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Corona-Angst bei Maischberger. Experte Lauterbach: Nach Weihnachten droht die dritte Welle!

„maischberger. die woche“. ARD, Mittwoch, 2.Dezember 2020, 22.59 Uhr.

Der SPD-Gesundheitsexperte Prof.Karl Lauterbach hat in der ARD-Talkshow „maischberger. die woche“ am Mittwoch vor einer neuen Krise des deutschen Gesundheitssystems gewarnt.

Wörtlich sagte der Politiker, Mediziner und Gesundheitsökonom: „Der Wellenbrecher-Shutdown ist nachgeschärft worden, aber er wirkt nach wie vor nicht ausreichend. Wenn die Zahlen hoch bleiben, dann ist tatsächlich eine Gefahr, dass wir nach den Feiertagen direkt in eine dritte Welle gehen!“

England impft einfach drauflos, Österreich macht dicht, Deutschland locked sich bis Januar ein und bei Sandra Maischberger tummeln sich die üblichen Corona-Verdächtigen. Die Gäste:

Bundestagsvize Wolfgang Kubicki (FDP) hält wenig von immer neuen Kanzlerrunden, sondern die Fahne der Demokratie hoch.

Lauterbach ist der Marathon-Mann des deutschen Corona-Talks.

Die Autorin Elke Heidenreich wettert über die Corona-Leugner: „Das sind Idioten!“

Die Kabarettistin Maren Kroymann ruft die  ausgebremsten Kunst-und-Kulturkollegen auf: „Wir müssen lauter werden!“

Der Kolumnist Jan Fleischhauer („Focus“) streitet gern auch gegen öffentlich-rechtliche Meinungsmacher an.

Der ARD-Hauptstadtkorrespondent Oliver Köhr soll im Mai ARD-Chefredakteur werden.

Alles doppelt: Politik, Medien, Kultur und Risikogruppe. Und schon geht‘s los mit Knatsch & Knies! Kabarettistin Kroymann preist einen „Stern“-Titel über Quotenfrauen: „Fand ich eine Super-Aktion!“

Sie selbst sei aber keine Quotenfrau, erklärt sie gleich danach, denn: „Als meine Sendung ‚Nachtschwester Kroymann‘ 1997 von der ARD abgesetzt wurde, hätte ich weiter beschäftigt werden müssen, oder eine andere schlaue Frau hätte meine Sendung gekriegt!“

Das war aber nicht so: „Etwa zehn Jahre lang war keine Frau in einer Kabarettsendung der Öffentlich-Rechtlichen zu sehen!“ schimpfte Kroymann. Das wurmt!

Kühnster Gegenstromschwimmer

„Focus“-Fleischhauer traute sich was: „Was mich ein bisschen wundert, ist der politische Klimbim darum!“ ätzt er über die Frauenquote. Denn da gehe es ja erst einmal nur um Vorstandsposten.

Ich glaube nicht, dass die Gleichberechtigung in Deutschland jetzt dadurch vorangetrieben wird, dass es 300 Millionärinnen mehr gibt“, meckerte der Kolumnist.

Denn, so Fleischhauer ohne Angst vor gerunzelten Frauen-Brauen: „Ich glaube nicht, dass an der Ladenkasse und auf der Pflegestation jetzt der Schrei ertönt: Ja, danke schön, Schwestern, dass ihr die gläserne Decke für uns aufgestoßen habt!“

Überraschendstes Lob

Für ARD-Köhr hieß der Gewinner der Woche Jörg Meuthen, weil der AfD-Chef auf dem Parteitag „eine Generalabrechnung, eine Standpauke an seine Partei gerichtet hat. Das hat in der AfD niemand erwartet!“

Vorsichtigster Kommentar

Wie aufs Stichwort spielte die Talkmasterin die Szene ein, in der Meuthen in den Saal rief: „Wir werden nicht mehr Erfolg erzielen, indem wir immer aggressiver, immer derber, immer enthemmter auftreten!

„Er möchte seine Partei wählbar machen für Menschen, die für extremistische Begrifflichkeiten nicht empfänglich sind“, erläuterte der ARD-Mann höflich verklausuliert. Deutlicher gesagt: Nazi-Spinner raus!

Interessantestes Fernduell

Die Talk-Regie wollte Kubicki und Lauterbach als eine Art „Plisch & Plum“ vorführen, deshalb wurde der FDP-Vize gleich mit einem typischen Verbalrempler zitiert: „Ich halte von Karl Lauterbachs Erklärungen nicht viel. Abgesehen davon ändert er alle zwei Tage seine Meinung.“ Rumms!

Aus dem Mund des SPD-Gesundheitspolitiker wiederum erschien auf dem Bildschirm der Spott-Spruch: „Der Vorteil bei Kubicki ist: Er stellt sich nicht unwissend, er ist unwissend!“ Ächz! Jetzt saßen die beiden nebeneinander und spielen Talk-Pingpong.

Schärfster Tadel

Kubicki warf Lauterbach „alarmistische Warnungen“ vor, etwa „dass die Schulen ein Jahr lang nicht geöffnet werden, also nicht zum Regelunterricht zurückkehren“ könnten.

„Das war Lauterbach, 4.Mai, ist dokumentiert, Twitter-Meldung“, erklärte der FDP-Vize. „Das hat sehr viele Eltern und Schüler zutiefst beunruhigt!“

„Das hat kaum jemand so verstanden“, wehrte sich der Gesundheitspolitiker. Er habe nur gesagt, „dass wir die Schule anderthalb Jahre lang nicht so betreiben können, wie wir sie vorher betrieben haben. Das steht doch nicht strittig! Masken, Abstände, die Fenster sind bei eisiger Kälte auf…“

Alarmierendster Warnhinweis

Dazu hatte Lauterbach auch noch Schockzahlen in der Tasche: „Allein in der Altersgruppe der 50- bis 70-jährigen sterben ungefähr ein Prozent der Infizierten“, rechnete er vor. „Wenn sich nur jeder Zehnte infizieren würde, würden in dieser Altersgruppe 20.000 Menschen sterben!“

Maischberger war so erschrocken, dass sie Karl mit Heiner Lauterbach verwechselte. O weh…

„Die Kanzlerin warnt seit Mai vor der zweiten Welle, und zieht daraus welche Konsequenzen? Keine!“ wetterte Fleischhauer plötzlich los.

Sein Zorn: „Wir haben alle Grundrechte eingeschränkt. Wir beschränken Versammlungsfreiheit, Bildungsfreiheit, Gewerbefreiheit. Aber an eine einzige Freiheit gehen wir nicht ran: den Datenschutz. Wir haben eine App installiert, die völlig nutzlos ist!“

Ernüchterndste Kritik

Das sah auch Lauterbach so, aber nicht wegen Datenschutz, sondern aus ganz anderen Gründen: „Die Zeitfenster sind zu breit“, erläuterte er. „Das kleinste Fenster wäre vier Stunden. Ein Fenster von nur einer Stunde, wo ich dann sagen könnte, das ist im Taxi oder im Restaurant gewesen, gibt es nicht!“

Offenherzigstes Bekenntnis

Kubicki hatte ein anderes Problem: Schleswig-Holstein habe super Zahlen, aber „trotzdem wird uns zugemutet, dass die Restaurants geschlossen bleiben!“

„Sie sind doch in der Regierung!“ wunderte sich die Talkmasterin. „Sie könnten doch beschließen, dass die wieder aufmachen! Machen Sie’s?“

Der FDP-Chef wollte lieber über Tierparks und andere Themen reden, doch Maischberger spielte Kneifzange, bis Kubicki kapitulierte: „Sie müssen sehen: Solange der Bund das Geld gibt…“ erklärt er.

Heiterkeit in der Runde: Bundesknete nimmt jedes Land gerne mit!

Manchmal muss man pointiert formulieren, damit klar wird, worum es geht!“ schob Kubicki noch hinterher.

Kompromissloseste Empfehlung

Für Weihnachten riet Kabarettistin Kroymann: „Arschbacken zusammenkneifen! Lieber den Shutdown lassen und keine Lockerungen machen!“

Fleischhauer regte sich über die Lockerungspläne der Bundeskanzlerin zum Fest auf: „Je länger Frau Merkel regiert“, murrte er, „umso mehr kommt die Pfarrerstochter in ihr durch!“

Schwungvollste Selbsthilfe

„Klar sind wir nicht systemrelevant“, sagte Kroymann über sich und ihre Kollegen. „Wir sind keine Pflegerinnen, kein Ärztinnen. Aber wir sind humorrelevant, emotionsrelevant, menschseinsrelevant!“

Ehrlichste Statements

Autorin Heidenreich freute sich ganz offen, dass sie bei Maischberger endlich mal was für ihr Buch tun konnte, und lieferte zum Dank eine Prise Pointen ab.

Über die Kanzlerin sagte die Autorin: „Ich bin kein leidenschaftlicher CDU-Wähler, aber für Angela Merkel habe ich das getan.“

Persönlichste Beurteilungen

Zu Karl Lauterbach gestand Heidenreich: „Der geht mir so auf die Nerven. Das ist ein sehr kluger Mann und ich glaube, dass er wichtige Sachen sagt, aber ich bin froh, dass ich jetzt nicht mit ihm diskutieren muss“.

Über Armin Laschet: „Ach, Armin! Er stammt ja von Karl dem Großen ab, mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen.“

Zwiespältigste Bewertungen

Über Olaf Scholz urteilte die Autorin: „Der macht sich immer besser. Ich halte ihn für unglaublich redlich, anständig, unbestechlich, eigentlich wie Angela Merkel, aber so langweilig! Bisschen mehr Pfeffer wäre doch auch schön, oder?“

Und über Markus Söder sagte sie: „Das ist ja der Leibhaftige! Wie der schon guckt! Wenn der im Raum ist, ist bestimmt Schwefelgeruch! Kleine Flügelchen an den Füßen! Ich traue ihm nicht über den Weg! Aber er hat es in der Krise jetzt ganz gut gemacht“. Amen!

Fazit: Lange Exkursionen bis über die Labergrenze, die politischen Entscheider wurden schwer angezählt, die Berufswitzemacher waren fast manisch um gute Laune bemüht, die Talkmasterin müsste mächtig ziehen und schieben: Das war eine Talkshow der Kategorie „Letzte Rille“.

 

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