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AfD-Sprecher Meuthen lehnt Höcke als Co-Chef ab

„maischberger.die woche“ ARD, Mittwoch, 27.November 2919, 22.45 Uhr.

Der AfD-Politiker Jörg Meuthen, einer der beiden Bundessprecher der Rechtsaußen-Partei, hat in der ARD-Talkshow „maischberger.die woche“ am Mittwoch eine deutliche Antwort auf die Frage nach einer möglichen Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Thüringer Wahlsieger Björn Höcke an der Parteispitze gegeben.

Gretchenfrage des Abends

Wörtlich sagte Meuthen auf die Frage, ob er auch dann Parteichef bleiben wolle, wenn der zweite Mann in der Doppelspitze Björn Höcke wäre: „Das hielte ich für keine gute Lösung, weil Herr Höcke und ich zwei unterschiedliche Positionen haben. Deshalb würde ich dafür nicht zur Verfügung stehen!“

Spannendste Ansage

Gleich zu Beginn des Interviews, das den großen Teil der Sendezeit einnahm, hatte ihm Talkmasterin Sandra Maischberger allzu große Geduld mit Antisemiten und Rassisten vorgeworfen: „Sie lassen sich als Parteichef einfach alles gefallen!“ warf sie ihm vor.

„Ich distanziere mich von Leuten, die die Grenze nach rechts nicht einhalten“, widersprach Meuthen energisch, „denn wir wollen regierungsfähig werden!“

Maischberger hakte nach: Und die antisemitischen Äußerungen aus seiner Partei?

Meuthen: „Ich stünde für eine solche AfD nicht zur Verfügung!“

Interessanteste Beschreibung

„Wir sind eine rechte Partei“, sagte der AfD-Chef dazu. „Was aber nicht geht, sind Rechtsradikalität und Rechtsextremismus. Die Brandmauer auf der rechten Seite muss stehen!

Für seinen wichtigsten innerparteilichen Gegner fand Meuthen eine ganz eigene Definition: „Der Herr Höcke ist ein Wanderer auf der Grenze!“

Abenteuerlichste Antworten

Maischberger versuchte es dann mit Sachthemen, z.B. „die AfD hat kein Rentenkonzept!“ Meuthen sah das ganz anders: „Wir haben sogar eine ganze Menge Rentenkonzepte!“ sagte er und erntete allgemeine Heiterkeit.

Es folgte das übliche Ja-Nein-Stakkkato. Spitzensteuersatz senken? Meuthen: „Ja!“ Erbschaftsteuer? Meuthen: „Ja!“ Mindestlohn erhöhen?“ Meuthen: „Ein bis zwei Euro mehr sind unkritisch!“ Hartz IV erhöhen? Nein, das denn doch nicht: „Da liegen wir nicht ganz schlecht.“

„Hartz IV nicht schlecht, und die Leute sammeln Pfandflaschen!“ kommentierte die Talkmasterin.

Unser Anspruch ist, eine Volkspartei zu sein“, erklärte Meuthen unverdrossen. „Wir wollen die kleinen Leute mitnehmen!“

Deutlichste Drohung

Dann ging es noch einmal ans Eingemachte. „Wenn die AfD sich zu einer antisemitischen, rassistischen, ausländerfeindlichen Partei entwickeln würde, dann könne ich nicht mehr in den AfD sein!“ drohte Meuthen.

„Sie tolerieren, bis es nicht mehr geht!“ kritisierte Maischberger.

Für die Entwicklung zu einer völkischen, nationalistischen Partei gibt es bei uns keine Mehrheit“, behauptete Meuthen. „Die Mehrheit bei uns ist bürgerlich-freiheitlich. Da, wo früher die CDU war, ist ein Vakuum entstanden, und da sind jetzt wir!“

Damit ging er ab, und kriegte Applaus.

Comeback des Abends

So leicht mochte der Politologe Albrecht von Lucke den AfD-Mann dann aber doch nicht davonkommen lassen. „Setzen Sie sich doch noch mal, ich hätte ein paar direkte Fragen an Sie!“ rief er ihm hinterher.

Tatsächlich stellt Meuthen sich daraufhin zu einem Nachschlag zu den anderen Gästen an die Talk-Theke. Prompt geht der Zoff noch mal so richtig los!

Hitzigster Dialog

Der neue AfD-Parteichefkandidat Gottfried  Curio habe vollverschleierte Frauen als „schwarze Säcke mit Schlitzen“ verspottet, schimpfte von Lucke. „Ist das nicht menschenverachtend?“

Was ich menschenverachtend finde, ist, Frauen so zu verschleiern!“ konterte Meuthen.

„Es ist frauenfeindlich!“ beharrte von Lucke.

„Wir haben in Europa ein anderes Frauenbild“, antwortete Meuthen. „Das ist tiefe Frauenfeindlichkeit, die sich da im Islamismus manifestiert!“

Klügster Kommentar

80 Prozent der Deutschen denken wahrscheinlich, dieser Höcke, das ist aber eine komische Figur, was sieht der sich wohl nachts heimlich an?“ sagte der Journalist Jan Fleischhauer (Focus).

So ging es im Ping-Pong noch Minuten lang hin und her. Die Talkmasterin ließ die Verlängerung laufen, obwohl sie dafür später das geplante Talk-Thema „Prinz Andrew und die Minderjährige“ sausen lassen muss. Dem Publikum war’s recht, den Streitenden sowieso.

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