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Bei Maischberger: Juncker stichelt gegen Gabriel

„maischberger. die woche“ ARD, Mittwoch, 29.Januar 2020, 22.45 Uhr.

Ex-EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat in der ARD-Talkshow „maischberger. die woche“ einen Stich gegen Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel gesetzt.

Di Talkmasterin hatte ihren Stargast als „Mister Europa“ und „Mister Euro“ vorgestellt, der ARD-Einspieler zeigte den Luxemburger dann vor allem beim Küssen und Tätscheln.

„Ist das Taktik oder machen Sie das gern?“ wollte Maischberger wissen.

„Das mache ich heute nicht!“ beruhigt Juncker sie und unterhielt das Publikum mit Döntjes aus seiner langen Knuff-und-Knuddel-Liste.

Witzigste Beispiele

Putin küsse ich nicht immer“, erklärte er. „Seit er sich in der europäischen Geographie das internationale Recht verletzend rumtreibt, mache ich das nicht mehr. Trump wollte ich nicht küssen, der hat mich geküsst!“

Wer Leute betatscht, muss aushalten, wenn ihm mal andere zu nahe treten. Maischberger zitiert, wie englische Journalisten über Juncker schimpften: „Es ist dieser aufgeblasene Zwergenpräsident, der die ganze Arroganz der EU verkörpert!

Doch Juncker blieb cool: „Ich bin von der britischen Presse nicht mehr zu beleidigen!“

Klügster Satz

Zu den neuen rechtsradikalen Tendenzen in Europa sagte der Ex-Präsident: „Ich bin sehr dafür, dass jeder ein Patriot in seinen eigenen vier nationalen Wänden ist. Aber ich bin gegen Nationalismus, der sich gegen andere richtet!“

Sein Credo: „Die Europäer müssen zusammenhalten und dürfen sich nicht gegeneinander aufbringen lassen.“ Punkt!

Persönlichste Frage

Ihr Vater ist von der deutschen Wehrmacht zwangsrekrutiert worden“, sagte Maischberger dann. „Was hat er Ihnen über die Zeit an der Ostfront erzählt?“

„Als ich Kind war, nichts“, antwortete Juncker. „Als ich anfing, so zu tun, als ob ich schon erwachsen wäre, hat er angefangen, zu berichten, was wirklich los war.“

Emotionalste Erinnerung

„Er war mit drei seiner Brüder zur Wehrmacht zwangsrekrutiert worden“, erzählte der Ex-Präsident weiter. „Man muss sich mal das Seelenleben meiner Großmutter und meines Großvaters vorstellen! Aber mein Vater hat mich sehr deutschlandfreundlich erzogen.“

Und: „Ich halte das für eine seiner größten Lebensleistungen, dass er mich nicht gegen die Deutschen aufgebracht hat, sondern gesagt hat: Ich bin auch vielen Deutschen, sogar im Krieg, begegnet, die anständige Menschen waren.

Eleganteste Stichelei

„Sie kriegen bestimmt lukrative Angebote aus der Wirtschaft?“ lockte die Talkmasterin.

Ich habe in Brüssel veranlasst, dass der Kommissionspräsident drei Jahre lang nicht in die Wirtschaft darf“, erwidert Juncker. „Ich habe ein gutes Adressbuch, aber ich möchte da nicht in gefährliche Nähe geraten!“

Und dann folgte ein Seitenhieb gegen Gabriel: „Ich werde jedenfalls nicht im Aufsichtsrat einer Bank landen!

Feinsinnigste Bosheit

Ein Foto zeigte Juncker beim Handkuss für Greta Thunberg. „Sie steht am Ursprung einer Bewegung, die gut zur Jugend passt“, erklärte der 150-Prozent-Europäer dazu. „Ich finde es gut, dass junge Leute wieder auf die Straße gehen, um etwa Positives zu bewirken!“

Seinen englischen Hauptwidersacher fand er nicht ganz so gut: „Boris Johnson ist ein nicht in allen Details sich verständlich ausdrückendes Gesamtkunstwerk“, spottete er.

Ernstestes Thema

Danach ging es um antisemitische Tendenzen 75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz. „Wir haben am rechten Rand Politiker, die damit spielen“, sagt der Journalist Robin Alexander (WELT), aber:

Wir haben auch in den Einwanderermilieus Phänomene von Antisemitismus, die wir lange aus political correctness geleugnet haben!“

Und: „Wir haben an europäischen Universitäten Antisemitismus von Linken, die bestimmte Produkte von Israel boykottieren und sagen, bestimmte Künstler sollen nicht mehr auftreten.“

Boshaftester Vorwurf

Schon zu Beginn der Talkshow hatte die „taz“-Redakteurin Sanja Maier den Ex-SPD-Chef heftig kritisiert: „Es ist doch offensichtlich, dass Herr Gabriel sein Adressbuch versilbern will!“ schimpfte sie und witterte ein Macker-Problem: „Andreas Nahles geht zu Hause reiten, aber diese Typen gehen in die Aufsichtsräte und machen sich noch mal richtig wichtig!“

„Dass ein Sozialdemokrat in einen Aufsichtsrat geht, ist erst mal kein Skandal“, konterte WELT-Vize Robin Alexander. „Als die SPD noch stark und groß war, hatte sie Leute in allen Teilen der Gesellschaft!“

„Wir brauche gute Leute in der Wirtschaft“, sagt der TV-Juror („Let’s Dance“) und Ex-Börsianer Joachim Llambi.

Klügste Analyse

Über Trumps Friedensplan sagte der WELT-Journalist: „Der neue Ansatz ist, dass Trump sagt: Ich setze nicht darauf, die Palästinenser und die Israelis zusammenzubringen, sondern ich ziele auf die anderen Araber, die Saudis, die Ägypter. Ich will, dass sie die Palästinenser bewegen, konsensfähig zu werden mit Israel.“

Vernünftigstes Statement

Zum Schluss das Aufreger-Thema der Woche: Corona. „Ich mache mir keine Sorgen“, erklärte der Virologe Alexander S. Kekulé. „Ich habe AIDS erlebt, SARS Nr.1, Ebola, Schweinegrippe, Vogelgrippe. Im Gegensatz dazu ist das Corona-Virus beherrschbar!“

Doch, so seine Forderung: „Es gibt drei Dinge, die wir machen müssen: Einreisekontrollen an den Grenzen, diagnostische Tests und eine andere Kommunikation!“

Bedenklichste Rechnung

Denn man könne nicht so tun, als ob das Virus ungefährlich sei, sagte Kekulé weiter und erinnert an die Grippe-Epidemie vor zwei Jahren mit 25.000 Toten in Deutschland.

„Bei Grippe stirbt weniger als jeder Tausendste Infizierte“, stellte der Virologe fest. „Bei dem neuen Virus dagegen sterben etwa zwei Prozent der Infizierten. Das ist eine ganz andere Dimension!“

Neueste Info

„Wahrscheinlich kommen die Corona-Viren aus Fledermäusen“, berichtete Kekulé zum Schluss. „Als Zwischentier verdächtig ist eine Schleichkatze, ein Zwischending zwischen einem Marder und einem Waschbär, und das ist in China eine Delikatesse.“

Folge: „Es wird wild gefangen, auf dem Markt lebend im Käfig angeboten und vor Ort geschlachtet. Ich kann ihn auch lebend mit nach Hause nehmen und dort schlachten, damit er noch frischer ist.“

Immerhin, so der Virologe: „Ich weiß, dass wir die Chance haben, das zu verhindern, wenn wir die richtigen Maßnahmen treffen. Da ist ein Problem, aber wir sind in der Lage, es lösen.“

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