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CDU-Talk in „hart aber fair“: Bosbach warnt eindringlich vor Grün-Rot-Rot

„hart aber fair: Offener Kampf bei den Schwarzen, Harmonie bei den Grünen – Wie findet man die Besten fürs Kanzleramt?“ ARD, Montag, 19.April 2021, 21.05 Uhr.

Der frühere Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) hat in der ARD-Talkshow am Montag eindringlich vor einem Bundestagswahlergebnis gewarnt, das die Möglichkeit einer Regierungskoalition ohne Union und FGP schaffen könnte.

Wörtlich sagte der Politiker voraus: „Ich habe überhaupt keinen Zweifel: Wenn es für Rot-Rot-Grün reicht, wird es Rot-Rot-Grün oder Grün-Rot-Rot geben!“

Bei den einen lächeln sie den Spitzenjob unter sich aus, bei den anderen raufen sie darum. Das dauert und tut weh, aber was ist demokratischer? In „hart aber fair“ fragt Frank Plasberg spannende Gäste:

Grüne- Fraktionschef Anton Hofreiter sah die Harmonie-Entscheidung seiner Partei in der K-Frage als „Angebot für eine neue politische Kultur“.

Bosbach meinte: „Mit Markus Söder haben wir die besseren Chancen.“

SPD-Vize Kevin Kühnert hofft auf „Regierungsoptionen ohne CDU/CSU – gemeinsam mit den Grünen, aber ohne grüne Kanzlerin“.

Martin Richenhagen, Ex-Chef eines US-Landmaschinenherstellers, kritisierte: „Das grüne Wahlprogramm ist ein Rückfall in den Sozialismus!“

Die Journalistin Helene Bubrowski (FAZ) ahnte, dass keiner der beiden Unionsbewerber „ohne böse Blessuren rauskommt“.

Die Journalistin Anna Clauß („Spiegel“) schrieb eine nicht autorisierte Biographie über Söder und sieht den CDU-Chef als „politisches Chamäleon“.

Plasbergs Problem: Er startete mitten in die CDU-Hängepartie. Stimmungsbild seiner Gäste: Vier gegen, zwei für Söder.

Zum Check-in zeigt der Talkmaster die Kür der Könnte-Kanzlerin Annalena Baerbock. Sein leicht ironischer Rat: „Bitte mal hingucken, Herr Söder und Herr Laschet, so geht Kandidatur!“

Danach lobte Plasberg: „Das war wirklich eine gelungene Inszenierung! Vor allen Dingen: Es ist wirklich geheimgeblieben, es ist nichts durchgesickert. Eigentlich unvorstellbar im klatschsüchtigen Berlin!“ Da pfiffen es nur die Spatzen von den Dächern…

Griffigste Formulierung

Wann Hofreiter es erfahren habe? wollte der Talkmaster wissen. Freimütige Antwort des Grünen: „So kurzfristig, dass man sich nicht aus Versehen verplappert!“

Dann wurde Plasberg kritisch: „Die Grünen leben ja eigentlich von der Basisdemokratie“, ätzte er über das Finale nach dem langen Baerbock-Habeck-Paarlauf ohne Publikum, „das das war aber jetzt das kleinstmögliche Hinterzimmer!“

Überraschendste Gegenrede

FAZ-Bubrowski findet Kontroversen in Volksparteien nicht undemokratisch, aber: „Das sehe ich bei den Grünen fast überhaupt nicht!“

„Da möchte ich widersprechen!“ murrte Hofreiter.

„Wann haben Sie sich denn das letzte Mal gestritten?“ wunderte sich die Journalistin.

Verblüffende Antwort des Fraktionschefs: „Wir haben total intensive Diskussionen über eine ganze Reihe von Fragen! Deshalb haben wir ja so inhaltsschwere Wahlprogramme! Unmengen Positionspapiere! Wir sind ja berüchtigt dafür, dass wir Anträge über Anträge schreiben! Aber man muss das ja nicht als giftigen Streit inszenieren.“ Puh!

Unverstellteste Schadenfreude

Nach 40 Jahren Parlamentsgeschichte wird deutlich, dass das System die Grünen mehr verändert hat als die Grünen das System“, spottete Bosbach. Aber: „Wir geben als Union im Moment kein gutes Bild ab! Ohne Mehrheit kannst du keine Politik gestalten.“

Kühnert rieb mit Wonne Salz in die Wunde des ungeliebten Koalitionspartners: Er sehe den Streit „mit einem gewissen Amüsement“, denn „so ein Prozess treibt ja manchmal Stilblüten, da kann man nicht anders als zu schmunzeln.“

Umstrittenstes Statement

Plasberg spielte eine Expertise des Industrieverbands BDI ein: Das Grüne-Wahlprogramm zeige eine „eingeengte Perspektive auf Klimaschutz“ und wolle „Grundsätze der sozialen Marktwirtschaft durch staatliche Lenkung und Umverteilung ersetzen.“ Ui!

„Ich habe im Sommer eine große Industrietour gemacht“, berichtete Hofreiter dazu, „und zwar nicht bei den Windkraftbauern oder den Biobauern, sondern bei Thyssen-Krupp, Salzgitter, Airbus, VW, Evonik. Wenn  Sie mit den Unternehmen direkt sprechen, wird deutlich, dass es da große Übereinstimmungen gibt.“ Uff! Aber welche?

Spektakulärster Kommentar

Die Unternehmen handeln heute schon viel grüner, als die Grünen denken“, lästerte Richenhagen.

Hofreiter holte ganz tief Luft: Dass Unternehmen durch besonders viel Klimaschutz Nachteile bis hin zur Pleite haben können, nenne man in der Theorie die „Tragödie der Allmende“, dozierte der Fraktionschef, „weil nämlich die Allmende keine Rechnung schicken kann.“ Heißt sozialwissenschaftlich: Das Allgemeingut Atmosphäre ist durch egoistische Übernutzung bedroht.

Dann ging der Zoff los

Die Politiker haben in der Corona-Krise bewiesen, dass sie für praktisches Management nicht geeignet sind“, patzte Richenhagen den Grünen an. „Deshalb wundert es mich, dass Sie sich jetzt zutrauen, die deutsche Wirtschaft zu regeln!“

Bosbach fand das grüne Wahlprogramm „in vielen Teilen sehr unkonkret“. Seine Frage: „Was will uns der Künstler damit sagen?“

„Ein schwieriger Vorwurf, wenn man aus der CDU kommt, wo es nicht mal Ansätze für ein Wahlprogramm gibt!“ mischte sich der SPD-Junior ein.

Bedenklichste Analysen

Riechenhagen äußerte einen schlimmen Verdacht: „Bei den Coronazahlungen bin ich überzeugt, dass da viel in falsche Kanäle fließt!

Seine Kritik: „Das ist ja eine Traumsituation für Politiker: Die können durchregieren und mit vollen Händen das Geld aus dem Fenster schmeißen!“

Interessanteste Zahl

Im Streit über die rotgrüne Forderung einer Vermögenssteuer rechnete Bosbach vor: „Wir hatten Zeiten, da musstest du das Fünfzehnfache des Durchschnittslohnes verdienen, dann erst griff der Spitzensteuersatz. Heute greift er schon, wenn du das 1,8-fache verdienst!

Bild des Abends

Plasberg wollte sich so langsam zum wirklich Thema des Abends vorarbeiten und bat Hofreiter, ein Foto zu kommentieren, auf dem Söder einen Baum umarmt: „Sehen Sie da Leidenschaft oder eher Pose?“

„Am Ende muss man die Menschen danach beurteilen, was sie tun“, antwortete der Fraktionschef vorsichtig. „Erst mal freut es mich natürlich, denn die Aufgabe, unsere Lebensgrundlagen zu retten, ist eine gigantische.“

Spannendstes Zwischenspiel

Die Spannung stieg, aber nicht in dem Talk, sondern wegen der Sitzung der CDU in Berlin. „Die Redeschlacht geht weiter!“ meldete ARD-Studioleiterin Tina Hassel in die Sendung.

„Mich zerreißt es förmlich!“ brach es aus Bosbach heraus. „Leute, worauf wartet ihr noch? Es gibt doch keine neuen Erkenntnisse! Bitte nicht die Hängepartie noch fortsetzen! Heute Abend muss entschieden werden!“  

Eleganteste Abfuhr

Kühnert ging gleich mal wieder auf Stimmenfang. „Wir sind fünf Monate vor der Wahl“, erklärte er. „Wir reden hier die eine Hälfte der Sendung über Grüne und SPD, Konzepte und Programme. Und die andere Hälfte reden wir über CDU-Kreisvorsitzende“ – die sollen jetzt in Berlin auch noch mitreden dürfen.

„Ihre Gewichtung ist ein bisschen eigenwillig, entspricht nicht ganz meinem Urempfinden“, bügelte ihn Plasberg ab.

Aufschlussreichstes Interview

Die Verfasserin der Söder-Biographie gab zu: „Die Risikobereitschaft, die er jetzt zeigt, hat mich überrascht. Da geht er jetzt schon aufs Ganze!“

Ihre Personalbeschreibung: „Söder ist ganz gut darin, Kritik zu vertragen. Immer im Einsatz, der Duracell-Hase auf dem Weg durch den Freistaat bis nach Berlin. Als Bundestrainer würde er sich selber einwechseln, um die Tore zu schießen.“

Symbolträchtigste Geste

Über Söders Corona-Performance urteilte die Journalistin: „Der gelernte Fernsehredakteur tut sich natürlich leicht, mit Kameras zu sprechen.“

Dann hob sie wie Söder die Rechte zum Vulkanier-Gruß und zitierte das berühmte Kommando aus „Star Trek“ zur Abreise per Energiestrahl: „Dieses ‚Beam Me Up, Scotty‘ – wenn er zu lange mit den Bürgern vor Ort sprechen muss, guckt er auf die Uhr und sagt: Sorry, ich muss weg!

Interessantes Detail

„Ich bin sehr häufig in die Keller gestiegen auf der Suche nach Leichen“, schilderte Clauß dann die Arbeit an der Biographie.

Denn: „Ich wollte auch herausfinden: Hat Markus Söder das uneheliche Kind von Horst Seehofer an die BILD-Zeitung verraten? Man hat ja lange geglaubt, deswegen habe Seehofer Söder diese ‚Schmutzeleien‘ vorgeworfen.“

Ergebnis der Recherche: „Nein, er war es nicht!“

Abschließendes Urteil der Journalistin: „Auf der einen Seite ist Söders Weste weißer, als viele es vielleicht meinen. Auf der anderen Seite gehört diese Lust am Sticheln, diese Lust an der rhetorischen Rangelei schon auch zu seinem Charakter!“

„Markus Söder ist ein ziemlich zäher und kritikfähiger Mensch“, urteilte Clauß zum Schluss. „Er hat, auch von uns Journalisten, immer Gegenwind bekommen und versucht, das in eigene Stärke umzuwandeln.“

Fazit: Eifrige Gäste, harte Sprüche, lockere Reden und interessante Details, aber alles doch nur zweite Wahl im Schatten des ungleich wichtigeren CDU-Themas. Das war ein Talk der Kategorie „Beschäftigungstherapie“.

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