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CDU-Zoff bei Anne Will: Hans holzt gegen Spahn

„Anne Will: Die Corona-Notlage – Kann Deutschland die vierte Welle noch brechen?“ ARD, Sonntag, 21.Nove,ber 2021, 21.45 Uhr.

Demos werden Gewaltorgien, Impfgegner zu Impfgaunern, Politiker fahren Zickzack und ganze Regionen laufen komplett aus dem Ruder. Auch  Anne Wills Gästen wird bange!

Tobias Hans (43, CDU). Der saarländische Ministerpräsident hat nächsten März Landtagswahlen.

Hubertus Heil (49, SPD). Der Ex-Juso-Chef verteidigte sein Direktmandat und will Arbeitsminister bleiben.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (63, FDP). Die Verteidigungspolitikerin holte die meisten Zweitstimmen ihrer Partei in NRW.

Prof. Melanie Brinkmann (47). Die Virologin, Mutter von drei Kindern, twittert: „Wissenschaft und Solidarität sind der Weg aus der Pandemie!“

Prof.Cornelia Betsch (42). Die Psychologin, Fachgebiet Gesundheitskommunikation, freut sich über die Boosterimpfung für ihre ganze Familie.

Profis für Virenabwehr und Information, doch im Studio sitzen gleich drei Parteikader. Zoff vorprogrammiert!

Erschütterndste Brandrede

Die Talkmasterin schärft den Ernst ihrer Runde mit dem erschreckenden Todesurteil aus dem Robert-Koch-Institut an: „Von den 52.000 (Neuinfizierten) werden, und da ist nichts mehr daran zu ändern, etwa 400 sterben“, hatte RKI-Chef Lothar Wieler schon fast verzweifelt gesagt. „Ganz Deutschland ist ein einziger großer Ausbruch!“

Die Virologin stimmt sichtlich betroffen zu. Ihr schlimmer Vorwurf: „Es ist für uns unverständlich, dass die Verantwortungsträger dieses Landes eine solche Situation zugelassen haben, obwohl wir inzwischen über wichtige und wirksame Instrumente verfügen!“

Schlagendster Vergleich

„Viele können sich das noch immer nicht vorstellen, mit welcher Wucht da etwas auf uns zukommen kann!“ weiß Prof.Brinkmann und bringt ein plastisches Beispiel: „Ein Fußballstadion, ein Regentropfen kommt rein, am nächsten Tag zwei, dann vier, acht und 16, dann ist das Stadion am Tag 42 halb voll!“

Härtester Vorwurf

„Wenn die Fallzahlen hochgehen, geht auch die Risikowahrnehmung hoch, und es entsteht so eine Art ‚Fenster der Handlungsbereitschaft‘“, erläutert Prof.Betsch. „Das haben wir auch im August gesehen. Aber dann ist politisch nichts passiert!“

Fatale Folge, so die Psychologin: „Das RKI warnt, aber dann wartet man auf die Verordnung und verhält sich so, wie die politischen Maßnahmen sind. Und wenn die dann nicht kommen, verhält man sich wieder unvorsichtiger.“ Uff!

Flaueste Ausrede

„Ich wäre nicht geneigt, zu sagen, wir haben zu hundert Prozent alles richtig gemacht“, gesteht der Ministerpräsident etwas gewunden. Seine Erklärung: Das Saarland habe die höchste Impfquote aller Flächenländer, und im September seien die Zahlen zurückgegangen, deshalb habe „man“ gehofft, dass „man durchkommen kann“.

Dafür gibt‘s von Prof. Brinkmann gleich eins auf die Mütze: „Das lag dran, dass wir da noch warme Temperaturen hatten“, erklärt sie. Dann aber habe sich das Leben wieder mehr in die Innenräume verlagert, „und dass da die Zahlen hochgehen, das wissen wir!“

Gläubigste Selbstentschuldung

Der Arbeitsminister startet mit einem Bibelzitat: „Wer unter uns ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein!“, salbt er sein Eröffnungsstatement. „Deswegen finde ich es gut, dass wir jetzt nicht auf dem Level von Schuldzuweisungen sind!“

„Und von Vorwürfen, die man sich selber macht?“ klopft die Talkmasterin auf den Busch.

„Ja nee“, wehrt Heil eilig ab. „Wer mich kennt, weiß, dass ich eher zum Team Vorsicht gehöre, und zwar durchgehend!“

Gereizteste Antwort

Die FDP-Politikerin kriegt einen harten Will-Ball vor die weiße Bluse: Ihr Parteifreund Marco Buschmann habe, so hält ihr die Talkmasterin vor, noch am 27.Oktober verkündet, es drohe keine systemische Überlastung des Gesundheitssystems mehr – und sich jetzt nicht mal dafür entschuldigt.

Strack-Zimmermann flüchtet sich flugs in eine Blitzableiterfunktion: „Die Frage ist ja, ob ein Ministerpräsident Hans sich entschuldigt, ob ein Arbeitsminister Hubertus Heil sich entschuldigt“, verteidigt sie den Parteifreund. Puh!

Militärischster Meinungsbeitrag

Dann aber rafft sich die womöglich künftige Ministerin zu einem verblüffend wehrkräftigen Kommentar auf: „Wir haben solche Verwerfungen in der Gesellschaft, dass ich mir persönlich – und ich sage das als Verteidigungspolitikerin, weil wir ja auch über die Resilienz unseres Volkes…

Die Talkmasterin grinst, und der SPD-Minister guckt staunend zu, wie seine neue Koalitionspartnerin frontal ins Minenfeld marschiert.

„Was ist eigentlich, wenn mal ein Angriff auf uns erfolgt, und das ist ja de facto einer“, schwurbelt Strack-Zimmermann weiter, „wenn wir gar nicht mehr die Kraft haben, sondern eine solche Verwerfung haben…“ Virus und Verteidigungsfall! Die Bundeswehr steht ja schon an der Front…

Umfassendste Abrechnung

„Wir sehen sehr klar, dass die Leute die Situation gut und richtig einschätzen“, berichtet die Psychologin. „Schon vor Wochen waren 2G und 3G hoch akzeptiert.“

Aber, so Prof. Betsch weiter: „Diese Leute werden verloren durch viel zu langsames Handeln und uneinheitliche Kommunikation!“

Ihr Vergleich: Die Hospitalisierungsrate sei, „wie wenn die Feuerwehr sagt: ein kleines Feuer löschen wir mit Wasser, ein großes mit Schaum, aber für ein ganz großes haben wir sieben bis zehn Maßnahmen, und dann muss der Landtag entscheiden.

Peinlichstes Zwischenspiel

Heil schmuggelt eine Profilkampagne ein: „Lasst uns doch mal die Sendung hier nutzen, um über die bundeseinheitlichen Regelungen aufzuklären“, schlägt er vor, redet dann aber nur noch selbst: „Wir sollen ja kommunizieren, Frau Will, das ist unsere Aufgabe in dieser schwierigen Situation.“

Die Talkmasterin würde lieber ihren nächsten Einspieler zeigen, doch der Minister lässt sich nicht bremsen. Sein Monolog bringt absolut nichts Neues, kostet aber geschlagene drei Minuten. Stichworte: Impfbereitschaft. Eigenverantwortung. Solidarität. Kraftanstrengung. Menschenleben. Auch Persönliches ist dabei: „Ich habe zwei Kinder im Grundschulalter!“

Enttäuschendste Reaktion

Heils feuriges Finale: „Ich gucke jetzt in die Kamera und kann nur sagen: Lasst euch impfen!“

Der Erfolg des Ego-Boosters hält sich allerdings in Grenzen, denn die Virologin lässt dem Redeballon gleich die Heißluft raus: „Das ist total gut, dass Sie zur Impfung aufrufen“, kommentiert sie, „aber das haben wir jetzt schon sehr viel. Da muss jetzt mehr passieren!“

Dann springt das Zoff-o-Meter an

Will reibt Heil noch etwas Parteisalz ein: Entgegen des Mehrheitswunsches im Land habe SPD-Außenminister Heiko Maas erklärt, die allgemeine Impfpflicht werde es nicht geben, „weil wir es nicht für notwendig“ und verfassungsrechtlich für „schwierig halten“.

Doch der Arbeitsminister nimmt lieber den politischen Gegner aufs Korn: „Ich sag’s jetzt ein bisschen ärgerlicher, es gibt ja auch ein paar, die sich jeden Tag mit markigen Sprüchen verewigen und auch da, wo sie handeln könnten, es nicht so gut machen, aber jeden Tag – Sie sind im Bilde, wen ich meine – eine Schlagzeile produzieren.“ Soso, im BILDe…

Unschuldigste Antwort

Wen er damit meint, braucht Heil nicht zu sagen, denn die Talkmasterin eilt ihm flink voraus: „Ich hätte jetzt auf den bayerischen Ministerpräsidenten getippt.“

„Ich nenne keine Namen“, erwidert der Minister sittsam, „weil ich keinen parteipolitischen Streit will.“ Ach so…

Klügster Rat

„Wir sollten sehr klar die Vor- und Nachteile auf den Tisch legen“, empfiehlt Prof.Betsch. Es gebe auch bei der Impfpflicht „mehrere Geschmacksrichtungen“. In den USA etwa habe schon eine gesetzliche Beratungspflicht genügt, um die Impfdichte zu erhöhen.

„Impfen ist ein sozialer Vertrag“, stellt die Psychologin klar. „Ich lasse mich impfen, und das schützt auch dich. Und wenn du dich verweigerst, mir meinen Einsatz wieder zurückzugeben, dann ärgert mich das!“

Ihre wichtigste Erkenntnis: „Die Leute wollen die Regeln verstehen, und sie verstehen sie am besten, wenn sie einheitlich sind.

Politischster Juckreiz

„Ich bin auch froh, dass wir dieses Parteipolitische heute außen vor lassen“, behauptet Strack-Zimmermann, „wenngleich es mich gekitzelt hätte, meinem Bedauern darüber Ausdruck zu geben, dass der noch amtierende Gesundheitsminister Herr Spahn gerade jetzt die Nachricht verkündet, dass es einen bestimmten Impfstoff jetzt nur noch reduziert gibt.“

„Da sind wir parteiübergreifend einer Meinung“, gibt Hans zu. „Das ist einfach für uns ein riesiges Problem, wenn wir jetzt alle Kräfte bündeln, um zu impfen und der beliebteste Impfstoff jetzt begrenzt ist in seiner Verfügbarkeit.“

Energischste Attacke

Meine Erwartungshaltung ist ganz einfach an die Bundesregierung, an das Bundesgesundheitsministerium, dass wir jetzt alles daran setzen, genügend von dem Pfizer-Biontech-Impfstoff zur Verfügung zu haben!“, grollt der Saarländer.

Sein Zorn: „Nicht akzeptabel! Jetzt sind die Leute bereit zum Impfen, jetzt muss der Impfstoff da sein! Und da muss man ganz klar sagen: Egal, wer hier was gesagt hat – ich finde, das ist ein ganz falsches Signal.“ Punkt!

Bräsigstes Kompliment

Will hat noch eine Frage an die Virologin: „2G, 3G- bringt das denn jetzt noch was?“

Heil kommt der Antwort zuvor: „Ich habe von Melanie Brinkmann was gelernt“, sülzt er, „eine ganze Menge übrigens, das will ich wohl sagen.“

Die Virologin hebt die Brauen, doch die Talkmasterin rettet sie aus der Verlegenheit: „Sie standen gar nicht zur Antwort!“, stoppt sie den Minister. Rumms!

Dramatischste Warnung

Wir müssen infektiöse Kontakte reduzieren“, fordert Prof. Brinkmann dann, „und das müssen wir deutlich mehr und stärker tun in Regionen, wo die Kurve gerade durch die Decke geht. Und selbst dann wird es fürchterlich für unser Gesundheitssystem!“

Denn, so die Virologin zum Schluss: „Ich erinnere noch mal an das Fußballstadion. Am Tag 42 ist es halb voll, aber am Tag 43 ist es dann ganz voll. Und da sind wir jetzt schon in einigen Bundesländern!“

Fazit

Für die beiden Expertinnen eine schwere Geduldsprobe:  Lahme Ausreden, billige Schuldzuweisungen, narzistische Selbstvergötzung , wichtigtuerische Gemeinplätze und viel zu viel nutzloses Geplänkel – das war eine Show der Kategorie deutsches Sprichwort: „Gefarzt ist nicht geschworen“.

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