Teletäglich

Corona-Talk bei Illner: Lauterbach prangert die verheerende Impfstoff-Politik der EU an

„Maybrit Illner:  Langsames Impfen, schnelles Virus – droht der lange Winter-Shutdown?“ ZDF, Donnerstag, 14.Januar 2021, 22.15 Uhr.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Prof. Karl Lauterbach hat in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ am Donnerstag das Vorgehen der EU-Kommission bei der Bestellung von Impfstoffen gegen das Corona-Virus heftig kritisiert.

Wörtlich sagte Lauterbach: „Wahrscheinlich könnten wir mehr Impfstoff haben. Nachträglich betrachtet, und das meine ich jetzt als eine Manöverkritik: Die Einkaufstrategie der EU war nicht gut!“

Sein Tadel: „Man hat für zu wenig Geld zu spät gekauft. Somit hatten die Firmen nicht die Sicherheit, große Produktionskapazitäten aufzubauen.“

Anders die Vereinigten Staaten: „Die Amerikaner haben im Prinzip gesagt: Die Impfungen sind im Vergleich zur Pandemie gratis“, stellte der Politiker fest. „Denn die Kosten der Pandemie sind so hoch, dass die Impfungen finanziell überhauptkeine Rolle spielen.“

Deutschland seit Wochen eingelockt, Infektionen trotzdem immer schlimmer! Jetzt schlug auch Maybrit Illner Alarm. Die Gäste:

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rudert zurzeit mit einer Info-Offensive durch alle Kanäle.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat immer auch die Wirtschaft im Blick.

Lauterbach wird als „lebende Warn-App“ verspottet, aber das kann er app!

Die Allgemeinmedizinerin Prof. Eva Hummers aus der Ständigen Impfkommission (Stiko) kennt die Risiken der rettenden Nadelstiche.

Der Arzt und Showmaster Eckart von Hirschhausen machte für einen neuen Impfstoff das Versuchskaninchen, möchte aber nicht als solches bezeichnet werden.

Die Journalistin Claudia Kade (WELT) twitterte kompromisslos: „Die Vorschriften zur Priorisierung der Corona-Impfungen sind rechtswidrig und damit nichtig!“

Infolieferdienstler, Meinungsmacher und Gewohnheitstalker im typischen Corona-Modus: Vier am Tisch, drei auf dem Schirm.

„Wenn die Anzahl der Infektionen zu hoch ist, schaffen es die Krankenhäuser nicht mehr“, warnte Kretschmer. „Deswegen haben wir für Sachsen einen sehr harten Lockdown vorgegeben, der jetzt auch wirkt.“

Energischste Ansage

„Wir werden nächste Woche mit den Ministerpräsidenten und der Bundesregierung sprechen, was wir insgesamt in Deutschland noch tun können“, kündigte der Ministerpräsident an.

Kretschmers Vorschläge: „Kindergärten komplett runterfahren. Schulen schließen. Ein wirkliches Betretungsverbot in den Pflegeheimen, wenn kein negativer Schnelltest vorliegt. Im ÖPNV dürfen nicht so viele Leute mitfahren…“ Puh!

Beunruhigendste Erkenntnis

„Das ist fast so, als wenn da eine neue Pandemie starten würde“, sorgte sich Lauterbach über die ersten Mutationen des Virus.

Denn, so der Gesundheitspolitiker: „Wenn sich bestätigt, dass die Ansteckung 40 bis 60 Prozent höher ist, dann würde das bedeuten, dass die Lockdown-Maßnahmen, die wir im letzten Jahr erfolgreich praktiziert haben, und die wir jetzt so lala praktizieren, allesamt zu schwach wären!“

Gefährlichste Konsequenzen

„Obwohl das Virus nicht tödlicher ist, würden sehr viel mehr Menschen sterben“, sagte der Experte voraus. „Und ich bräuchte dann auch einen viel höheren Prozentsatz Geimpfter oder bereits Erkrankter, um die Herdenimmunität zu erreichen. Wahrscheinlich 80-85  Prozent.“

Noch schlimmer: „Dann würden uns auch die Impfungen nicht mehr helfen“, erklärte Lauterbach. „Denn das liefe ohne Lockdown so schnell durch Deutschland durch, dass wir unmöglich, selbst wenn wir genug Impfstoff hätten, so schnell impfen könnten, wie man sich infiziert.“

Unwillkommenste Fröhlichkeit

Von Hirschhausen erzählte aus der Familie: Onkel und Tante in den USA seien bereits geimpft, aber „meine Eltern warten noch auf den Impftermin, obwohl sie alle Kriterien für Risikopatienten erfüllen.“

Seine Reaktion: „Da dachte ich schon, es ist absurd, dass ein Impfstoff aus Deutschland schneller in den USA ist als in der Hauptstadt! Aber wir haben es mit Humor genommen…“

Der Gesundheitsminister konnte darüber überhaupt nicht lachen. Er guckte streng von seinem Monitor und wartet erkennbar genervt darauf, endlich eingreifen zu dürfen.

Interessanteste Lageberichte

Doch erst einmal kam Prof. Hummers an der Reihe. Ihre Kritik fiel deutlich milder aus: „Es wäre natürlich wünschenswert, dass das schneller geht“, sagte sie über den Nachschub etwa für Göttingen, „wenn man einfach viel schneller größere Teile der Bevölkerung hier impfen kann!“

„Die Mutationen aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien werden jetzt als vollkommen neue Dimension im Pandemieverlauf eingeschätzt“, berichtete WELT-Journalistin Kade aus dem politischen Berlin. „Verschärfungen sind durchaus im Gespräch!“

Ihre Beschwerde:  „Wir können zum Wintersport nach Kanada fahren, aber nicht in den Nachbarlandkreis.“ Claudia Kade

Ausführlichster Rechenschaftsbericht

Dann öffnete sich endlich der Slot für Spahn, und der Minister teilte gleich mal Beruhigungspillen aus: Einreiseregelwerk für Großbritannien und Südafrika bereits überarbeitet! Mehr Genom sequenzieren, um zu sehen, was von den Mutationen schon in Deutschland ist! Labore melden jetzt alles an das Robert-Koch-Institut!

Doch ob mutiertes Virus oder Ursprungsvirus: „Am Ende müssen wir es ihm möglichst schwer machen“, forderte der Minister. „Im Lockdown geht es darum, auch der Mutation gar nicht erst die Möglichkeit zu geben, sich zu verbreiten.“

Interessantester Standpunkt

Die Strategie des Ministers wurde auch jetzt wieder gleich klar: „Wir haben kein Mengenproblem!“ behauptete Spahn wie schon tags zuvor bei Sandra Maischberger. „Wir haben ausreichend Impfstoff bestellt. Das Thema jetzt ist die Knappheit zu Beginn. Doch die hätte auch keine größere Bestellung verändert. Auch die USA haben eine Knappheit zu Beginn!“

Dann gab es Zoff

Illner holte die Kneifzange raus: „In Großbritannien, Israel, Kanada und USA wird mehr geimpft“, stellt sie fest. „Die haben bis zu fünf Mal mehr Impfdosen bestellt, als sie Bevölkerung haben!“

Ihr Vorwurf: „Sie sehen doch auch, Herr Spahn, dass andere Länder schon 25 Prozent ihrer Bevölkerung geimpft haben und die Deutschen sich über ein Prozent freuen!“

Umstrittenstes Argument

„Die USA haben mehr Optionen, aber die erste feste Bestellung war nicht größer als die der Europäischen Union“, wehrte sich der Minister und wiederholt ein Standardargument der letzte Tage: „Der Unterschied ist, dass die anderen Länder Notzulassungen gemacht haben!“

Deshalb, so Spahn, „haben die schon vor vier Wochen anfangen können, zu impfen. Wir haben uns aber sehr bewusst für eine ordentliche Zulassung entschieden, und ich bin sehr sicher: Das wird sich noch bewähren! Das wird beim Thema Vertrauen noch eine Rolle spielen!“

Und noch mehr Zoff

Illner blieb bockig, Spahns Begründung leuchtet ihr nicht ein: „Ich weiß nicht, für wie viele Menschen, die echt in Sorge sind, diese Unterscheidung zwischen Notzulassung und der EMA-Zulassung am Ende so entscheidend ist!“ murrte sie.

„Das wird diskutiert!“ beharrte Spahn und fügte bissig hinzu: „Vielleicht nicht in dieser Runde…“

„Doch!“ konterte die Talkmasterin. Dieses Duell endete unentschieden.

Schlimmste Erkenntnis

Lauterbach räumte mit einer Illusion auf: „Selbst wenn wir jetzt die Pflegeheime besser schützen: Das wird den jetzt notwendigen verschärften Shutdown nicht überflüssig machen“, erklärte er.

Denn, so der Experte: „Die Menschen, die jetzt auf den Isolierstationen um ihr Leben ringen, kommen meistens gar nicht mehr auf die Intensivstationen, sondern die sterben in den Pflegeeinrichtungen.“

Bedenklichste Info

„Das Durchschnittsalter in den großen Intensivstationen liegt derzeit bei 60 Jahren“, stellte Lauterbach dazu fest. „Dort sind auch sehr viele jüngere Menschen, die Übergewicht haben.“

Seine höchst bedenkliche Begründung: „Übergewicht zeigt sich immer stärker als Risikofaktor für schwerste Verläufe, die oft über Wochen hinweg beatmet werden müssen!“

Dramatischste Warnung

Aktuell gehe es in den Krankenhäusern vor allem um die ersten Nachkriegsjahrgänge, sagte der Gesundheitspolitiker weiter, denn: „Jetzt kämpft man um die große Gruppe der Babyboomer, die Risikofaktoren haben, und das halten wir nicht mehr lange durch! Das sind sehr schwere Fälle!“

Begründetste Sorgen

Von Hirschhausen machte ein neues Fass auf: „In die Beipackzettel wird idiotischer Weise geschrieben, man darf nur fünf Dosen aus der Ampulle nehmen, wobei Praktiker sagen, da kann man auch sechs oder sieben Leute mit impfen!“

Seine Beschwerde: „Das ist Quatsch, dass man da auf 20 bis 30 Prozent des Wirkstoffs verzichtet!“

Überfälligster Vorschlag

Und der Mediziner hatte noch einen anderen Punkt: „Da steht auch, dass Schwangere erst mal nicht geimpft werden sollten. Im Internet hat sich daraus ein Gerücht entwickelt, dass man davon unfruchtbar werden könne, oder zeugungsunfähig!“

Hirschhausens Forderung: „Da fehlt in Deutschland komplett eine Institution, die auf solchen dubiosen Seiten mit Waffengleichheit argumentiert!“

Strengste Medienschelte

„Wir haben ein mediales verzerrendes Element drin, wenn wir jedem, der eine extreme Meinung hat, immer gleich ein Mikrofon vor die Nase halten“, ärgerte sich der TV-Entertainer.

Und: „Ich würde mir auch wünschen, dass man mehr über seine Wortwahl nachdenkt. Was heißt denn ‚Privilegien für Geimpfte‘?“

Ungewöhnlichste Idee

Zuletzt schlug Hirschhausen vor, Senioren sollten unbedingt darauf verzichten, nach der Pandemie sofort eine Kreuzfahrt zu machen.

Seine Begründung: Weil die Jungen jetzt auf vieles verzichten würden, um die Großeltern nicht zu gefährden, sollten Oma und Opa später zugunsten der nächsten Generationen etwas gegen den Klimawandel beitragen.

Aufschlussreichster Dialog

Lauterbach wagte es sogar, die Schließung „vieler Betriebe“ anzudenken: „Wenn es keine Kontakte mehr gibt, dann geht das Virus exponentiell runter“, theoretisierte er zum Schluss. „Wenn wir wirklich hart durchgreifen würden, kämen wir von den Zahlen sehr, sehr schnell runter.“

„Wenn Sie das mal als Gedankenexperiment machen, keiner bewegt sich mehr, dann stimmt das, dann ist das Virus tot“, konterte Kretschmer. „Aber dann ist auch die deutsche Volkswirtschaft tot!“

Fazit: Meinungsstarke Runde mit klaren Standpunkten, aktuellen Infos und intensiver Streitlust um der Sache willen. Die Talkmasterin immer auf Position: Das war ein Talk der Kategorie „Hohe Dosis“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.