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CDU-Ministerpräsident Hans bei „Maischberger“: Den Karneval kann man gar nicht absagen!

„maischberger. die woche“. ARD, Mittwoch, 19.August 2020, 23 Uhr.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans hat sich in der ARD-Talkshow „maischberger, die woche“ am Mittwoch gegen die Vorstellung gewandt, wegen Corona den Karneval abzusagen.

Dabei preschte der CDU-Politiker mit einem wagemutigen Statement vor: „Karneval ist eine kulturelle Veranstaltung, die auch das ganze Jahr über ist. Da wird sich vorbereitet, da wird getanzt, da wird geprobt, da wird einstudiert. Und ich fände es einfach schade, wenn man all das nicht sehen könnte.“

Interessanteste Interpretation

Allerdings, so der CDU-Politiker: „Die Art und Weise, wie man das machen wird, wird eine andere sein. Karneval ist nicht nur drei Kappensitzungen!“

Die besorgte Mahnung des Bundesgesundheitsministers deutete der Saarländer listig in seinem Sinne aus: „Ich habe Jens Spahn exakt so verstanden: Karneval, wie wir es im letzten Jahr erlebt haben, wird es nicht geben. Das wird anders aussehen. Schunkeln mit 1,5 Metern Abstand? Schwierig!“

Klügster Kompromiss

Aber, so Hans: „Ich traue den Vereinen durchaus zu, Konzepte zu entwickeln, die die Menschen schützen, und dass wir trotzdem auch ein bisschen Freude haben dürfen in dieser Jahreszeit.“

Deshalb seine Prognose: „Karneval wird irgendwie stattfinden. Nicht in der gewohnten Form, nicht in kleinen, engen Räumen, aber draußen, als hybride Veranstaltung, mit Online-Übertragung – da ist vieles denkbar.“ Dafür einen Narhalla-Tusch!

Es rumort gewaltig in der Welt: Corona ist zurück, Biden wieder da, Lukaschenko immer noch nicht weg. Viel Holz für Maischbergers Lagerfeuer! Die Gäste:

Hans lenkt sein Land leise, aber erfolgreich durch die Corona-Krise.

Der Politik-Philosoph Richard David Precht (55). trotzt immer wieder mit Wonne dem alten Spießer-Spruch „Lange Haare, kurzer Verstand“.

Der Virologe und Mikrobiologe Prof. Alexander S. Kekulé (61). zählt zu den frühesten und entschiedensten Warnern vor der Corona-Gefahr.

Die ARD-Korrespondentin Golineh Atai war dabei, als in Kiew das Volk siegte.

Die TV-Moderatorin Amelie Fried schimpft: „Die Debatte darum, ob wir uns schon auf dem Weg in eine Diktatur befinden, geht mir unglaublich auf die Nerven!“

Der RTL-Politikchef Nikolaus Blome wettert über „Milieus, die schnell ‚Repression‘ oder ‚Rassismus‘ rufen, wenn man Respekt für Regeln und Rechtsstaat von ihnen will!“

Kluge Köpfe, klare Kanten. Zum Start ein typisches Klischee: Wie immer fragt die Talkmasterin ihre Journalisten-Runde nach dem Verlierer der Woche. TV-Kollegin Fried schoss reflexartig aus der Hüfte: „Lukaschenko! Typischer Fall eines alten weißen Mannes, der nicht begriffen hat, dass seine Zeit vorbei ist!“

Blome sah das dann doch etwas differenzierter: „Ja, er ist ein alter weißer Mann“, bestätigt er, „aber ob das das entscheidende Kriterium ist…“

Eindringlichste Warnung

ARD-Kollegin Atai hat ein „mulmiges Gefühl“ und sah Vorzeichen von Gewalt: Der weißrussische Diktator wolle „heiße Köpfe abkühlen“, zugleich sei „russisches Sicherheitspersonal in Richtung Belarus aufgebrochen“.

Aber, so die erfahrene Korrespondentin: „Lukaschenko ist angezählt. Er kann nur noch mit seinem 120.000-Mann-Sicherheitsapparat regieren. Wenn es da Auflösungserscheinungen gibt, könnte es eng für ihn werden.“

Irrste Story

Fried schilderte ein Corona-Erlebnis der besonderen Art: Sie flog mit ihrem Ehemann in einer kleinen Passagiermaschine nach Brüssel. In der Reihe vor ihr unterhielt sich eine junge Frau über den Gang mit einer Freundin. Maske unter dem Kinn.

Fried mahnte sie an die Maskenpflicht, doch die Corona-Skeptikerin wollte sich nichts sagen lassen. Die Flugbegleiterin setzte die Frau daraufhin in eine hintere. Sie ärgerte sich, kam wieder nach vorn und hustete, so Fried, „mit Inbrunst meinem Mann ins Gesicht“. Im Brüssel wurde die Übeltäterin dann von der Polizei abgeholt.

Klügster Rat

„Die Gefahr ist natürlich, dass wir zu einer Spaltung kommen“, warnte Prof. Kekulé. „Anders als im März steigen jetzt die Infektionszahlen durch Menschen an, die das bewusst in Kauf nehmen.

Seine Sorge: „Das sind Gruppen, die einfach ‚die Nase voll haben von dem ganzen Corona-Gedöns‘. Ich weiß nicht, ob man die mit Strafen dazu bringt, sich anders zu verhalten.“

Aber, so der Professor: „Man könnte sie überzeugen, indem man ihnen die Möglichkeit gibt, sich selbst zu testen. Wer schwarz auf weiß in der Hand hat, dass er positiv ist, der besucht seine Oma nicht mehr und geht auch nicht mehr in den Sportclub.“

Spannendste InfoDie beste Strategie gegen das Virus sei, so Kekulé, wenn sich jeder in der Apotheke testen könne: „Es gibt kleine Geräte, die man überall hinstellen kann.“

„Ist das so?“ staunte Maischberger. „Sind wir schon so weit?“

„Technisch ist das kein Problem“, erklärte der Professor. „In Taiwan gibt es sogar kleine Plastiktests, wo Sie sich selber einen Rachenabstrich machen können. Dann sehen Sie wie beim Schwangerschaftstest, ob das blau wird oder nicht.“

Härteste Attacke

Das beliebte Bayern-Bashing blieb auch in dieser Ausgabe fester Programmpunkt. Atai nannte Söders Versuche, Reiserückkehrer schnellstmöglich zu testen, verächtlich „Effekthascherei“. Blome urteilte etwas milder, Geduld sei nicht die Stärke Söders: „Man hat das Gefühl, dass alles, was er macht, auch immer ein Wettbewerb ist.“

Was ich nicht mag, ist diese Häme und Schadenfreude, mit der jetzt alle auf ihn losgehen“, sagte Fried dagegen etwas versöhnlicher. „Das vergiftet unseren politischen Diskurs, dass alle immer nur darauf achten, dass der politische Gegner einen Fehler macht, um dann draufzuschlagen.

Und der Virologe nahm den Ministerpräsidenten mit dem Test-Pech sogar in Schutz: „Herr Söder hat es richtig gemacht“, lobte er, „es war nur nicht gut genug vorbereitet.

Jammervollste Formulierung

Über den US-Wahlkampf klagte Fried: „Wenn ein Land die Wahl hat zwischen einem durchgeknallten Narzisten und einem honorigen, aber nahe an der Demenz sich befindenden Greis – das ist doch ein Trauerspiel!“

Blome sagte über das Duell Trump-Biden um das Weiße Haus: „Es könnte sein, dass da jemand abgewählt und es beinahe egal ist, wer reingewählt wird.“

Highlight des Abends

Philosoph Precht war als Finale furioso eingeplant, macht aber erst mal Scherereien.

„Jetzt sind wir seit zehn Jahren in einer Art Krisenmodus“, begann die Talkmasterin dramatisch. „Was macht das eigentlich mit einer Gesellschaft, diese permanente Alarmstimmung?“

Doch dem dreitagebärtigen Turnschuh-Denker schien die Prämisse zu schlicht: „Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob wir heute deutlich mehr Krisen haben als zu anderen Zeiten“, zweifelte er. „Aber in einer Gesellschaft, in der sich die Medien mit Sensationierungen wechselseitig Konkurrenz machen…“

„Ach!“ unterbrach ihn Maischberger verdutzt. „Jetzt sind wir wieder schuld?“

„Ich weiß, das ist die klassische Antwort von Journalisten“, konterte Precht. „Aber in einer völlig aus dem Ruder gelaufenen Medienlandschaft ist die Sensationierung ein ganz anderer Teil. Man muss ja nur die Tagesschau von vor dreißig Jahren angucken, wie da Nachrichten präsentiert wurden…“

Kontroverseste Einschätzungen

Zum guten Schluss wurde Precht aber doch noch kooperativ. Über Corona sagte er: „Die Menschen lieben Verbote, wenn es um ihre elementaren Sicherheitsinteressen geht.

Über Menschen in Krisenzeiten: „Das sah man auch an der Zustimmung für Markus Söder, die fühlten sich geborgen die fühlte sich aufgehoben, der Staat sorgt für mich, der kümmert sich, der macht sich Gedanken…“

Warum keine Fahrverbote für SUVs in Innenstädten? „Der Grund ist nicht, dass die Politiker Angst vor dem Wähler haben, sondern weil die Autoindustrie mit den SUVs ihre E-Mobilität finanziert!“

Über Baerbock & Habeck: „Ich glaube, dass die Grünen unglaublich darauf aus sind, die hohen Sympathiewerte nicht zu gefährden, indem sie irgendwelche klaren Ansagen machen.“

Prechts Schlusswort: „Corona bedroht in allererster Linie die Eltern und die Großeltern. Der Klimawandel bedroht in erster Linie die Kinder und die Enkel. Die Leute, die jetzt in führenden Positionen sind, sind in unserem Alter, und die sagen: Naja, die schlimmsten Auswirkungen werde ich nicht erleben.“ Uff!

Fazit: Satte Themen-Tour in hohem Tempo, viel Nachdenklichkeit statt strammem Haltungsjournalismus: Das war ein Talk der Kategorie „Volles Programm“.

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