Teletäglich

Baerbocks flauer Entschuldigungs-Talk bei Maischberger: Ich habe Fehler gemacht, aber…

„maischberger. die woche“. ARD, Mittwoch, 26. Mai 2021, 22.50 Uhr.

Die Grüne-Kanzlerkandidatin musste diesmal als Erklärbaerbock in eigener Sache ran: Offene Fragen wegen nichtöffentlicher Einkünfte! Sie entschloss sich zu einer Entschuldigung mit allerlei Ausflüchten und Ablenkungsmanövern.

Wörtlich sagte die Politikerin dabei zwei Mal: „Ich habe mich natürlich selbst über meinen Fehler tierisch geärgert!“ Sandra Maischbergers Gäste:

Baerbock wackelt seit der Sonderzahlungs-Affäre und sackt in der Wählergunst ab. Nur ein kurzes Beben oder schon Treibsand?

Der Corona-Oberexperte Prof. Karl Lauterbach (SPD) musste ebenfalls Nebeneinkünfte nachmelden.

Die weltberühmte Musikerin Anne-Sophie Mutter geigte zur Abwechslung mal die Politik: „Durch ihre Entscheidungen wird die gesamte Kulturbranche schmerzhaft getroffen!“

Der Tech-Unternehmer Frank Thelen schimpfte auf Baerbock: „Von ihr möchte ich nicht regiert werden!“

Die Journalistin Cerstin Gammelin schreibt für die SZ, das reicht für die ARD allemal.

Udo Lielischkies, Ex-Studioleiter der ARD in Moskau, weiß, wie Putin und auch Lukaschenko ticken: wie Höllenmaschinen!

Zwei auf heißen Stühlen, eine furchtlose Anklägerin und eine Jury mit der Lizenz für deutliche Aussprache.

Zum Start drei Standortbestimmungen

ARD-Lilischkies freute sich gleich mal über Europas Reaktion auf die Luftpiraterie von Belarus: Endlich mal nicht bloß diese „ohnmächtige Duldungsstarre“!

Für Unternehmer Thelen ist das grüne Wahlprogramm eine Katastrophe: Die Umwelt brauche nicht neue Verbote, sondern neue Technologien, denn „wir wollen ja nicht zurück in die Höhle!“

Die SZ-Journalistin setzte auf salvierende Vergleiche: Das Wahlprogramm der FDP sei „nicht besser“ als das der Grünen, und die Union habe noch gar keins.“ Uff!

Peinlichstes Zitat

Für Baerbock spielte Maischberger dann ein kniffliges Zitat ein. Über die miesen Maskendeals einiger Unionspolitiker hatte die Grüne gewettert: „Das macht mehr als deutlich, dass generell an der Haltung, wie man eigentlich mit Transparenz, mit einem Mandat und Nebeneinkünften umgehen muss, dringend was geändert werden muss!“

Spitzeste Frage

„Ansonsten“, so Baerbock damals weiter, „geht nicht nur das Vertrauen in die Union, sondern in den Parlamentarismus, in die Demokratie in Gänze öänzeverloren!“

„Das haben Sie am 9.März gesagt“, stellte die Talkmasterin nun fest. „Und am 30.März haben Sie nachgemeldet: 25.000 Euro, verdient in den Jahren 2018 bis 2020. Wie sehr gefährdet das den Parlamentarismus?

Flaueste Erklärung

„Ich habe mich natürlich selbst über meinen Fehler tierisch geärgert“, gestand die Grüne, schwächte aber gleich ab: „Das Weihnachtsgeld, das ich von meiner Partei bekommen habe – nicht von Dritten, also anders als bei den Maskengeschäften  – habe ich in all den Jahren immer korrekt versteuert!“

Doch leider, so Baerbock, „hatte ich nicht auf dem Schirm, dass ich da Weihnachtsgeld meiner Partei auch an den Bundestagpräsidenten hätte melden müssen.“

Billigster Blitzableiter

Maischberger hatte noch einen andere faule Stelle entdeckt: „Das hat der Bundesvorstand der Grünen beschlossen, auch in der Höhe“, stellte die Talkmasterin fest. „Sie haben sich das Weihnachtsgeld also selber genehmigt.“

„Ja“, gab die Kanzlerkandidaten notgedrungen zu, zeigte aber sofort auf die schnöde Konkurrenz: „Weil wir, anders als andere, Parteivorsitzenden, die auch im Bundestag sind, kein Gehalt zahlen. Wir nehmen auch keine Einnahmen von Dritten ein.“

Durchsichtigste Nebelschwade

Maischberger ließ sie nicht vom Haken: „Sie haben es nachgemeldet, aber nicht der Öffentlichkeit, sondern erst, als die BILD-Zeitung es gemeldet hat“, bohrte sie nach.

Baerbock warf eine Rauchgranate: „Das stimmt so nicht!“ antwortete sie. „Ich habe es dem Bundestagspräsidenten gemeldet, bei dem musste ich das auch melden, hatte vorher alles dem Finanzamt gemeldet, also korrekt versteuert, es hat sich nicht um Einnahmen von Dritten gehandelt, sondern um Geld von meiner Partei…“

Dünnste Ausrede

Die Talkmasterin hatte sich nun festgebissen: „Die BILD-Zeitung hat es öffentlich gemacht, und dann erst haben Sie…

Weiter kam Maischberger nicht, denn Baerbock schoss schnell eine Erklärung nach: „Es war öffentlich, weil, der Bundestag meldet das dann ja auf den Webseiten, und bei Abgeordnetenwatch war das ja auch entsprechend ausgewiesen…“

Schwierigster Dialog

„Sie hätten ja auch in die Offensive gehen können“, meinte Maischberger.

Natürlich ist man hinterher rückblickend immer klüger“, wehrte sich die Grüne, „aber ich habe das selber gemeldet und das auch selber transparent öffentlich gemacht.“

Die fällige nächste Frage stellte Baerbock sich dabb lieber gleich selbst: „Ja, da kann man jetzt sagen: Warum haben Sie nicht selber eine Pressemeldung herausgegeben?“

Genau! „Auf Facebook, auf Twitter, auf Instagram“, assistierte Maischberger.

Dazu fiel auch Baerbock nichts mehr ein. „Aus Fehlern lernt man“, seufzte sie.

Missliebigste Idee

Unternehmer Thelen ärgerte die Kanzlerkandidatin dann auch noch mit einem höchst unwillkommenen Vorschlag: Sie solle doch einfach 1500 Euro an „Ein Herz für Kinder“ spenden, dann würde er die gleiche Summe noch mal drauflegen.

Damit ging er der Grünen sichtlich auf den Keks. „Das ist gerade aber nicht meine Haltung, dass ich sage, ich habe einen Fehler gemacht, und jetzt verdeale ich mal was, und jemand anders legt noch mal was oben drauf!“ murrte Baerbock. „Sondern ich habe sehr deutlich gemacht, dass es mir sehr, sehr Leid tut!“

Energischste Absage

Ich spende immer zum Ende des Jahres einen erheblichen Teil von meinen Sonderzahlungen auch an Kinder, an Familien“, behauptete die Grüne noch.

„Aber ich halte jetzt nichts davon: Ich wasche mich rein, indem ich hier auf einen Deal einsteigen“, fügte sie hinzu. „Sondern ich stehe an dieser Stelle zu meinen Fehlern und spende weiterhin, so wie ich das auch in den vergangenen Jahren gemacht habe!“

Ungewöhnlichstes Bekenntnis

Ich habe in den vier Wochen, wo ich Kanzlerkandidatin bin, Heftigstes erlebt“, klagte Baerbock dann. „Ich habe auch eigene Fehler gemacht. Dazu muss man stehen, aber was ich schon krass finde, ist diese Art von Shitstorm, wo über Fake news, wir kennen das aus den USA, Dinge behauptet werden…“

Schlappste Ausrede

Die Talkmasterin machte den Grill immer heißer: Ihr nächster Einspieler betrifft das Zitat, mit dem Baerbock ihren Kollegen/Konkurrenten Robert Habeck als dummen Schweinebauern verächtlich machte.

Das fand die Grüne jetzt selber nicht mehr lustig: „Auch das habe ich gemerkt, dass mit Humor und Ironie es nicht so klug ist in der Politik“, verteidigte sie sich. Aber: „Robert Habeck kennt meine schroffe Art sehr. Es ging bei der Frage darum, wo wir unterschiedlich ticken, und es ging um politische Kontexte.“ Puh!

Ungeschicktestes Ablenkungsmanöver

Dann machte Baerbock etwas, was sie gerne tut: Sie weist empört zurück, was gar nicht behauptet wurde. „Da Robert Habecks Eltern Apotheker waren, habe ich überhaupt nicht darüber gesprochen, wo er in der Kindheit auf dem Bauernhof gelebt hat!“ betonte sie. Nanu? Wer hat das denn unterstellt?

Sondern, so die Grüne weiter: „Was ich meinte, war, dass er Landwirtschaftsminister war, bevor er Parteivorsitzender geworden ist.“ Heureka!

Mehr wollte Baerbock dazu nicht sagen, denn: „Die Vertrauensfrage spielte auch eine Rolle. Für uns ist es wichtig, das wir Dinge, die wir vertraulich besprochen haben, die auch nicht ganz einfach sind, auch nachher im Vertrauen weiter behalten.“ Basta!

über das Wahlprogramm der Grünen urteilte die Talkmasterin dann noch: „Es ist wirklich vertrackt, wenn man ins Detail geht!

Härtester Kommentar

„Ich habe an Schauprozesse unter Stalin gedacht“, schilderte ARD-Mann Lielischkies seine Reaktion auf die widerlichen Szenen, in denen der entführte Journalist in Minsk ein durch Folter erzwungenes „Geständnis“ in die Kamera sprechen musste.

Schärfste Politik-Kritik

Aus München war Anne-Sophie Mutter zugeschaltet, die selbst in einer Corona-Quarantäne steckte. Ihr Ärger: Studien zeigen, dass das Ansteckungsrisiko im Konzertsaal nur 0,5 Prozent beträgt. „Viel weniger als im Supermarkt“, klagte die berühmte Musikerin. „16 Mal niedriger als im Großraumbüro.“

Ihr Vorwurf: „Man hat die Kunst 14 Monate lang erfolgreich totgeschwiegen! Wir wünschen uns von der Politik, dass sie uns zutraut, verantwortungsvoll Konzerte zu veranstalten. Das Publikum ist aushungert. We are ready to go!“

Ermutigendste Prognose

Bei Kindern sichere die Impfung einen hundertprozentigen Schutz vor der Erkrankung und einen neunzigprozentigen gegen Ansteckung, berichtete Lauterbach zum guten Schluss und freute sich: „Ein besseres Ergebnis hätte man sich gar nicht wünschen können!“

Deutlichstes Dementi

Über die verspätete Meldung seiner Nebeneinkünfte sagte der SPD-Politiker: „Das hatte nichts mit Annelena Baerbock zu tun. Es war nicht so, dass wir gesagt haben, Annelena Baerbock ist aufgeflogen, jetzt gucken wir mal, was haben wir?“

Lauterbachs mildernde Einlassung in eigener Sache: „Ich trete ja immer mit einem gewissen moralischen Anspruch auf, und so habe ich die gesamte Summe, die schon ausgegeben und versteuert war, an die Corona-Hilfe für Kinder in Indien gespendet.“ Läuft!

Fazit: Nerv-Duell im Nebelkerzenschein, verbissene Selbstenthaftungsversuche, limitierte Schnellsiedeargumente, eifrige Reueauftischungen als Spätlese mit Geschmäckle, alles serviert von einer gut vorbereiteten Moderatorin: Das war ein Talk-Menü der Kategorie „Münchhausen“.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.