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Corona-Alarm bei „Hart aber Fair“: SPD-Experte Lauterbach kündigt neue Stadionschließungen an

„Hart aber Fair: Bei uns füllen sich die Stadien, bei anderen die Kliniken – hat Deutschland Corona-Dusel?“

Der SPD-Gesundheitspolitiker Prof. Karl Lauterbach hat in der ARD-Talkshow „Hart aber Fair“ am Montag erneut eindringlich vor einer neuen Pandemiewelle im Herbst und Winter gewarnt.

Wörtlich sagte der Bundestagsabgeordnete: „Selbst wenn das gute Wetter bliebe, hätten wir in fünf Wochen 7000 Fälle pro Tag. Aber wir müssen damit rechnen, dass das Wetter schlechter wird“ – und damit auch die Infektionszahlen.

Fallzahlen-Explosion in halb Europa, Viren-Ghetto in Madrid, sogar die Mönche auf dem Berg Athos hat’s erwischt. Und hier? Talkmaster Frank Plasbergs fragte kompetente Gäste:

Lauterbach schimpft: „Es war ein Fehler, die Fußballstadien wieder zu öffnen!“

Andreas Gassen, Chef der Kassenärzte, fordert dagegen, die Corona-Regeln zu lockern: „Man kann den Panikmodus ausschalten!“

Dieter Hallervorden geht in seinem Berliner Schlosspark-Theater als „Gott“ auf die Bühne und tut Gutes auf eigene Kosten.

Michael Preetz, Geschäftsführer Hertha BSC und Ex-Profi, mauert: „Wir werden keinen Spieler in ein Risikogebiet schicken!“

Die WELT-Journalistin Susanne Gaschke, einst SPD-Oberbürgermeisterin von Kiel, schimpft: „Nicht wenige Parlamentarier gefallen sich in der Rolle des Oberlehrers!“

Die Politikerin Karoline Preisler (FDP). erkrankte selbst an Corona und schilderte vor kurzem bei Markus Lanz wenig bekannte Symptome.

Wendepunkt oder Weiter so? Das war hier die Frage.

Zufriedenstes Selbstlob

Der Profifußball hat gezeigt, dass er unter einem sehr guten Hygienekonzept in der Lage ist, Fußballspiele durchzuführen“, sagte Preetz in aller Bescheidenheit.

Lauterbach sah trotzdem Gefahren: „Wenn man laut mit dem Nachbarn redet, überträgt sich das Virus mit der Tröpfcheninfektion.“ Hm, „laut redet“ – im Stadion wird gebrüllt, sonst sind es keine Fans!

Interessanteste Beruhigungspille

Kassenärztechef Gassen trat gleich auf die Bremse: Die Gefahr einer Tröpfcheninfektion schätze er gering ein, sagte der Mediziner, denn dazu brauche es eine Kontaktzeit von 15 Minuten bei einer Entfernung von weniger als einem Meter.

Klang aber nicht besonders unwahrscheinlich angesichts der Bilder von den Bayern-Bossen in der Arena. Die fielen allerdings nicht durch Temperamentsausbrüche auf.

Pessimistischste Prognose

Ich habe nicht das Gefühl, dass wir in den letzten Monaten eine rebellische Bevölkerung hatten“, fügte Gassen noch hinzu. Außerdem seien nur 1,5 Prozent der Intensivbetten belegt.

Prompt machte Lauterbach, was er immer tut: Er drückt auf den Alarmknopf. „Wenn wir demnächst viele Infizierte haben, was ich befürchte, werden wir die Fußballstadien wieder zuschauerfrei machen“, kündigte er an. „Erinnern Sie sich an meine Worte!“

Und schon ging der los

Ich würde erwarten, dass sich der Bundestag jeden Tag zu einer Sondersitzung trifft“, donnerte WELT-Journalistin Gaschke den Politiker an. „Sie können nicht Grundrechte auf Vorrat einschränken, und das tun Sie gerade!“

„Das tun wir nicht!“ wehrte sich Lauterbach. „Wir Parlamentarier haben in einer solchen Notsituation zu allererst die Aufgabe, die Menschen zu schützen. Und das müssen wir machen auf der Grundlage der wissenschaftlichen Daten!“

Spannendste Kommentare

Als Liberale brachte Preisler das gefühlte Hauptproblem auf den Punkt: „Inzwischen wissen wir, dass es viele Maßnahmen gab, die so nicht nötig waren!“

„Es gibt ja den Spruch, dass es in Deutschland so viele Corona-Experten gibt wie Fußballtrainer“, witzelte Plasberg.

Die WELT-Journalistin zitierte aus dem Infektionsschutzgesetz: Das Parlament müsse feststellen, ob die Seuchenlage noch von nationaler Tragweite sei, und dazu könne „der Bundestag jederzeit zusammentreten, wie bei jedem Auslandseinsatz der Bundeswehr.“ Uff! Kampfeinsätze! Ungläubiges Lachen bei Lauterbach.

Härtester Schlagabtausch

Der Gesundheitspolitiker ging noch mal in die Vollen und setzte als Argument die Reproduktionszahl ein, die jetzt bei 1,24 liege. Die werde sich in der kalten Jahreszeit deutlich erhöhen.

Plasberg registrierte einen Einwand: „Schon wieder ein Ruf ‚Quatsch‘ von der Seitenlinie!“

Der Urheber gab sich auch gleich zu erkennen: Es war der Kassenärzte-Funktionär. „Herr Lauterbach, das geht so nicht!“ empörte er sich. „Wenn es am Wetter läge, warum kriegen dann die Leute in Texas überhaupt Corona? Die haben seit einem halben Jahr Bombenwetter!“

Brutalste Grätsche

„Das sind Berechnungen, die heute erfolgt sind, die werden Sie morgen lesen“, schoss Lauterbach zurück. Seine Formel: „Über 93 Prozent der Neuinfektionen finden drinnen statt. Schlechtes Wetter, mehr Leute drin, mehr Infektionen!“

Und dann hob der Gesundheitspolitiker mahnend den Zeigefinger: „Wenn man das im Fernsehen strittig stellt, dann haben wir keine Basis zum Diskutieren!“ Rumms!

Witzigster Konter

„Basis zum Diskutieren sollte immer gegeben sein!“ sagte Plasberg zur Güte und pries die Qualifikation seiner Gäste. Journalistin Gaschke etwa „kann recherchieren und war in derselben Partei wie Sie – bis vor kurzem.“

Lauterbach grinst: Gaschkes Zorn über das „ehrlose Verhalten“ der SPD gegenüber ihrem Ehemann, dem abgemeierten Wehrbeauftragten Hans-Peter Bartels, ist noch lange nicht verraucht.

Überzeugendstes Bekenntnis

Hallervorden wollte der Runde „kurz meine Philosophie unterbreiten“: „Ich gehe davon aus, dass mein Leben keine Generalrobe ist“, sprach der alte Theatermann. „Sondern es ist eine über 85-jährige Premiere, Tag für Tag.“

Sein Ziel: „Wenn man irgendwann auf diese schwere Zeit für das Theater zurückblickt, möchte ich, dass sich daraus ergibt, dass ich mich nicht weggeduckt habe. Sondern meinen beiden Theater ermöglicht habe, diesen Überlebenskampf zu gewinnen. Mit Ideenreichtum und viel Initiativgeist“ – und mit viel Geld: 300.000 Euro aus eigener Tasche. Respekt!

Ungewöhnlichstes Lob

Plasberg blendete ein Zitat des Gesundheitsökonomen Prof. Reinhard Rychlik ein, der das vergleichsweise gute  Vorankommen der Deutschen in der Pandemie schlüssig erklärt: „Wir spielen gerne mal den Oberlehrer und lassen die Corona-Party des Nachbarn von der Polizei auflösen.

„Ich nenne dass mal ‚Sozialkontrolle‘“, grinste Plasberg.

Manche haben es zu ihrem Lebensinhalt gemacht, darauf zu achten, dass die Maske bei anderen richtig sitzt“, spottet Gaschke.

„Herr Lauterbach, bei Ihnen genügt es wahrscheinlich,  wenn Sie erscheinen!“ frotzelte Plasberg.

Dramatischste Warnung

Der Politiker hatte auch ein paar neue Vorschläge im Gepäck: „Private Feiern auf 25 Personen begrenzen! Schulen besser vorbereiten, Klassen teilen, Luftfilter einbauen! Das Quarantäne-Konzept verändern.“ Denn: „Wir werden so viele Infektionen haben, dass wir sie nicht mehr nachvollziehen können!“

„Herr Hallervorden platzt gleich“, meldete Plasberg amüsiert.

Das sind keine Warnungen mehr, das ist Panikmache!“ polterte der Theatermacher.

„Drohungen!“ assistierte die Journalistin.

Heftigster Gefühlausbruch

Ich kann es nicht mehr hören!“ schimpfte Hallervorden los. „Da hilft man den Leuten auch nicht mit! Man muss doch irgendwo eine Hoffnung haben, dass es besser wird!“

„Aber ich mache doch Vorschläge, wie man es besser machen kann!“ verteidigte sich Lauterbach.

„Verbote!“ ätzte Gaschke.

Immerhin kam dabei heraus: Es gibt mobile Lüftungsgeräte für Schulen, so Lauterbach, „die sind in drei Minuten reingeschoben. Wenn wir die jetzt in Auftrag geben würden, dann wären die im Herbst gebaut.“

Emotionalste Erzählung

Corona-Opfer Preisler zeigte Ausschnitte aus ihrem Video-Tagebuch: „Ich hatte eine schlechte Zeit“, berichtete sie sichtlich angefasst. „Ich habe geweint. Mein Mann und ich waren nicht sicher, ob wir uns wiedersehen.“

Wie es ihr heute gehe? fragte Plasberg. Antwort: „Ich fürchte, Herr Hallervorden ist fitter als ich.

Das schönste Schlusswort sicherte sich Hallervorden: „Wendet euer Gesicht immer der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter euch!“

Fazit

Spannende Gästeliste, brauchbare Vorschläge, dichte Debatten, stimmungsvolle Balance aus Heiter und Ernst, der alte Peitschenknaller Plasberg mal ohne die übliche Profilneurose: Das war eine Talkshow der Kategorie „Lehrtheater“.

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