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Corona-Runde in Hart aber Fair“: Die Talk-Szene jubelt über Lauterbachs Ernennung

„Hart aber Fair: Corona und kein Ende: Wie groß ist der ganze Schaden?“ ARD, Montag, 6.Dezember 2021, 21 Uhr.

Der neue Gesundheitsminister will mit Impf-Turbo und Teil-Lockdown die vierte Welle brechen, hat aber auch Long Covid im Blick. Frank Plasberg möchte mehr darüber wissen. Seine Gäste:

Andreas Bovenschulte (56, SPD). Der Bremer Bürgermeister stellte „aus gegebenem Anlass“ einen Song von „Fettes Brot“ auf seinen Twitter-Account: „Aufgewacht, hier kommt Lauterbach!“ Die Zeile ist jedenfalls nicht zu toppen…

Prof. Uwe Janssens (61). Der Intensivmediziner schlägt Alarm: Immer mehr schwerste Corona-Fälle!

Eckart von Hirschhausen (54). Der TV-Entertainer zeigte vor dem Talk seine ARD-Doku „Corona ohne Ende“.

Nelson Müller (42). Der Sternekoch und Restaurantbesitzer war Ostern selbst infiziert.

Katharina Hamberger (35). Die Journalistin (Deutschlandradio) warnt vor Nachteilen für Ungeimpfte: „Eine Ungleichbehandlung hat gesellschaftliches Spaltungspotenzial!“

Corona hat seinen Angstgegner bekommen: Karl Lauterbach!“ freut sich der Talkmaster. Heute geht es nicht nur um Intensivpatienten, sondern auch um Erkrankte, die „vom Virus auf die Langstrecke geschickt werden.“ Das Zoff-o-Meter hofft auf eine sachliche Debatte!

Erschreckendste Erkenntnis

„Ohne Schutzausrüstung, ohne alles, wir hatten ja gar nichts gehabt!“, erinnert Prof. Janssens an das hohe Risiko des Pflegepersonals auf den Intensivstationen zu Beginn der Pandemie. „Das war schon ein bisschengespenstisch, mit wenig Mund-Nasenschutz in so ein Zimmer, wo die Viren in den Aerosolen hängen!“

Über die Erkrankten sagt der Mediziner sichtlich bewegt: „Nach einer Intensivtherapie kommen sie fast gar nicht mehr zurück ins Leben. Die sind wirklich für ihr Leben gezeichnet. Für Jahre immobilisiert. Das ist schon ein hartes Krankheitsbild!“

Persönlichstes Beispiel

Der TV-Koch, über Ostern selbst erkrankt,  berichtet von einem Freund auf der Intensivstation: „Wenn man sieht, wie er unter Morphium diese Atemtherapie macht, die schon sehr leidensvoll ist, und dann daran ist, einen Notar zu bemühen, weil er intubiert werden muss und ins Koma geht, dann sieht man erst mal die Dramatik dahinter!“

Peinlichster Versprecher

Die Journalistin fordert „endlich mal vorausschauende Politik“ an: „Vielleicht tut die eine oder andere Wahrheit weh, aber wir müssen trotzdem jetzt vorwärts gehen!“

„Darf ich Sie um eine konkretere Einschätzung bitten?“, fragt der Talkmaster. „Sie hoffen … guter Hoffnung ist die falsche Frage…“

Guter Hoffnung! Der Talkmaster lacht herzlich über seinen Faux-pas, doch die anderen bleiben ernst. „Ich denke, dass wir einen Punkt erreicht haben, wo man in den Abgrund schaut“, antwortet die Journalistin betroffen. „Wenn man diese Bilder sieht, wie Patienten verlegt werden, mit Bundeswehrmaschinen…“

Wichtigste Erwartung

„Selbst Karl Lauterbach kann das Virus nicht wegzaubern“, urteilt der Bürgermeister. „Aber er ist trotzdem das Beste, was uns in dieser Pandemie zum jetzigen Zeitpunkt passieren kann.“

„Eine goldrichtige Entscheidung“, lobt Bovenschulte weiter, „weil wir mit Karl Lauterbach jemanden haben, der mit so einer fachlichen Expertise und mit so einem Furor mit der Wissenschaft auf Augenhöhe diskutieren kann, dass das wirklich die Chance bietet, vor die Lage zu kommen und auch strukturelle Fragen anzugehen.“ Hosianna!

Fairstes Statement

„Ich bin sehr froh darüber“, sagt auch Prof.Janssens, der die Personalie während der Visite im TV sah. „Das haben wir jetzt mal dringend gebraucht. Alle haben sich gefreut. Gottseidank! Endlich!“

Aber: „Damit will man nicht Herrn Spahn diskreditieren“, fügt der Mediziner rasch hinzu. „Der hat wirklich einen harten Job gemacht.“

Schwungvollste Lauterbachiaden

„Wir sind halt froh, dass jemand kommt, der auch den Mut hat und ehrlich zu den Leuten spricht“, erklärt Prof.Janssens weiter, „und auch mal auf das Jahr 2022/23 blickt, dass wir noch viel zusammen kämpfen müssen. Wir werden mit SARS-CoV-2 leben müssen!“

„Man hat sich auch mal geärgert, als Restaurantbesitzer“, gibt der Sternekoch zu. „Aber er hat nun mal mit seiner konservativen Art oft Recht behalten. Er ist eine Figur, mit der man sich identifizieren kann und die das einfach auch verbindet: Kompetenz, Gesundheit – also von daher super!“

Angestrengteste Fehlersuche

„Bevor wir alle zu Cheerleadern werden“, spottet der Talkmaster, „Frau Hambacher: Finden Sie was Kritisches?“

Die Journalistin macht sich brav auf die Suche nach dem Haar in der Lauterbach-Suppe, aber außer Geschwurbel kommt dabei nicht viel heraus: „Ich bin gespannt, ob er die Herausforderungen so meistern kann, wie sich viele von ihm erhoffen…“ Uff!

Prägnantester Kommentar

Hirschhausen bleibt kurz und knackig: „Ich habe mich für unsere Demokratie gefreut, dass Kompetenz kein Hindernis ist für eine politische Karriere“, grient er.

Er freue sich aber ebenso über die neue Entwicklungsministerin, denn: „Eine Pandemie ist erst dann vorbei, wenn die Welt geimpft ist!“

Hanseatischstes Selbstlob

„Bremen ist deutscher Meister beim Impfen“, preist Plasberg das Bundesland des Bürgermeister und fährt den nächsten Einspieler ab: 80,6 Prozent der Einwohner an der Weser vollständig geimpft, Impfquote der Erwachsenen sogar 93,2 Prozent. Schlusslicht Sachsen hat nur 67,8 Prozent. Puh!

Zu Begründung zählt Bovenschulte drei Erfolgsfaktoren auf: „Zentral organisierte Impfkampagne mit lokaler Wirtschaft, Hilfsorganisationen und Verwaltung. Impftrucks in den Quartieren mit hoher Infektionsquote. Und: In hanseatisch weltoffenen Gemeinwesen gibt es nicht so eine Abwehrhaltung gegen die Regierung.“ Na denn gute Fahrt!

Berechtigtster Vorwurf

„Wir unterschätzen, wie oft der Mensch soziale Normen aus seinem Umfeld übernimmt“, doziert von Hirschhausen. Bei einer Impfaktion in Duisburg-Marxloh „war das Erfolgsrezept: Das Zelt stand auf dem Parkplatz vor der Moschee, und es wurde einfach jeder geimpft, der in dem Viertel wohnte. Ganze Hausgemeinschaften!“

Sein Vorwurf: „Dass wir, auch bei Youtube, nicht besser dafür gesorgt haben, dass, wenn ein Falschinformationsfilm gerade trendet, wir nicht wirklich schnell etwas dagegensetzen.“

Sein bester Satz: „Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht auf eigene Fakten.“

Politischstes Kompliment

Vertrauen kann man in einer modernen Gesellschaft nicht par ordre du mufti herstellen“, macht Bovenschulte klar, „sondern nur in der gesellschaftlichen Diskussion. Das ist hart, und da stößt man auch an Grenzen.“

Das ist übrigens auch der Grund, warum Karl Lauterbach so gut ist“, weiß der Bürgermeister. „Er dekretiert nicht von oben, sondern begibt sich in die Debatte, und das ist, was wir brauchen. Wir müssen uns von der Vorstellung lösen, dass in einer besseren Welt einfach nur von oben gesagt wird: Das ist richtig.“

Wirksamster Stimmungsaufheller

Plasberg-Assi Brigitte Büscher liest zwei Eintragungen einer Zuschauerin aus dem Gästebuch vor. Um 9.50 Uhr trug sie sauer ein: „Abends mit Corona einschlafen, morgens mit Corona aufwachen – das zerrt seit fast zwei Jahren am Nervenkostüm!“

Um 10.08 Uhr aber schrieb sie schon wieder. Text diesmal: „Die beste Nachricht am heutigen Morgen! Karl Lauterbach wird der neue Gesundheitsminister. Ein Licht am Ende des Tunnels ist in Sicht.“ Heiterkeit in der Runde!

Dialog des Abends

Der letzte Einspieler zeigt ein ARD-Interview mit einer Ehefrau vor einer Impfstelle: „Mein Mann kriegt jetzt Strafe, deswegen steht er Schlange hier.“

Reporter: „Warum wollte er nicht auf Sie hören?“

„Er hat gesagt, nicht nötig. Jetzt seine Auto ist in Werkstatt, fährt er mit U-Bahn und S-Bahn, muss er impfen lassen. Gut! Schön! Mann muss auf Frau hören!“

Präziseste Punktlandung

Über Debattenmuffel spottet Bovenschulte: „Wer jetzt sagt: Ach, jetzt wird schon wieder so lange diskutiert, entweder Ja oder Nein: Wie immer im Leben gibt es für schwierige Probleme eine Lösung, die klar, einfach und falsch ist!“

„Die Frage einer allgemeinen Impfpflicht kann nicht mit Ja oder Nein beantwortet werden“, betont der Bürgermeister zum Schluss. Die Gesetzgeber würden mit dem Thema wohl „im Februar an den Start gehen“, meint er. Seine Erwartung: „Ein machbares Projekt, aber das muss man dann natürlich auch mit Hochdruck angehen.“ Na denn man tau!

Fazit

Bürgermeister und Ärzte hielten wacker Kurs durch die vergossene Milch zwischen „hätte“ und „sollte“. Doch allzu oft gab es statt Antworten nur neue Fragen. Dazu immer wieder Floskeln, Phrasen und Allgemeinplätze: Das war eine Talkshow der Kategorie „Binsenschiffahrt“.

 

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