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Altmaier in „Hart aber Fair“: Bundesliga-Clubs sollen Würstchenbudenbesitzern helfen!

„Hart aber Fair:  Die Corona-Krise – Wo stehen wir, was kommt noch?“ ARD, Montag, 16.März 2020, 20.15 Uhr.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat in der ARD-Talkshow „Hart aber Fair“ am Montag angeregt, dass sich mindestens die reicheren Fußballclubs jetzt auch um die von der Corona in ihrer Existenz bedrohten Kleinunternehmer in und an den Stadien kümmern sollten.

Wörtlich sagte der Politiker: „Es gibt Bundesligavereine, denen geht es wirtschaftlich nicht so schlecht. Leisten die vielleicht einen Beitrag, dass der Würstchenbudenbesitzer mit den hohen Standgeldern nicht Pleite macht?

Gelungenster Flankenwechsel

„Kühne Frage: Was ist eigentlich mit Fußballern?“ wollte Talkmaster Frank Plasberg wissen. „Kann man denn eigentlich auch von Bundesligaspielern mit Millionengehältern erwarten, dass sie verzichten, oder ist das Klassenkampf?

„Ich glaube, dass der Spendenfreudigkeit keine Grenzen gesetzt werden soll“, antwortete Altmaier diplomatisch.

Der Staat werde das Nötige tun: „Wir werden über den Härtefallfonds sehr zeitnah beraten“, versprach der Minister. Das bedeute Geld etwa für Mieten oder eben auch die Standgelder von Currywurstverkäufern an den Bundesligastadien.

„Hart aber Fair“ auch diesen Montag wieder im XXL-Format: Zwei Stunden Info-Powertalk! Die Gäste

  • Der Wirtschaftsminister sicherte zu: „Wir tun alles, um unsere Wirtschaft und die Unternehmen zu stützen!“
  • Die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl ist die Crash-Kassandra der deutschen Aktien-Szene.
  • Der Virologe Prof. Jonas Schmidt-Chanasit sah vor drei Wochen „keinen Grund zur Panikmache“. Das ist auch jetzt so, aber die Zahlen und damit die notwendigen Maßnahmen ändern sich laufend.
  • Die Diplom-Psychologin Ulrike Scheuermann schreibt Bücher über den „Weg zu innerer Freiheit und Stärke“. Jetzt ging es ihr aber um die Angst.
  • Der Hotelier Bernd Niemeier kämpft für die Gastronomie in Nordrhein-Westfalen.
  • Der ARD-Experte Frank Bräutigam („Ratgeber Recht“) wollte vor allem über Haftungsfragen informieren, z.B.: Gibt’s Geld zurück, wenn Fußballspiele ausfallen?

Experten unter sich. Natürlich ohne Publikum. Das Studio wurde coronagerecht umgebaut: Gäste in zwei Gruppen, mit zwei Meter Abstand. Jetzt war nicht Meinung, sondern Info gefragt.

Zum Start klare Ansagen

Der Virologe setzte auf Klartext: „Die Bevölkerung muss sich auf eine lange Zeit der Entbehrung und des Kampfes einstellen. Vor uns stehen mehrere Monate Quarantäne!“

Der Minister verbreitete lieber Zuversicht: „Wir haben so viele Reserven, dass wir versprechen können, dass kein einziger Arbeitsplatz wegen Corona verloren geht!“

Lageberichte aus dem Krisengebiet

Die ARD zeigte anfangs 40 Minuten Reportagen und Interviews. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann sagte dabei: „Das schlimmste Virus ist das Virus Angst!

Ein freiwilliger Helfer bietet Senioren seine Dienste besonders schneidig an: „Ich habe bei der Bundeswehr Kampfsanitäter gelernt. Fürs Einkaufen sollte das reichen!

Realistischste Prognose

Altmaier will allen helfen, „auch dem kleinen Handwerker“, und zwar „egal, ob es eine Milliarde mehr kostet!“

Aber: „Es wäre verantwortungslos, zu sagen, in 14 Tagen ist das alles vorbei“, warnte der Minister. „Ich habe meine Auslandsreisen bis Mitte Mai abgesagt. Wir werden diese Ausnahmesituation fünf bis sechs Wochen lang haben!“

Persönlichste Hinweise

Die Psychologin sah die Quarantäne auch positiv: „Wir lernen uns gerade alle noch mal besser kennen!“

Der Talkmaster fand das etwas zu idealistisch: „Bevor Sie das verherrlichen: Ich bin auch Familienvater!“ sagte er zu der Expertin und verriet: „Es kann auch mal krachen!

Lautester Notruf

Die ganze Branche ist wie von einem Tsunami überrannt worden!“ klagte Gastronom Niemeier. „Wir brauchen einen Not-Fonds!“

Wichtigste Vorschläge

Börsen-Kohl dachte größer: „Möglicherweise müssen auch Konzerne gestützt werden“, prophezeite die ARD-Expertin und dachte dabei auch schon an „temporäre Verstaatlichungen“ wie etwa bei der Lufthansa. Dem Mittelstand wiederum müsse der geplante Corona-Fonds „die Gewissheit geben, dass er die Durststrecke überwinden kann“.

Ein bisschen Zoff muss sein

Besonders liegen Kohl die fünf Millionen Freiberufler am Herzen: „Das sind Schauspieler, aber zum Beispiel auch Fußpflegerinnen“, zählte sie auf.

Plasberg stoppte sie mitten im Satz: Er wollte seinen nächsten Einspieler unterbringen.

„Lassen Sie mich doch ausreden!“ protestierte die ARD-Kollegin. „Das ist wirklich wichtig!“ Aber nicht so wichtig wie Plasbergs Fahrplan…

Wertvollste Zusicherung

„Alle diese Fragen werden wir so lösen und beantworten, dass das Thema ‚Der Mensch im Mittelpunkt’ keine leere Phrase ist, sondern tatsächlich auch gelebt wird!“ gelobte der Minister.

Ungewöhnlichste Idee

„Es geht nicht immer um Geld“, assistierte der Virologe. „Wir haben einen massiven Rückgang bei den Blutspenden. Insofern wäre es vielleicht angebracht, dass die Spieler alle mal ordentlich Blut spenden. Da wäre schon sehr, sehr viel geholfen!“

Privateste Antwort

Eine Zuschauerin wollte wissen, warum Friseurläden geöffnet bleiben dürfen, Spielhallen aber nicht.

„Das Grundprinzip ist, dass wir gesagt haben: Alles, was nicht unbedingt benötigt wird, soll geschlossen werden“, erklärte der Minister.

Aber: „Nun kann man darüber streiten, ob Friseure zum täglichen Bedarf gehören“, gab Altmaier zu, guckte auf seinen Frisurbruder zur Rechten und räumte ein: „Für Herrn Schmidt-Chanasit und für mich vermutlich weniger…“

Dringlichst erwartete Ansage

Zur Sorge vieler Eltern, die sich jetzt alleine um ihre Kinder kümmern müssen, sagte Altmaier: „Wir brauchen bis spätestens Ende dieser Woche eine Lösung für diese Familien, und wir sind entschlossen, eine zu finden!“

Makaberste Frage

Wie soll mit Verstorbenen verfahren werden, die mit Corona infiziert waren? fragte ein Bestatter.

„Entsprechende Vorsichtsmaßnahmen müssen natürlich eingehalten werden“, stellte der Virologe fest. Ein Kontakt mit dem Leichnam etwa zum Abschiednehmen werde aber nicht mehr möglich sein.

Denn, so Schmidt-Chanasit: „Wir wissen noch sehr wenig, was die Körperflüssigkeiten bei Verstorbenen betrifft, wie hoch da die Viruskonzentration ist.“

„Da, wo ich herkomme, im Saarland, nehmen sehr viele Anteil, wenn jemand bestattet wird“ fügte der Minister hinzu. „Das wird in dieser Form jetzt nicht möglich sein!“

Schlüssigste Erklärung

Über die Hamsterkäufe sagte die Psychologin: „Die Vergangenheit mit Hunger und Krieg ist immer noch in uns drin. Wir sehen leere Regale und denken: Ich muss was tun! Wenn die Angst da ist, ist jeder sich selbst der Nächste.“

Sehnlichste Hoffnung

Über die Suche nach einem Impfstoff sagte Schmidt-Chanasit: „Die ersten klinischen Tests werden im Sommer beginnen. Es gibt in Deutschlands sehr erfolgreiche Firmen. Nächstes Jahr werden wir sehen, ob wir einen Impfstoff einsetzen können.“

Und Altmaier versprach: „Unsere Gesellschaft wird nach dieser Krise stärker sein, als sie es vorher war.“ Peter Altmaier

Fazit: Ausgedehnter Info-Ritt quer durch die Gefahrenzone, geballtes Fachwissen im Einsatz gegen Dummheit und Rücksichtslosigkeit, der virale Moralmob aus den Social Media musste draußen bleiben: Das war ein Talk der Kategorie „Volle Kelle“.

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