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Corona-Talk bei Maischberger: Virologe Streeck erwartet trotz Pandemie nicht mehr Tote als letztes Jahr

„maischberger. die woche“. ARD, Mittwoch, 26.August 2020, 22.45 Uhr. 

Der renommierte Virologe Prof. Hendrik Streck hat in der ARD-Talkshow „maischberger. die woche“ am Mittwoch die Erwartung geäußert, das die Mortalität der deutschen Bevölkerung sich im Jahr 2020 trotz der Pandemie nicht wesentlich erhöhen werde.

Wörtlich sagte der Wissenschaftler: „Im Moment sieht es so aus, als ob wir immer noch nicht mehr Todesfälle haben als im Jahr davor.

Putins größter Gegner liegt vergiftet in Berlin, die Medien schimpfen aber lieber auf Trump, und Corona ist wieder voll da. Das ist der Stoff, aus dem Maischbergers Talkshowträume sind. Die Gäste:

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder baut immer wieder Abwehrriegel gegen das Corona-Virus auf.

Streeck rät: „Es ist wichtig, dass wir vor den Infektionszahlen selber keine Angst haben!“

Die „WELT“-Chefredakteurin Dagmar Rosenfeld weiß: „Die Inszenierung ist Teil des politischen Geschäfts!“

Die ARD-Moderatorin Pinar Atalay („Tagesthemen“) liefert immer viele Infos. Durfte sie heute auch mal Meinung?

Der „Spiegel“-Kolumnist Markus Feldenkirchen wollte Trump schon mehrmals das politische Totenglöcklein läuten. Fünf Profis mit Ahnung und Haltung!

Routiniertes Vorspiel

Wie fast immer fragte Talkmasterin Sandra Maischberger zum Aufwärmen erst mal nach dem Verlierer der Woche. Für Feldenkirchen war es Putin, wegen seines größten Kritikers Alexei Anatoljewitsch Nawalny: „Entweder hat der Kreml tatsächlich mit dem Versuch, einen Oppositionellen auszuschalten, zu tun. Wenn es aber ein anderer war, hat Putin seinem Volk ein Sicherheitsversprechen gegeben, und dem ist er nicht nachgekommen!“

Sportlichste Analysen

Für Atalay waren die Belorussen die Gewinner: „Putin sieht, welche Macht Menschen haben können in einer Demokratie. Da kann es einem schon mal mulmig werden!“

Die „WELT“-Chefin hob Söder aufs Podest, „aber das hat er nicht sich selber, sondern Bayern München zu verdanken.“ Denn: „Fußball ist ja immer auch politisch, und Söder hat den Meister an der Seite, Armin Laschet nur den BVB.“ Meep meep!

Gelungenste Kombination

Der Ministerpräsident fand sofort ins Spiel. Zu der Corona-Panne in Bayern sagte er: „Wir haben fast 300.000 Tests gemacht. Klar sind da Fehler passiert, aber wir haben es gemacht! Und nichts zu machen ist manchmal der größere Fehler.“

Dazu servierte Söder ein griffiges Beispiel: „Wenn hier in der Sendung ein Scheinwerfer ausfällt und wir sitzen im Dunkeln, dann ärgern Sie sich darüber, aber dann würde keiner sagen, Mensch, die Frau Maischberger hat jetzt bewusst dieses Kabel rausgezogen!“

Bissigste Antwort

Die Talkmasterin wollte ihn trotzdem abgrätschen: „Die Art, wie Sie auftreten als der brutalstmögliche Krisenmanager, da ist natürlich die Häme danach brutalstmöglich groß, weil man denkt, da muss er vorher nicht so breitbeinig stehen!“

Doch Söder hatte die dicken Schienbeinschützer mitgenommen: „Ich habe viele in der Politik entdeckt, die ich eigentlich lange nicht mehr wahrgenommen habe, die genau wussten, wie‘s gegangen ist“, spottete er und schob ein zackiges „Schwamm drüber!“ nach.

Kniffligste Frage

Maischberger gab nicht auf und zielte auf ein populäres Eigenlob der Bayern: „Was haben Sie aus dieser Panne gelernt in Bezug auf ‚Laptop und Lederhose‘?“

„Die Corona-App ist einen gute Idee, die Wirkung aber gedämpft, weil wir gar nicht auf dem Level sind, wie wir glauben“, antwortete der Ministerpräsident. „Bei der Digitalisierung haben wir generell in Deutschland schweren Nachholbedarf!

Klügster Entlastungsangriff

Danach schaltete Söder auf Offensive um: „Wir ersetzen die Tests durch eine Quarantäne-Regelung, die nicht funktioniert!“ schimpfte er über die neueste Ansage des Bundesgesundheitsministers.

Vorwurf des Bayern: „Im Moment führt sie dazu, jedenfalls sieht es so auch, dass jemand zwei Wochen zu Hause bleiben muss, und der Steuerzahler muss das bezahlen!“

„Ich hoffe, dass wir bei der Ministerpräsidentenkonferenz morgen ein bisschen Licht ins Dunkel bringen“, fügte Söder hinzu. Hm – da geht es wohl eher ums Heimleuchten!

Schärfste Kritik

„Es ist unbestritten, dass der Urlaub das Risiko erhöht hat, dass insbesondere der Leichtsinn zu Veränderungen führt“, stellte Söder fest und feuerte gleich noch eine Spitze in Richtung Berlin ab: „Das Motto ‚rein in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln‘, und das innerhalb von zwei Wochen, das ist das Problem!“

Denn, so Söder: „Wenn Sie eine Quarantäne-Regelung haben, die bisher sehr schwer umsetzbar ist, dann muss man zumindest so lange, bis eine sinnvolle und nachvollziehbare Quarantäne-Regelung in der Umsetzung greift, am dem (Test)Konzept festhalten. Denn sonst gehen wir in die Gefahr sehr hoher Infektionen.“ Rumms!

Elegantester Rempler

Als die Talkmasterin ihm Bayerns hohe Corona-Zahlen vorrechnete, reagierte der Ministerpräsident allerdings etwas unwirsch: „Ihre Fragestellung wirkt sehr detailorientiert, weil sie eine bewusste Richtung prägen wollen“, beschwerte er sich.

Maischberger lächelt maliziös. Sehr detailorientiert! Als Vorwurf erinnerte das ein bisschen an die berühmten „alternativen Fakten“.

Selbstbewusstestes Statement

Die Szenen vom Besuch der Kanzlerin auf Herrenchiemsee stimmten Söder dann aber gleich wieder versöhnlich: „Wenn zum ersten Mal in der Geschichte eine Kanzlerin in einem bayerischen Kabinett zu Gast ist, dann packt man doch das ordentliche Geschirr aus und geht nicht ins Hinterzimmer“, sagte er.

Die Runde grinste. Mia san mia!

Coolster Konter

Maischberger wollte Söder mit einem Schröder-Zitat aus der Reserve locken: Der Altbundeskanzler hatte gemeint, der Bayer traue sich nicht, zu sagen, dass er Bundeskanzler werden will.

„Erwischt?“ fragte die Talkmasterin hoffnungsvoll.

Weit gefehlt! „Toll, wenn Gerhard Schröder noch mal Hilfestellung gibt“, höhnte Söder. „Er war auch in der anderen Debatte, die wir vorhin geführt haben, über Putin, ein wichtiger Ratgeber!“

Klarste Absage

Über seine Ambitionen sagte Söder: „Man ist als bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender normalerweise ausbefördert. Und ich glaube, es könnte einen Grund geben, warum es noch nie einen CSU-Kanzler gab!

Bewegendste Erinnerung

„Mein Vater war Maurermeister“, berichtete der Ministerpräsident danach, „und er sagte damals: Bub, du hast zwei linke Hände, aber ein großes Mundwerk. Du kannst nur Pfarrer oder Politiker werden!“

„Der schlimme Moment war, dass meine Mutter sehr früh gestorben ist, 1994, drei Wochen vor meiner ersten Kandidatur für den Landtag“, erzählte Söder weiter.  „Mein Vater war immer sehr skeptisch, ob Politik wirklich was Anständiges ist…“

Vorsichtigste Stellungnahme

Über Trump sagte Söder zum Schluss: „Ich will diplomatisch sein: Ich glaube, der Wechsel in der Demokratie ist eine gute Sache. Außer in Bayern. Aber sonst wäre es eine richtig gute Idee, das in den USA mal wieder zu machen.“

Härteste Vorwürfe

Die Journalisten gingen mit dem US-Präsidentenwesentlich härter ins Gericht. Atalay fand es „erschreckend, dass er das ganze System in Frage stellt.“

Feldenkirchen sagte passend zu einer Titelgeschichte seines Magazins, Trump bereite sich mit seiner Warnung vor Wahlbetrug darauf vor, auch nach einer Niederlage im Amt zu bleiben, vor Gericht zu kämpfen, vielleicht sogar seine aufgeputschten Anhänger zu Protesten auf die Straße zu bringen.

Rosenfeld hielt den Ball flach: „Es gibt in den USA für alles Mögliche Szenarien. Das US-Militär hat sogar ein Szenarium für die Zombie-Apokalypse!“

Ehrlichste Prognose

Danach warnte Streeck vor neuen Corona-Infektionen im Herbst: „Es kann gut sein, dass das um das Zehnfache hochgehen wird, pro Tag!“

Talkmasterin Sandra Maischberger wollte es nicht glauben: „Von 2000 auf 20.000?“

„Genau“, antwortete der Virologe ungerührt. „Das hört sich jetzt erst mal an wie eine Apokalypse. Aber zurzeit haben die meisten, wie wir diagnostizieren, keine Symptome.“

Wichtigste Empfehlung

Denn, so der Virologe: „Wir dürfen es nicht überdramatisieren. Das wichtigste ist, dass wir die schützen, die vielleicht einen schweren Verlauf haben können. Unser Wissen ist immer ein Wissen auf Zeit.“

Sein Vorschlag: „Wir müssen einen Weg finden, wie wir das Virus in unseren Alltag, in unser Leben integrieren. Und ein erster Schritt dabei ist, sich nicht auf die Infektionszahlen zu konzentrieren.“

Vernünftigste Idee

Man könnte eine Ampel haben, die bei 10.000 Intensivpatienten auf Gelb springt, und bei 20.000 auf Rot, und danach auf Maßnahmen ausrichten“, schlug Streeck vor. Denn: „Wir werden das Virus auch nächstes Jahr im Frühjahr haben, und wir werden es auch nächstes Jahr im Sommer haben. Auch wenn ein Impfstoff bis dahin gefunden ist, haben wir ja die Impfdosen noch nicht.“

Seine Sorge: „Wir haben gelernt, dass das Corona-Virus vier bis fünf Mal gefährlicher ist als die saisonale Grippe.

Fazit: Kluge Köpfe, objektive Fakten, gediegene Formen, wenig Fouls und keine Eigentore. Das war ein Talk der Kategorie „Fairnesspokal“.

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