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Corona-Talk bei Illner: Scholz kündigt massive Finanzhilfen des Bundes für die Wirtschaft an

„Maybrit Illner: „Erhöhte Ansteckungsgefahr – Gesundheit schützen, Jobs riskieren?“ ZDF, Donnerstag, 12.März 2020, 22.30 Uhr.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ am Donnerstag massive Finanzhilfen des Bundes für von Corona betroffene Unternehmen angekündigt.

Wörtlich sagte der SPD-Politiker, der auch Vizekanzler ist: „Wir haben für die Kliniken und Universitäten eine Milliarde zusätzlich bereitgestellt, außerdem weitere Mittel für die Forschung, und wir können auch noch mehr Mittel bereitstellen!“

Zunächst gehe es um mehr und schnellere Möglichkeiten, an Kurzarbeitergeld zu kommen. „Morgen beschließt der Bundestag in drei Lesungen das ganze Gesetz“, kündigte der Minister dazu an. „Das ist eine große Leistung des Parlamentarismus!

Deutschland macht dicht, der DAX stürzt ab, Corona-Panik lähmt das Leben. Maybrit Illner trommelte eine hochkarätige Runde zusammen:

  • Scholz will die kranke Wirtschaft mit Milliardenspritzen kurieren.
  • Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) und einst Merkel-Vertraute im Kanzleramt, sagte: „Ganz Deutschland unter Quarantäne zu stellen ist illusorisch!“
  • Christian Drosten, Chef-Virologe der Charité warnt: „Kinder sollten ab jetzt bis September oder Oktober nicht mehr zur Betreuung zu Oma und Opa!“
  • Die ZDF-Börsen- und Finanzexpertin Valerie Haller schlug Aktien-Alarm: „“Anleger ergreifen die Flucht!“
  • Die Chefredakteurin Dr. Svenja Flaßpöhler („Philosophie Magazin“) machte klar: „Wir haben keine andere Chance, als den Experten zu vertrauen!“

Eine Runde voller Hochkaräter. Aber haben auch wirklich alle den Schuss gehört?

Der Virologe sollte das erste Wort haben. In Italien schon über 1000 Tote, bei uns erst sechs? fragte ihn die Talkmasterin.

Zuerst ein Quantum Trost

Auch bei uns werden die Fallzahlen mit Verstorbenen nachziehen“, antwortete Drosten bedrückt. „Aber wir haben ein gutes Zeitfenster, um mit kühlem Blick und nicht mit Hektik das Nötige zu machen!“

Vor übertriebenem Aktionismus wie etwa verfrühten  Schulschließungen warnte der Experte mit Nachdruck: „Wir verlieren auch dann Menschen, wenn Ärzte und Krankenschwestern zu Hause bleiben müssen, weil sie Kinder haben!“

Die Auto-Präsidentin sorgte sich auch etwa um die Lieferketten aus Norditalien, wenn der Brenner gesperrt bleibe.

Interessanteste Perspektiven

Die Philosophin sah sogar „in gewisser Weise eine Chance zur Entschleunigung“. Das fiel dann wohl in die Abteilung „Nervensache“…

Scholz hob einen sozialen Aspekt hervor: „Es ist wichtig, bei dieser Gelegenheit auch daran zu denken, dass Ärzte und Krankenschwestern ordentlich bezahlt werden müssen!“

Realistischste Prognose

Es wird massive Bremsspuren geben“, kündigte Auto-Müller an. Das betreffe Unternehmensgewinne, aber auch Arbeitsplätze.

Die Philosophin dagegen sah auch darin etwas Positives: „Wir haben endlich wieder einen gemeinsamen Feind“, meinte sie. „Das Virus ist gut für unsere Solidarität!“

Ehrlichstes Geständnis

Vor zwei Wochen saß Virologe Drosten zum ersten Mal in Illners Sendung. „Damals haben Sie die Hoffnung geäußert, dass uns der Sommer helfen könnte“, erinnerte ihn die Talkmasterin. Das sei jetzt aber wohl doch nicht so?

„Es gibt immer Neuigkeiten bei so einem schnellen Geschehen“, gab der Experte umstandslos zu. Ein solches Update habe ihn veranlasst, seine Einschätzung zu revidieren.

Schlechteste Nachricht

Anhand von Vergleichen mit anderen Viren kann man in Modellrechnungen sagen, dass diese Viren wahrscheinlich weniger empfindlich für solche Temperatur- oder Frühlingseffekte sind“, sagte Drosten nun.

Dann aber, so der Professor weiter, „muss man einfach auch mal nachkorrigieren. Wir haben immer und besonders in dieser Situation eine ständig mitschwingende Unsicherheit.“ Mit der erhofften Besserung durch sommerliche Wärme wird’s also nichts.

Dramatischste Feststellung

„Es wird den politisch Verantwortlichen niemand abnehmen, dass sie in unsicheren Situationen trotzdem Entscheidungen treffen müssen“, sagte Scholz dazu.

Und dann wurde der Finanzminister für seine Verhältnisse ungewöhnlich dramatisch: „Das ist unsere Aufgabe! Und das ist immer unsere Aufgabe!“ rief er. „Hier ist sie nur besonders wichtig, weil es um Leben und Tod geht, für uns alle! Und deshalb müssen wir es besonders gut machen!“

Seine Erkenntnis aus der Krise: „Solidarität wird wieder neu wichtig!“

Wichtigste Pläne

„Wenn man Zeit gewinnt, kann man verschieden Dinge umorganisieren“, erklärte der Virologe und meint Räume, Geräte, Personal.

Klarste Ansagen

„Dieses Virus wird uns noch lange beschäftigen“, sagte die Auto-Präsidentin voraus. „Die Fixkosten fressen gerade die kleinen Unternehmen auf!“

Ich erwarte keine große Pleitewelle“, schwächte die ZDF-Börsenexpertin ab, „aber mindestens im ersten Halbjahr eine Rezession!“

Gruseligste Rechnung

„Dieses Virus könnte sich langsamer verbreiten als das Grippe-Virus“, meinte Drosten mit vorsichtigem Optimismus. „Wir könnten Zeit bis nach dem Sommer gewinnen!“

Die Talkmasterin nannte allerdings „unglaubliche Zahlen“: „Jeden sechsten wird es schwer treffen!“ fürchtete sie.

Doch der Virologe konnte beruhigen: So hoch wie in Wuhan – drei bis vier Prozent der Infizierten – würden die Zahlen der ernsthaften Erkrankungen bei uns nicht liegen.

Worst Case Scenario

Aber, und das rechnete Drosten ganz genau vor: „Wenn man jetzt projizieren würde, dass eine große Fallhäufung in drei Monaten stattfände – sowas würde man in Influenzafällen erwarten- und wir nur mit zwei Prozent Intensivstationsaufenthalten rechnen, dann hätten wir trotzdem ein Problem mit unserer Intensivkapazität.

Seine Hoffnung: „Es kann aber genauso gut sein, dass diese drei Monate sich auf sechs oder neun Monate ausdehnen. Und dann ist es zu verkraften!“

Dann gab es plötzlich doch noch Zoff

„Es ist natürlich aus ökologischer Perspektive wunderbar, dass die Leute nicht fliegen“, freute sich die Philosophin. „Dass wir gerade unser Verhalten so radikal ändern und nicht mehr so mobil sind wie sonst!“

Das passte der Auto-Präsidentin aber gar nicht ins Konzept: „Ich warne davor, solche vermeintlich positiven Botschaften jetzt zu senden“, funkte sie dazwischen.

Energischster Rüffel

Denn: „Die Folgen, die aus Arbeitslosigkeit entstehen, können dramatisch sein!“ mahnte die Auto-Präsidentin. „Ich muss Sie bitten, an dieser Stelle vorsichtig zu sein!“

Aufschlussreichster Wortwechsel

„Wir haben auch eine Verantwortung, die in die Zukunft hineinreicht!“ beharrte die Philosophin. „Und selbstverständlich müssen wir die Wachstums- und Steigerungslogik hinterfragen!“ Wie sonst sei der Klimakollaps zu verhindern?

Doch die Präsidentin hatte die passende Antwort parat: „Ich bin der festen Überzeugung, dass eine Weltbevölkerung, die auf zehn Milliarden Menschen hingeht, eher Fortschrittswachstum braucht, eher Innovation, als zu glauben, dass wir mit einfachen Beschränkungen klarkommen!“

Rumms! Der Gegensatz zwischen Ökonomie und Ökologie bleibt also auch in Zeiten des Corona-Virus virulent…

Fazit: Ehrliche Ansagen mit klaren Fakten, kluge Diagnosen und nur schwach entwickelten Profilneurosen: Das war ein Talk der Kategorie „Schulterschluss“.

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