Teletäglich

Ampel-Pattex bei Illner. FDP-Lady: Lambrecht ist eine gute Ministerin!

„Maybrit Illner: Krieg in der Ukraine – was will der Westen erreichen?“ ZDF, Donnerstag, 19.Mai 2022, 22.15 Uhr.

Mariupol ist gefallen, aber der Kampf gegen Putins mörderische Invasion geht unvermindert weiter. Maybrit Illners Gäste:

Ursula von der Leyen (63, CDU). Die EU-Kommissionspräsidentin verspricht den Ukrainern: „Euer Kampf ist unser Kampf. Wir sind mit euch!“ Sie wird aus Brüssel zugeschaltet.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (64, FDP). Die Verteidigungspolitikerin reiste als eine der ersten nach Kiew und legte sich auch mit Bundeskanzler an.

Gregor Gysi (74, Linke). Der Ex-Fraktionschef wirft Nebelkerzen aus Putinscher Produktion: „Der Westen ist auch nicht ehrlich und trägt einen Schuldanteil!“

Yevgenia Belorusets (42). Die ukrainische Schriftstellerin schimpft über den „offenen Brief“ von Alice Schwarzer & Co.: „Diese Leute verurteilen uns zum Verschwinden!“ Sie kommt aus Kiew auf den Schirm.

Gustav Gressel (43). Der österreichische Sicherheitsexperte fordert: „Wir müssen die dumme Hysterie eines Atomkriegs beiseitelassen!“

Markus Feldenkirchen (46). Der Journalist („Spiegel“) bangte nach dem Überfall: „Die Ukraine muss jetzt dran glauben, weil Putin Krieg gegen die Demokratie führt.“

Alle sind gegen den Krieg, aber nicht alle wollen ihn gewinnen. Was ist Fakt, was Propaganda? Das Zoff-o-Meter schaltet den Lügendetektor ein.

Ermutigendstes Lagebild

„Im Grunde ist es möglich“, sagt der Militärexperte über einen ukrainischen Sieg, „es ist aber noch sehr weit weg. Russland wird noch bis in den Sommer hinein angreifen können.“

Ordne Putin dann keine Mobilmachung an, könne seine Armee nur noch defensiv agieren. „Weitere Personalnot könnte sie im September/Oktober bekommen“, sagt Gressel voraus. Und: „Die ukrainische Armee wächst an, weil sie Freiwillige bekommt. Im Sommer könnte sie die Überhand gewinnen. Aber wir haben noch sehr viel Krieg vor uns.“

Nervigste Chuzpe

Gysi möchte sich wie immer schnell in Szene setzen, und weil er nicht gleich dran ist, tarnt er sein Vordrängeln als Infosuche: „Darf ich mal was fragen?“

Die Talkmasterin will ihn abwimmeln: „Sekunde, Herr Gysi! Wir sind ganz kurz…“

Doch der Linke-Politiker lässt sich nicht beirren: „Eine Frage an ihn“, beharrt er und peilt den Militärexperten an: „Glauben Sie, dass Russland die Mobilmachung…“

„Wir sind nicht allwissend“, antwortet Gressel irritiert. „Dann hat Herr Gysi schon eine Frage gestellt“, stoppt Illner und holt sich die Moderation zurück. Uff!

Dann fährt schon das Zoff-o-Meter hoch

Russland soll so geschwächt werden, dass es nie wieder angreifen kann“, zitiert Illner den US-Verteidigungsminister. „Warum sagt einen solchen Satz der Bundeskanzler nicht?“

Strack-Zimmermann hat nach den koalitionsunfriedlichen FDP-Attacken auf Scholz satt Kreide gespeist: „Das ist eine Mentalitätssache, wie man was ausdrückt“, schwurbelt sie los.

Doch Illner zweifelt ihr glatt ins Gesicht: „Das glaube ich nicht.“ Ui! Da ist sie aber nicht die einzige.

Vorsichtigste Erwartung

Die Verteidigungsexpertin will sich mit dem allerdings leicht verbogenen Zitat eines preußischen Kriegshelden aus der Bredouille reden: „Ich glaube, es war Moltke, der mal gesagt hat: Ein Sieg bedeutet nicht nur militärisch, sondern sozusagen den Willen des anderen zu brechen, anzugreifen.“ Heidewitzka!

Mit schlichten Tatsachen kommt Strack-Zimmermann besser zurecht: „Es ist bekannt, dass ungefähr 20.000 Russen gefallen sind, überwiegend aus den zentralasiatischen Staaten“, stellt sie fest. „Jetzt kommen auch die ersten Särge zurück der Moskauer jungen Leute und derer in St.Petersburg.“

Folge: Es könne ein „gewisser Widerstand erzeugt werden“, fügt die FDP-Lady hinzu, „wenn 18-, 19-jährige in den Krieg gezogen werden und nicht mehr nach Hause kommen.

Deutlichster Widerspruch

Der „Spiegel“-Journalist diagnostiziert beim Kanzler „große kommunikative Defizite“ und beobachtet „von der Seitenlinie aus“, dass es „nicht nur unterschiedliche  Mentalitäten sind“. Sondern, so Feldenkirchen: „Da wollen zwei politische Kräfte was anderes“.

Was schwere Waffen betreffe, wolle Strack-Zimmermann „weitaus mehr“ als Scholz, urteilt der „Spiegel“-Mann. „Der Bundeskanzler wird von Woche zu Woche einen Meter mehr gedrängt, und so bewegt er sich langsam, zaudernd, macht semantische Kniffe…“ Puh!

Rachelustigste Retourkutsche

„Diese Diskussion war für mich schmerzhaft und enttäuschend“, klagt die Ukrainerin über das zähe Waffengescholze, findet aber „gleichzeitig die Stimmung in Deutschland sehr inspirierend.“ Denn: „Ich spürte die Unterstützung und die Solidarität der Menschen seit der ersten Minute.“

Danach muss der Linke-Politiker zur Strafe einmal aussetzen: „Herr Gysi hat schon eine Frage gestellt, war also schon dran“, erklärt die Talkmasterin und übergeht ihn. Uff! Fehlt nur noch, dass er sich in die Ecke stellen muss.

Gouvernantenhafteste Belehrung

Ein ZDF-Einspieler listet die Kritik an Scholz und die peinlichen Fehlschaltungen der Bundeskrawallampel auf. Danach nimmt die FDP-Politikerin sichtlich verärgert den ukrainischen Botschafter Andrij Melnyk auf die Hörner. „Druck zu machen ist sein gutes Recht“, erklärt sie und wedelt empört mit den Händen, aber „das geht nicht über die Medien“, sondern „man muss offiziell darum bitten.“ Und zwar: „Da gibt’s eine Note, die reicht man ein. Wir sind ja hier nicht auf dem Basar.“ Ernsthaft jetzt?

Über ihren Parteifreund, der den Verteidigungsausschuss  nach typisch scholzschen Antwortverweigerungen entnervt verließ, wettert Strack-Zimmermann: „Das hake ich mal ab unter Fragen, wie man sich benimmt.“ Und damit meint sie nicht etwa den Bundeskanzler.

Überflüssigstes Selbstreferat

„Ich bin 1948 geboren“, meldet Gysi, „und habe als Kind und später noch die Folgen des schlimmsten Krieges der Menschheitsgeschichte erlebt, der von Deutschland ausging. Deshalb ist für mich der Beschluss gefasst worden, dass Deutschland nie wieder an Kriegen Gewinn  machen soll.“

Wie bitte, „nie wieder Gewinn“? „Wir sind der fünftgrößte Waffenexporteur der Welt“, erläutert der Linke-Politiker. „Die beiden deutschen Konzerne, die Waffen an die Ukraine liefern sollen, bekommen es ja bezahlt. Wieder machen wir Gewinne am Krieg.“

Und wieder Zoff

Die Talkmasterin bringt Gysis Kritik an Waffenlieferungen auf den Punkt: „Sie sind eigentlich dafür, die anderen sollen, nur wir nicht?“

„Wir haben eine andere Geschichte“, entgegnet Gysi. „Ich bin Jahrgang 48, Sie sind jünger.“

Peinlichste Selbstentwertung

Für das tagelange Bashing der Verteidigungsministerin auch durch den Oppositionsführer rächt sich Strack-Zimmermann mit einer plumpen Bosheit: „Herr Merz ist ja das Opfer von Frau Merkel vor 16 Jahren geworden“, erinnert sie. „Er wurde über Nacht von ihr kaltgestellt. Ich glaube, da spielt auch ein großes Trauma eine Rolle.

Mehr noch: „Ich fand das in diesem Kontext völlig daneben“, poltert die FDP-Lady sichtlich verärgert. „Das war unsachlich. Es war auch schlichtweg unhöflich!“

Boshafteste Verächtlichmachung

Sie selbst erlebe die angeschossene Koalitionskollegin als „gute Verteidigungsministerin“, beteuert die FDP-Lady dann. „Sie ist eine sehr loyale Ministerin ihrem Kanzler gegenüber.“ Hm. Wenn das alles ist…

Strack-Zimmermanns aggressive Defensivstrategie gipfelt in einer sonderbaren These: „Christine Lambrecht muss Entscheidungen treffen. Das müsste auch jemand machen, der mal ein paar Monate Dienst geschoben hat und gesagt hat: Ich habe gedient, ich bin so richtig taff. Nicht jeder, der mal ein Jahr bei der Bundeswehr war, ist hier der große Feldherr!

Eindringlichster Alarmruf

Der Sicherheitsexperte macht Schluss mit der militärklamottenhaften Juxerei: Ihm graut davor, „was den Gefangenen aus Mariupol jetzt blüht“, und er warnt davor, „dass man einem Abkommen, einem Handschlag oder einem Tauschgeschäft mit Russland nie trauen darf.“

Denn, so Gressel: „Es war ein Gefangenenaustausch dieser verwundeten Soldaten vorgesehen. Jetzt werden sie nach Russland verschleppt und dort inhaftiert. Und wahrscheinlich einem Schauprozess zugeführt. Wahrscheinlich werden unter Folter Geständnisse herausgequetscht.

Wichtigste Ankündigung

Die EU-Kommissionspräsidentin möchte Sorgen in Kiew dämpfen, der EU-Beitritt könne womöglich Jahre oder Jahrzehnte dauern. „Wir werden sowieso den Wiederaufbau der Ukraine mitfinanzieren müssen“, verspricht sie. „Dann ist es doch sinnvoll, mit der Ukraine so zusammenzuarbeiten, dass wir sagen. Ja, Investitionen, aber gleich mit den notwendigen Reformen.“

Genauer: „Zum Beispiel gegen Korruption, oder für den Aufbau der Rechtsstaatlichkeit“, erläutert von der Leyen. „Das will die Ukraine auch. Ich habe das heute Morgen noch einmal mit Präsident Selenskyj besprochen. Das Wiederaufbauprogramm an Reformen koppeln. Was ich sehe, ist ein ganz fester Wille, diesen Weg zu schaffen!“

Spannendste Frage

Es wäre schön, wenn die Milliarden aus den Vermögen der russischen Oligarchen verwandt werden könnten, um dieses kaputtgebombte Land wieder aufzubauen“, hofft die Talkmasterin.

„Das reine Gerechtigkeitsempfinden gebietet das“, stimmt die Kommissionspräsidentin zu. „Ich weiß aber auch, dass allein die Nähe zum Kreml oder die Unterstützung des Kremls noch kein strafrechtlich relevanter Tatbestand ist.“

Deshalb, so von der Leyen, „arbeiten unsere Juristen jetzt intensiv daran, Möglichkeiten zu finden, dieses Vermögen der Oligarchen, das eingefroren ist, auch verwenden zu können für den Wiederaufbau der Ukraine. Ich finde, Russland muss seinen Beitrag auch dazu leisten.“ Und „Gas-Gerd“ Schröder, nicht zu vergessen?

Über Erdogans Einspruch gegen die Nato-Norderweiterung urteilt Marie-Agnes Strack-Zimmermann milde: „In großen Familien gibt’s immer einen, der so ein bisschen von der Seite spielt.“

Klarste Ansage

Wie die Kommissionspräsidentin macht auch der Sicherheitsexperte keine Gefangenen: „Wenn man immer nach der Pfeife tanzt, was könnte Putin provozieren, und ihm in vorauseilendem Gehorsam einen Platz an unseren Entscheidungstischen gibt“, warnt Gressel, „dann bestärkt man ihn zu Drohungen in einem ungeahnten Ausmaß.“

Seine dringende Empfehlung: „Diese lose Zunge, dieses ständige Drohen, das sich die russische Führung angewöhnt hat, stellt man in erster Linie ab, indem sie den Krieg in der Ukraine krachend verliert.“ Amen!

Fazit

Ein Diskussionsgefechtsfeld voller Heuchel-Minen und Lügen-Krater, die Rede-Truppe mit rasanten Positionswechseln, Talk-Kommandeuse Illner auf der Leitungsebene voll präsent: Das war eine Show der Kategorie „Frontalanpfiff“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.