichten. „Ich habe viele Leute geimpft, die waren eigentlich gar nicht interessiert, sich impfen zu lassen. Sondern die sind, ehrlich gesagt, zur Impfung gekommen, weil ICH geimpft habe.“

„Die wollten Sie mal kennenlernen“, kommentiert Illner. Heiterkeit in der Runde!

Aberwitzigste Beobachtung

„Wie kommen wir jetzt in die wirkliche Normalität zurück?“ fragt Stöhr. „Die Verhältnismäßigkeit ist ja schon verlorengegangen. Wir sehen Frauen auf dem Fahrrad, dahinter die Tochter, ohne Helm, aber mit Maske!

Seine Kritik: „Die Geschichte, wir müssen die Kinder unter zwölf Jahren impfen, damit die Pandemie zu Ende geht, ist eigentlich nicht mehr zu halten. Es gibt genügend Studien, die das widerlegen.“

Letztes Gefecht

Lauterbach stützt sich auf eine aktuelle Telefonumfrage aus Israel: „Ein Prozent der Kinder war mit Corona im Krankenhaus, und nach einem halben Jahr hatten zwei bis elf Prozent noch Beschwerden.“

Stöhr verpasst ihn eine akademische Backpfeife: „Die Studien, die Sie zitieren, stehen an der untersten Stufe der Evidenz“, lästert der Virologe.

„International werden die Erkrankungen der Kinder sehr ernst genommen!“ wehrt sich Lauterbach. „Ich kenne keinen Wissenschaftler, der garantieren würde, dass die Kinder, die Covid gehabt haben, nicht in fünf Jahren noch Beschwerden haben.“

Doch von dieser Art der Beweisführung lässt sich Stöhr nicht einschüchtern: „Es kann niemand sagen, wenn wir hier rausgehen, dass uns nicht ein Ziegelstein auf dem Kopf fällt.“ Echt jetzt?

Klügste Zusammenfassung

„Ich versuche permanent, klüger zu werden“, berichtet Liefers. „Aber wenn wir sagen: Jeder Kranke ist einer zu viel – Wow! Wenn man sich auf so einen Standpunkt stellt, das ist verrückt!“

Sein Schlusswort: „Ich wünsche mir, dass wir am Ende dieses Jahres von unseren Bäumen runterkommen und abrüsten, was Adjektive, was Sprache angeht. Dass wir wieder zurückfinden zu einer Form, miteinander verschiedene, konträre und zum Teil auch abstruse Meinungen zu verhandeln.“ Amen!

Fazit

Gut angerührter Mix aus Info und Emotion, aber dann jede Menge Meinungsbeton, die Experten beharkten sich bis zur letzten Patrone und die Talkmasterin verklemmte sich in viel zu komplizierte Fragen: Das war ein Talk der Kategorie „Überdruck“.

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