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Corona-Talk bei Maischberger: Laschet kündigt „riesigen Rettungsschirm“ an

„maischberger. die woche“. ARD, Mittwoch, 18.März 2020, 23.20 Uhr.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat in der ARD-Talkshow „maischberger. die woche“ am Mittwoch umfangreiche Hilfsmaßnahmen für von Corona betroffene Wirtschaftsunternehmen angekündigt.

Wörtlich versprach der Regierungschef: „Bund und Länder werden einen riesigen Rettungsschirm aufspannen, größer noch als bei der Weltfinanzkrise!

Düsterste Aussicht

Denn, so Laschet: „Irgendwann könnte es eine Massenarbeitslosigkeit geben. Das ist extrem bedrohlich!“ Einziges Gegenmittel sei schnelle Hilfe mit Krediten, aber auch mit anderen finanziellen Hilfen insbesondere auch für die Millionen Kleinunternehmer und Solo-Selbständigen.

Corona schleicht wie ein Raubtier durchs Land, die Kanzlerin kämpft im Fernsehen um Vertrauen, aber immer mehr Menschen auch denken bei „Virus“ an „Wir“. In diesem Ausnahmezustand schickte Sandra Maischberger jetzt die erste Garde in eine Info-Offensive:

Armin Laschet punktet jetzt als kluger Krisenmanager.

Der Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (SPD) ist als Epidemiologe voll im Stoff.

Die Infektiologin Prof. Susanne Herold. hat sich auf Lungenkrankheiten spezialisiert.

Uwe Janssens, Chefarzt einer Intensivstation in NRW, spricht zugleich für die deutschen Notfallmediziner.

Die Ärztin Ute Teichert vertritt die deutschen Gesundheitsämter.

Der Journalist Markus Gürne („Plusminus“) leitet die ARD-Börsenredaktion.

Fachleute an die Front! Die Parteipolitik hat weiter Pause.

Alarmierendste Zahlen

Das Robert-Koch-Institut meldet 10.000 Infizierte. Epidemiologe Lauterbach vermutet jedoch eine hohe Dunkelziffer. „Wahrscheinlich haben wir bereits sieben bis zehn Mal so viele“, fürchtete er. Bis zum Wochenende könnten es 20.000 offizielle und 100.000 wirkliche Infizierte sein!

Ernstester Aspekt

„Die Sterblichkeitsrate sei schwierig zu messen, meinte Infektiologin Herold, denn viele Länder würden sehr unterschiedlich testen.

In Italien liege die Moralität weit über 4 Prozent, aber, so die Expertin: „Wir gehen davon aus, dass sie bei uns deutlich niedriger sein wird, weil wir viel mehr Intensivkapazität haben.“

In Zahlen: Deutschland hat pro 100.000 Einwohner 36 Intensivbetten, Italien nur knapp neun.

Optimistischste Prognose

„Ab 80.000 Fälle wird es systemrelevant“, stellte Chefarzt Janssens nüchtern fest. „Dann könnten wir sehr stark unter Druck geraten!“

Aber: „Wir sind Weltmeister bei den Intensivbetten“, beruhigte der Mediziner. „Deshalb glaube ich, dass wir auch das im Griff haben.“

Glaubwürdigstes Bekenntnis

Es war ein Fehler, zu sagen: Bei jungen Menschen läuft Corona wie eine Erkältung ab“, gab Lauterbach unumwunden zu. „Ich habe die schnelle Anflutung der Fälle nicht gesehen!“

Inzwischen zeige sich, dass der Virus alle Altersgruppen angreife, und dass es auch bei gutem Verlauf lange dauern könne, bis die Erkrankung komplett ausheilt.

Deutlichste Warnung

Schlussfolgerung des Gesundheitspolitikers: „Wenn ich nach diesen neuen Studien nicht umdisponiere, bin ich mein Geld nicht wert!“

Jetzt sagte Lauterbach klipp und klar: „Ohne weitere einschneidende Maßnahmen werden wir das nicht hinbekommen!“ Denn: „In der Bevölkerung wurde der Gong noch nicht gehört!“

Erschütterndster Lagebericht

Mich erreichen sehr viele Hilferufe von Kollegen, die sagen: Wir schaffen es nicht mehr“, berichtete Ärztin Teichert aus den Gesundheitsämtern.

Das gelte vor allem für die Abklärung von Infektionsketten: „Eine infizierte Person kann leicht mehrere hundert Kontaktpersonen haben“, schilderte die Expertin. Das sei von den Ämtern nicht mehr zu leisten.

Ihr Vorschlag: Umswitchen. Heißt: Infektionsketten nicht mehr von allen positiv Getesteten, sondern nur noch von Erkrankten nachverfolgen.

Vernünftigster Vorschlag

Der Chefarzt riet ringend dazu, alle nicht lebensnotwendigen Operationen bis auf weiteres zu verschieben und die freigewordenen Kapazitäten auf den Kampf gegen Corona vorzubereiten.

So könne man die Zahl der Intensivbetten drastisch erhöhen, etwa 10.000 weitere Beatmungsgeräte einsetzen und das gut ausgebildete OP-Personal sofort auf andere Stationen umswitchen.

Drastischster Vergleich

Aktuelles Problem, so der Chefarzt, seien die fehlenden Schutzmasken. „Ohne sie können wir den Patienten nicht helfen“, erklärte er.

Denn, so Janssens: „Ohne Schutz zu den Infizierten zu gehen können wir unserem Pflegepersonal nicht zumuten. Das wäre, als müssten Feuerwehrleute ohne Atemschutzgerät in ein brennendes Haus rennen!“

Schwierigste Frage

Wann kommt die Ausgangssperre, wie sie unsere Nachbarländer jetzt schon haben? wollte Maischberger wissen.

„Die Zahlen werden in den nächsten acht Tagen weiter ansteigen“, sagte Laschet voraus, „denn unsere Maßnahmen wirken erst nach ein bis zwei Wochen. Und wir wollen erst die Wirkung feststellen.“

„Man muss von Tag zu Tag gucken“, assistierte die Infektiologin. „Eine Ausgangssperre ist eine gravierende Entscheidung, und sie hat auch Sekundäreffekte!

Überraschendstes Lob

„Die Turbulenzen werden weitergehen“, sagte ARD-Experte Gürne über die Börse. Die mit einem Begriff aus der Waffentechnik angekündigten Gegenmaßnahmen des Finanzministers kommentierte der Journalist fachgerecht: „Wir müssen aufpassen, dass die Bazooka keine Ladehemmung hat!“

„Trump hat nicht immer geglänzt, aber hier macht er es richtig“ erklärte der ARD-Mann dann zur allgemeinen Überraschung. „1,2 Billionen Dollar Helikoptergeld. Jeder Amerikaner kriegt einen Scheck. Das ist die Ultima ratio!“

Dringlichste Warnung

Die Unternehmen müssen flüssig bleiben!“ warnte Gürne. „Da zählt jeder Tag!“

Wir müssen die Unternehmen und die Selbständigen über die erste Phase retten“, stimmte Laschet zu. „Und das muss so unkompliziert sein, dass die Anträge innerhalb weniger Tage bearbeitet werden!“

Hoffnungsvollste Vorhersage

Gürne glaubt, dass drei Monate reichen würden, um die Wirtschaft aus der Krise zu führen: „Deutschland hat die Finanzkraft, das zu stemmen!

„In der größten Krise muss man auch die größten Instrumente haben“, fasste Laschet zusammen. Seine Kritik: „Das ist eine europäische Krise, und ich hätte mir eine europäische Antwort gewünscht!“

Fazit: Kluge Köpfe, wichtige Infos, überzeugende Argumente und keinerlei Reibungsverlust durch Parteienzoff oder Profilneurosen: Das war ein Talk der Kategorie „Punktlandung“.

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